Modellbau-Affäre Im Betrugsprozess wird es eng für Hubert Haderthauer

Hubert Haderthauer gerät im Prozess um Betrug und Steuerhinterziehung inzwischen in Bedrängnis.

(Foto: Balk/dpa)
  • Im Prozess gegen Hubert Haderthauer schlägt sich das Gericht auf die Seite der Staatsanwaltschaft. Ein Freispruch wird damit unwahrscheinlich.
  • CSU-Stadträtin Dorothea Soffner sagt als Zeugin aus. Ihre Arbeit im Haushalt der Haderthauers sei über die Firma "Sapor Modelltechnik" abgerechnet worden.
Von Dietrich Mittler

Am nunmehr fünften Verhandlungstag gegen Hubert Haderthauer wird dem wegen Betrugs und Steuerhinterziehung angeklagten 59-Jährigen bereits in den ersten Minuten klar, dass er derzeit kaum mit einem Freispruch rechnen kann. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl holt zu einer Erklärung aus. Von diesem Augenblick an wirkt Haderthauer - obwohl umringt von drei Anwälten - so, als sei er der einsamste Mensch.

"Zunächst sind wir der Meinung, dass die Kammer eine erste Erklärung abgeben sollte", setzt Heindl an. Was dann folgt, wirkt auf den derzeit vom Dienst suspendierten Ingolstädter Landgerichtsarzt Haderthauer wie ein Schlag: Das Gericht schließt sich der Sicht der Staatsanwaltschaft an. Und die legt dem Angeklagten zur Last, im Rahmen seiner Geschäfte mit von psychisch kranken Straftätern produzierten Modellautos 44 000 Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Zeuge Fritz S. sorgt für reichlich Farbe im Verfahren

Schräg nach hinten gelehnt, folgt Haderthauer den darauf folgenden Aussagen der Zeugen. Der Prozess gerät vor seinen Augen zunehmend zu einem Sittengemälde, welches keinen der Protagonisten mehr in einem guten Bild erscheinen lässt. Und das schließt auch die Seite ein, die sich durch Hubert Haderthauer und seine Frau Christine übel getäuscht sieht.

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Das Gericht jedenfalls kann inzwischen durchaus davon ausgehen, dass auch Haderthauers früherer Geschäftspartner und jetziger Kontrahent Roger Ponton nichts gegen Tricksereien einzuwenden hatte, wenn die nur seine Verhandlungsbasis gegenüber den Haderthauers verbesserten. Richter Heindl veranlasst diese Erkenntnis jedenfalls zu dem Vorschlag an die Staatsanwaltschaft, den Betrugsfall ruhen zu lassen und die ausstehende Gerichtsentscheidung auf die offenbar bewiesene Steuerhinterziehung einzugrenzen.

Sodann tritt der Zeuge Fritz S. in Szene. Er war kurze Zeit Gesellschafter der Firma "Sapor Modelltechnik", welche die Oldtimer-Modelle vertrieb. S. sorgt für reichlich Farbe im Verfahren. Der gelernte Industriemechaniker hat auch Erhellendes zum familiären Binnenverhältnis der Haderthauers beizutragen. So habe der Doktor gesagt, er dürfe "gar nicht nach Hause kommen", bevor er die Probleme innerhalb der Sapor Modelltechnik gelöst habe.

Haushaltsarbeiten offenbar über die Firma abgerechnet

Die folgende Zeugin, die Ingolstädter CSU-Stadträtin Dorothea Soffner, gibt ebenfalls tiefe Einblicke ins Familienleben. Sie schildert sich als eine Art "Mädchen für alles" im Haushalt der Haderthauers. Sie habe, als Christine Haderthauers politischer Aufstieg begann, stellvertretend für "die Chefin" Anzüge aus der Reinigung geholt, Post abgeholt und vieles andere mehr, was in einer Politikerfamilie eben alles anfällt. "Mein Auftrag war: Der Laden musste laufen", sagt Soffner.

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Abgerechnet wurden diese Leistungen aber als Arbeiten für die Firma "Sapor Modelltechnik", um so dem Unternehmen steuerliche Vorteile zu verschaffen. Nach Soffners jetziger Aussage haben aber nur zehn Prozent ihrer Arbeit dieser Firma gegolten. So habe sie sich etwa Gedanken dazu gemacht, wie man die Prospekte verschönern könne oder welche Teppiche sich besser für einen Messeauftritt eignen würden.

"Ich habe mich als Sparringspartnerin von Hubert Haderthauer empfunden, wenn er da eine Idee hatte", sagt sie. Auf Nachfrage des Gerichts muss die CSU-Politikerin schließlich einräumen, dass es beim Denken blieb. Gedruckte Ergebnisse dieser Arbeit kann sie nicht vorweisen. Ja, sagt Soffner schließlich, es sei ein Fehler gewesen, ihre Arbeit über die Firma "Sapor Modelltechnik" abgerechnet zu haben.

Richter Rupert Heindl liest aus den Handy-Protokollen vor

Ein Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen Soffner ist inzwischen vom Tisch - gegen Zahlung einer Geldauflage. Gegen Christine Haderthauer hat die Staatsanwaltschaft München II in dieser Sache einen Strafbefehl beantragt. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die der SZ vorliegen, gehen die Staatsanwälte davon aus, dass Christine Haderthauer vor und während der Ermittlungen gegen ihre eigene Person Einfluss auf Soffners Aussagen nehmen wollte. Dabei stützen sich die Ermittler auf die Auswertung der Handy-Kommunikation zwischen Haderthauer und Soffner.

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Richter Rupert Heindl liest aus den Handy-Protokollen vor, lässt auch jene Szenen nicht aus, als die Frauen sich über die Staatsanwälte in ihrem Haus auslassen. "Ich weiß nicht, wie man sich nach einer Vergewaltigung fühlt, aber so ähnlich ist es", heißt es da. Die Worte geben - wie Soffner nun einräumt - ihren damaligen Gemütszustand wieder.

"Ich wollte mit diesem Scheiß gar nicht in Verbindung gebracht werden. Ich war doch als Stadträtin selbst Mandatsträgerin", gibt sie offen zu. Auch richtete sie an ihre "Chefin" damals die bange Frage, was denn geschehe, wenn die Staatsanwaltschaft von ihr wissen wolle: Was haben Sie tatsächlich für die Firma Sapor Modelltechnik getan? Die Frauen kamen seinerzeit zu folgender Erkenntnis: "Eine Antwort müssen wir in Ruhe überlegen."