Mixa-Nachfolger Zdarsa Kirchenkrise, nächste Folge

Mit der Nachfolge-Regelung für Walter Mixa hatte es der Vatikan besonders eilig. Die Kirchenspitze handelt, so die Botschaft aus Rom. Doch die Ernennung von Bischof Zdarsa zeigt vor allem Eines: Der Vatikan hat wenig gelernt.

Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Er hat alle überrascht: Schon zwei Monate nach dem Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa hat Papst Benedikt XVI. dessen Nachfolger bestimmt, Konrad Zdarsa aus Görlitz. Das ist rekordverdächtig; meist dauert es ein Jahr, bis ein neuer Bischof gefunden ist.

Aber Rom hatte es eilig, weil eine lange Vakanz in Augsburg quälend geworden wäre - und weil die Kurie zeigen wollte: Wir handeln, wir entscheiden, wir kommen heraus aus der Missbrauchskrise. Der Skandal um Mixa war gestern. Jetzt steht der Neue aus dem Osten im Mittelpunkt des Interesses.

Raus aus der Krise, das ist im Augenblick das Motiv vieler Entscheidungen im Vatikan. In Kürze wird der Papst neue Vorschriften für den Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch veröffentlichen, sie werden noch einmal klarer und schärfer sein als die alten aus dem Jahr 2003. Benedikt hat die Kurie (in Maßen) verjüngt, die Bischofskongregation neu besetzt.

Er hat den 60-jährigen Baseler Bischof Kurt Koch zum Nachfolger des Ökumene-Ministers Walter Kasper gemacht, was auf Lob bei den evangelischen und orthodoxen Kirchen gestoßen ist. Und er hat einen neuen Rat für die Neu-Evangelisierung der westlichen Welt geschaffen, der den Dialog mit den säkularisierten Gesellschaften des Westens suchen soll.

Die Kirchenspitze handelt, heißt die Botschaft aus Rom. Sie ist nicht paralysiert von den immer neuen Missbrauchsvorwürfen, im Gegenteil: Sie nutzt die Krise als Chance.

Die Ernennung des künftigen Augsburger Bischofs zeigt aber auch, dass schnell entscheiden nicht immer bedeutet, gut zu entscheiden. Der Papst hat in einer offenbar recht einsamen Prozedur Konrad Zdarsa erwählt und dabei die deutschen Bischöfe ebenso wie das Augsburger Domkapitel brüskiert. Er hat einen Mann befördert, der bislang ein Bistum leitete, das kleiner ist als manches Augsburger Dekanat, der als unauffällig und eher konfliktscheu gilt, der sich auf eine ihm sehr fremde Welt wird einlassen müssen.

Ja, wahrscheinlich kann nur jemand von außen das zerrissene Bistum Augsburg einigermaßen wieder einen. Aber es wird nicht genügen, wenn der Bischof von Augsburg persönlich sympathisch ist, die Ausgestaltung der Liturgie liebt und aus Führungsschwäche heraus autoritär entscheidet, wie in diesem Fall viele fürchten.

Raus aus der Krise, das müsste für die katholische Kirche bedeuten: demütig werden, selbstkritisch nach den Problemen in Kirchenstruktur und Lehre zu fragen, neu auf die Menschen innerhalb und auch außerhalb der Kirchen zu hören. Die Entscheidung von Augsburg lässt befürchten, dass daraus nichts wird, dass die große Kirchenkrise zwar hier und da eine Änderung bewirkt, dass insgesamt aber das angeblich neue Denken nur die Fortsetzung des alten mit anderen Mitteln ist.

Irgendwann wird der Skandal samt Skandalberichterstattung enden. Die Krise der katholischen Kirche aber wird weitergehen.

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