Er spricht von einer Periode der "Heilungen" und davon, dass er andere Vorstellungen hat als sein "werter Vorgänger": In Augsburg verkündet Mixa-Nachfolger Zdarsa, wie er das zerstrittene Bistum einen will.
Einen derart heftigen und lang anhaltenden Applaus hat es im Hohen Dom zu Augsburg schon lange nicht mehr gegeben. Die dreischiffige Kathedrale ist voll besetzt, viele Menschen drängen sich stehend neben dem Altar, um einen Blick auf den künftigen Bischof Konrad Zdarsa zu erhaschen. "Ein herzliches Grüß Gott", ruft ihm Weihbischof Josef Grünwald zu, die Gläubigen und auch die Mitglieder des Domkapitels klatschen fast schon euphorisch. In diesem Moment wird die Erleichterung der schwäbischen Katholiken offenkundig, dass sie endlich wieder einen Oberhirten haben. Und die Hoffnung, dass endlich wieder Ruhe einkehrt nach der turbulenten Ära seines Vorgängers Walter Mixa.
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"Ein herzliches Grüß Gott": Augsburgs künftiger Bischof Konrad Zdarsa mit Weihbischof Josef Grünwald. (© dapd)
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Konrad Zdarsa selbst scheint geradezu überwältigt zu sein von dem Zuspruch - und von den Erwartungen, die dabei mitschwingen. Als der Applaus verstummt und die hellen Stimmen der Domsingknaben zum Jubilate Deo erklingen, zuckt Zdarsas rechte Hand unruhig umher. Er atmet mehrmals tief durch. Wie ein nervöser Proband nach einer schweren Prüfung - oder besser: vor der Prüfung. Der künftige Oberhirte ringt sichtlich um Fassung.
Nach all dem Ärger während Mixas Amtszeit und dessen Prügel- und Untreue-Affäre herrscht heute im Bistum Augsburg wenigstens Einigkeit in einer Sache: Der 66-jährige Zdarsa steht vor einer alles andere als leichten Aufgabe. Andere sind in seinem Alter längst in Rente, für ihn beginnt mit der Amtseinführung am 23. Oktober seine wohl schwerste Mission als Kirchenmann. Bisher verwaltete er im beschaulichen Görlitz 30.000 Katholiken in der kleinsten Diözese Deutschlands.
In Augsburg ist er verantwortlich für 1,3 Millionen Gläubige, und das Bistum ächzt angesichts des Priester- und Geldmangels, angesichts der Kirchenaustritte und vor allem des Streits um Walter Mixa, der die Diözese in zwei Lager spaltete. Fortan wird jede Entscheidung, jeder Schritt Zdarsas von den Parteien beäugt werden. "Ich bete", sagt Franziskanerinnen-Schwester Petra vor dem Portal des Doms, "ich bete, dass er unterscheiden kann, wer rechtschaffen ist und wer nur Machtspiele betreiben will."
Nach dem gemeinsamen Gebet im Dom nimmt sich Zdarsa viel Zeit für die Gläubigen. Er schüttelt Hände, ruft "Danke, dass Sie gekommen sind" und stellt sich für Erinnerungsfotos zur Verfügung. Zu den Pressevertretern sagt er auf die Frage, wie er die Herkulesaufgabe bewältigen will: "Herkules war nicht nur kräftig, sondern auch listig und schlau."
Konrad Zdarsa gilt als besonnener Mann. Er gibt sich betont bescheiden, wird aber auch als ehrgeizig beschrieben. Es heißt auch, er sei sehr harmoniebedürftig, und es gibt Stimmen, die bezweifeln, dass er seiner neuen Aufgabe gewachsen ist. Auf die Frage nach seinem Programm antwortet Zdarsa stets, er wolle die Gläubigen zahlreich in die Gottesdienste locken:
"Wenn wir uns immer wieder versammeln und Gott lobpreisen, habe ich keine Sorge um diese Stadt, dieses Bistum und dieses Land."
Doch es gibt auch drängende konkrete Fragen: vor allem jene, ob und wann Mixa wieder Gottesdienste im Bistum leiten wird. Zdarsa verweist auf den Papst, der eine "Periode der Heilungen" empfahl, ehe Mixa wieder in der Seelsorge eingesetzt werden könne. "Diese Periode sind keine 14 Tage", sagt Zdarsa, "das ist ein Prozess, der nicht so leicht ist."
Eine weitere Altlast aus der Ära Mixa ist die Personalie Dirk Hermann Voß. Der umstrittene Manager wurde zwar im Zuge der Prügel-Affäre als Pressesprecher des Bistums abgesetzt. Er ist allerdings bis heute Geschäftsführer des Sankt-Ulrich-Verlages (SUV), einer hundertprozentigen Tochter der Diözese. Voß hat mit dem SUV ein Medienimperium aufgebaut, das viele Kirchensteuer-Millionen für umstrittene Publikationen ausgibt.
So betreibt die Katholische Sonntagszeitung aus dem SUV nach wie vor schamlos Propaganda für die Paneuropa-Union, eine erzkonservative Gruppierung, in der Voß Landesvorsitzender ist: Anfang August druckte das Blatt ein halbseitiges Interview mit dem CSU-Mann Bernd Posselt, dem Chef der Paneuropa-Union. Ende August durfte Posselt einen Gastkommentar schreiben. Posselt hier, Posselt da, und stets mit Foto. Obendrein ist der SUV mit 22,6 Prozent am Paneuropa-Verlag beteiligt. Dieses verlustbringende und parteipolitisch alles andere als neutrale Engagement ist selbst in Kirchenkreisen höchst umstritten.
Konrad Zdarsa betonte in einer Pressekonferenz am Dienstag, er habe "eine andere Einstellung" als sein "werter Vorgänger", und deutete - gar nicht harmoniesüchtig - einen "kommunikativen und personellen Neuanfang" an. Ob Dirk Hermann Voß' Tage als SUV-Chef gezählt sind, ließ er allerdings offen.
(SZ vom 15.09.2010/hai)
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Man mag ruhig sagen, in solchen Worten drücke sich eine schwächliche Existenz aus – zum Christsein gehört es, die Unmöglichkeit der Autarkie und die Schwachheit des Eigenen anzunehmen. Im Grunde ist immer ein versteckter Stolz wirksam, wo die Kritik an der Kirche jene gallige Bitterkeit annimmt, die heute schon anfängt zum Jargon zu werden. Leider gesellt sich nur allzu oft eine spirituelle Leere dazu, in der das Eigentliche der Kirche überhaupt nicht mehr gesehen wird, in der sie nur noch wie ein politisches Zweckgebilde betrachtet wird, dessen Organisation man als kläglich oder brutal empfindet, als ob das Eigentliche der Kirche nicht jenseits der Organisation läge, im Trost des Wortes und der Sakramente. [...] Denn die Kirche ist am meisten nicht dort, wo organisiert, reformiert, regiert wird, sondern in denen, die einfach glauben, und in ihr das Geschenk des Glaubens empfangen, das ihnen zum Leben wird. Nur wer erfahren hat, wie über den Wechsel ihrer Diener und ihrer Formen hinweg Kirche die Menschen aufrichtet, ihnen Heimat und Hoffnung gibt, eine Heimat, die Hoffnung ist: Weg zum ewigen Leben – nur wer dies erfahren hat, weiß, was Kirche ist, damals und heute.“
Aus: Joseph Ratzinger: Einführung in das Christentum.
In Christus hat sich Gott selbst an die Menschen gebunden, sich binden lassen durch sie. Der Neue Bund beruht nicht mehr auf der gegenseitigen Einhaltung der Abmachung, sondern er ist von Gott geschenkt als Gnade, die auch gegen die Treulosigkeit des Menschen bestehen bleibt. Er ist der Ausdruck der Liebe Gottes, die sich durch die Unfähigkeit des Menschen nicht besiegen lässt.
Aufgrund der nicht mehr zurückgenommenen Hingabe des Herrn ist die Kirche immerfort die von ihm geheiligte, in der die Heiligkeit des Herrn anwesend wird unter den Menschen. Aber es ist wahrhaft Heiligkeit des Herrn, die da anwesend wird und die sich zum Gefäß ihrer Anwesenheit immer wieder auch und gerade in paradoxer Liebe die schmutzigen Hände der Menschen wählt. Es ist Heiligkeit, die als Heiligkeit Christi aufstrahlt inmitten der Sünde der Kirche. So ist die paradoxe Gestalt der Kirche, in der sich das Göttliche so oft in unwürdigen Händen präsentiert, in der das Göttliche immer nur in der Form des "Dennoch" anwesend ist, den Gläubigen ein Zeichen für das "Dennoch" der je größeren Liebe Gottes. [...] Ist nicht die Kirche einfach das Fortgehen dieses Sich-Einlassens Gottes in die menschliche Erbärmlichkeit; ist sie nicht einfach das Fortgehen der Tischgemeinschaft Jesu mit den Sündern? Offenbart sich nicht in der unheiligen Heiligkeit der Kirche gegenüber der menschlichen Erwartung des Reinen die wahre Heiligkeit Gottes, die Liebe ist, Liebe, die sich nicht in der adeligen Distanz des unberührbar Reinen hält, sondern mit dem Schmutz der Welt vermischt, um ihn so zu überwinden? Kann von da aus die Heiligkeit der Kirche etwas anderes sein als das Einander-Tragen, das freilich für alle davon kommt, dass alle von Christus getragen werden? […]
"Wir sind doch, wenn wir uns nichts verheimlichen, versucht zu sagen, die Kirche sei weder heilig noch katholisch: Das Zweite Vatikanische Konzil selbst hat sich dazu durchgerungen, nicht mehr bloß von der heiligen, sondern von der sündigen Kirche zu sprechen; [...] Was dies so einsichtig macht, ist das Zusammenklingen mit unserer Erfahrung. Die Jahrhunderte der Kirchengeschichte sind so erfüllt von allem menschlichen Versagen, dass wir Dantes grauenvolle Vision verstehen können, der im Wagen der Kirche die Babylonische Hure sitzen sah, und dass uns die Worte des Bischofs Wilhelm v. Auvergne begreiflich scheinen, der meinte, ob der Verwilderung der Kirche müsse jeder, der es sieht, vor Schrecken erstarren: "Braut ist das nicht mehr, sondern ein Untier von furchtbarer Ungestalt und Wildheit".
Wie die Heiligkeit, so scheint uns auch die Katholizität der Kirche fragwürdig. Der eine Rock des Herrn ist zerrissen zwischen den streitenden Parteien, die eine Kirche auseinander geteilt in die vielen Kirchen, deren jede mehr oder minder intensiv in Anspruch nimmt, allein im Recht zu sein. Und so ist die Kirche für viele heute zum Haupthindernis des Glaubens geworden. Sie vermögen nur noch das menschliche Machtstreben, das kleinliche Theater derer in ihr zu sehen, die mit ihrer Behauptung, das amtliche Christentum zu verwalten, dem wahren Geist des Christentums am meisten im Wege zu stehen scheinen.
Es gibt keine Theorie, die solche Gedanken der bloßen Vernunft gegenüber zwingend widerlegen könnte, so wie freilich auch umgekehrt diese Gedanken ihrerseits nicht bloß aus der Vernunft, sondern aus einer Bitterkeit des Herzens kommen, das vielleicht in einer hohen Erwartung enttäuscht worden ist und nun in einer gekränkten und verletzten Liebe nur noch die Zerstörung seiner Hoffnung empfindet. Wie sollen wir also antworten?
Im Letzten kann man nur ein Bekenntnis ablegen, warum man dennoch diese Kirche im Glauben zu lieben vermag, warum man durch das entstellte Angesicht hindurch immer noch das Antlitz der heiligen Kirche zu erkennen wagt. Das Wort "heilig" ist in allen diesen Aussagen zunächst nicht als Heiligkeit menschlicher Personen gemeint [...] "Heilig" wird die Kirche nicht deshalb genannt, weil ihre Glieder samt und sonders heilige, sündlose Menschen wären - dieser Traum hat in der wachen Welt unseres Textes keinen Platz. Die Heiligkeit der Kirche besteht in jener Macht der Heiligung, die Gott in ihr trotz der menschlichen Sündigkeit ausübt
Leider muss ich vieles bestätigen! Ich war nie aus der Kirche ausgetreten, hatte aber jahrzehntelang keinen Kontakt zu ihr - bis vor ca. fünf Jahren. Es gab Gründe, warum ich sehr aktiv wurde - ehrenamtlich!
Im Laufe der Zeit merkte ich, dass Hauptamtliche und Ehrenamtliche sehr oberflächlich sind. Die Räder der Institution müssen am Laufen bleiben - es geht um die Existenz dieser Institution. Die Menschlichkeit wird sehr klein geschrieben - ich habe mich nun inzwischen auch von vielem sehr distanziert und meine Aktivitäten sehr reduziert! Die Pfarrer nutzen die Ehrenamtlichen aus, jene wiederum wollen Defizite in ihrem Leben kompensieren und beschäftigt sein. Dann gibt es die bigotten Kirchgänger, die einem vermitteln wollen, dass es eine Sünde ist, nicht jeden Sonntag den Gottesdienst zu besuchen.
Inzwischen kann ich Sie bestätigen, aber ..... ich denke eben, dass es vielleicht auch Ihnen mehr bringt, wenn Sie über Ihren Schmerz schreiben und darüber, wie sie auch von der Kirche im Stich gelassen wurden - mit den Bibelzitaten kann niemand etwas anfangen, weil sie im Zusammenhang gelesen werden und exegiert werden müssen. Das ist schwierig.
Haben Sie denn mal Hilfe in Selbsthilfegruppen gesucht? Es gibt doch etliche Möglichkeiten zu lernen, mit Leid so umzugehen, dass man wieder einigermaßen leben kann. Sie haben das mit Schlimmste erlebt, was man erleben kann, Sie haben Ihr Kind verloren, aber Sie können doch gewiss Hilfe finden, um wieder etwas Sinn im Leben zu finden - mal ganz abgesehen von der Bibel! Da steht natürlich auch drin, was Nächstenliebe bedeutet und welche Kraft einem der Glaube geben kann, aber ich weiß eben nicht, ob sie eine reale Hilfe sein kann! Ich konnte in "meiner" Gemeinde nicht erkennen, dass es den Bibelfesten besser ging als jenen, die kaum Bezug zu ihr haben - ich hatte eher das Gefühl, dass sie zu viel Hilfe von oben erwarten!
Ja, es stimmt. Wir wurden im schlimmsten Leid alleine gelassen. Zu uns kam nach der schlimmen Nachricht, von der Ermordung unserer Tochter kein sogenannter Seelsorger, oder Psychologe. Nur mit Beruhigungsspritzen und -Tabletten wurden wir am Leben gehalten. Damals war ich Atheist mit Kirchenzugehörigkeit. Zahlte brav meine Kirchensteuer und dachte wir wären Christen. Kannte weder den Unterschied zwischen altem und neuen Testament. Eben, ein Namenschrist. Erst die Frage unserer Tochter kurz vor ihrem schlimmen Tod, was denn nach dem Tod sein wird, hat uns zum Suchen gebracht und dadurch zur Bibel, die ich früher als Märchenbuch tituliert habe.
Die Bibel hat uns nicht nur geholfen, über dies schwere Leid hinwegzukommen, sondern uns auch die Kraft gegeben, unser Elternhaus zu verkaufen, unsere Heimatstadt zu verlassen, um keine Selbstjustiz zu üben, nachdem der mutmaßliche Täter aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde und nur wenige hundert Meter von uns entfernt wohnte.
Niemand fragte, wie wird damit leben sollten. Keine Hilfe, weder von Staat, noch Kirche.
Wir sind hunderte von Kilometer gefahren, um Seelsorge zu erfahren und mussten dann im Arbeitszimmer eines Pfarrers lesen:
"Christen haben den besseren Sex".
Bei einer Pro-ChristVeranstaltung zum Thema:
"Wie kann man Leid ertragen ?"
wurden lustige Theaterstücke u. Pantomime aufgeführt. Über eine Großbildleinwand wurde ein Fußballmillionär, der sagte, dass er sehr gläubig sei und jede Woche zu Gott betet, damit das nächste Fußballspiel gewonnen wird.
Wir mussten erleben, dass man ausgeschlossen wird, wenn man Leid erlebt. Es gibt anscheinend nur noch glückliche und sorglose Christen.
Bei einem Vortrag zum Thema:
"Was wird nach dem Tode sein ?"
mussten wir unchristliche und unbiblische Worte hören...
"...dass Gott dann alles mit seiner Liebe zudecken wird,
und Täter und Opfer dann eins sein werden"
Siehe Info-Beschreibung zum Video auf YouTube:
"Jesus spricht vom Weltgericht".
Wir haben jegliche Achtung und Respekt vor der sogenannten Geistlichkeit verloren. Diese können keine Nachfolger der Jünger Christi sein.
Und wir fragen uns...
Wie tief wollen die Amtskirchen noch sinken ?
Wir haben im schlimmsten Leid gelernt, dass der Glaube nicht abhängig ist von der Zugehörigkeit zu irgendeiner Kirche, oder irgendeiner Glaubensgemeinschaft, oder gar von der Zahlung eines modernen Ablasses, der Kirchensteuer heißt.
Römer 8 14:
"Denn welche der Geist
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