Mitten in Nürnberg Haie sind bequemer

Mit dem Definarium hat der Nürnberger Zoo eigentlich immer nur Ärger. Wie man den am besten los wird, könnten die Franken von Hamburg lernen

Von Olaf Przybilla

In Hamburg hatten sie in den Neunzigerjahren dasselbe Problem wie in Nürnberg, nur gelöst haben sie es ganz anders. Auch im Hamburger Tierpark Hagenbeck zogen damals noch Delfine ihre Runden, hübsch anzuschauen. Nur waren irgendwann die Stimmen derer nicht mehr zu überhören, die Delfinhaltung grundsätzlich infrage stellten. Auch rechnete man nach und kam zum Ergebnis, dass Delfine zu halten einen Tierpark ziemlich teuer kommt. Was in einem privat geführten Betrieb - wie Hagenbeck einer ist - ein nicht unmaßgebliches Argument ist. Also riss man die alte Anlage ab, stellte die Delfinhaltung ein und baute stattdessen ein Tropen-Aquarium. Hauptattraktion: Haie.

In Nürnberg, dort ist der Zoo in städtischer Hand, beschäftigte sich die Kommunalpolitik in jener Zeit mit derselben Frage. Nur kam man dort zum Ergebnis, dass so ein Delfinarium unverzichtbar sei, womöglich eine Art Alleinstellungsmerkmal irgendwann. 31 Millionen Euro kostete die Lagune, und eines kann man fünf Jahre nach der Eröffnung mit Gewissheit sagen: Das mit dem Alleinstellungsmerkmal ist gelungen. Kein Zoo in Deutschland dürfte häufiger unschön in der Zeitung stehen als der Nürnberger.

Noch mal zurück nach Hamburg, da ist gerade Haifütterung bei Hagenbeck. Ein normaler Werktag, die Anlage hat eine ähnlich spektakuläre Unterwasser-Scheibe wie die Lagune. Aber während sich in Nürnberg an normalen Tagen ein paar Versprengte vor der Scheibe rumdrücken, schon weil sich Delfine dort nicht besonders gern blicken lassen, steht man bei Hagenbecks Haien in der zwölften Seitenreihe, wenn man Glück hat. Fragen, ob das auch alles artgerecht ist, gibt es keine. Dafür wollen alle wissen, warum der Hai keinen Fisch frisst, sind doch hübsche im Becken. Was kommod zu beantworten ist: Weil er satt ist.

In Nürnberg werden seit fünf Jahren andere Fragen gestellt, viel unbequemer zu beantworten. Das sicher auch, weil das Prestigeprojekt Lagune für organisierte Tierschützer hohes Erregungspotenzial verspricht. Umso mehr aber, weil dort so ziemlich alles schief läuft, was schief laufen kann. Undichtes Becken, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Reparaturen ohne Ende. In der Tat: Das haben sie nicht, die da oben im Norden.