Mittelfranken Schöner Wohnen für Flüchtlinge

Eine Neiddebatte? In die sechs Reihenhäuser in Eckental sollen Flüchtlinge einziehen. Einige Einheimische hätten dort auch gerne gewohnt.

(Foto: the peoples project)
  • Ein Unternehmer will in Mittelfranken sechs Reihenhäuser für Flüchtlinge bauen.
  • Darin soll es überwiegend Zwei-Zimmer-Wohnungen geben, in denen 60 Asylbewerber leben sollen.
  • Im Ort regt sich Widerstand gegen die Pläne - aus verschiedenen Gründen.
Von Katja Auer, Eckental

Nein, sagt Markus Gildner, da gehe es nicht nur um das Geschäft. Schließlich war sein Vater auch ein Flüchtling, aus Schlesien. Selbst er, der Sohn, hat es daheim in der Oberpfalz noch manchmal zu spüren bekommen, dass er kein Hiesiger war. Integration ist deswegen ein Thema für ihn. Jetzt baut Gildner Reihenhäuser im mittelfränkischen Eckental, im Dezember sollen die ersten Mieter einziehen. Flüchtlinge. Im Ort regt sich Protest gegen die angeblich luxuriösen Unterkünfte.

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Was denn mit den Familien sei, schreibt eine Frau im Internet-Netzwerk Facebook, gerade mit denen, die Haustiere haben. Die seien als Mieter nicht gerne gesehen: "Baut man denen auch nen Wohnraum?" Ein anderer moniert, dass sich "Familien, die arbeiten gehen", so etwas nicht leisten könnten. Es ist ein feindseliger Unterton in den Kommentaren. 200 Menschen sollen zudem eine Petition gegen das Projekt unterzeichnet haben. Indes, es geht nicht um Ausländerhass.

Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum

Der angebliche Proteststurm der Wutbürger, wie ihn eine Boulevardzeitung beschreibt, offenbart viel mehr ein Problem, vor dem gerade Städtetagspräsident Ulrich Maly schon seit längerem warnt: die Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum. Maly forderte von Bund und Land mehr Förderung für preiswerte Wohnungen gerade in Großstädten und Ballungsräumen. Denn da ist das Angebot knapp und er wolle nicht, dass Rentner und alleinerziehende Mütter mit Flüchtlingen und anerkannten Asylbewerbern konkurrieren müssten. "Das birgt sozialen Sprengstoff und würde das gesellschaftliche Klima verschärfen", sagte Maly. Zu beobachten nun im Landkreis Erlangen-Höchstadt.

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Das Grundstück im Eckentaler Ortsteil Eckenhaid hätten früher schon gerne andere bebaut, erzählt Henning Hoffmann, der Vorsitzende der Flüchtlingsinitiative Fleck. Er war bei der Bürgerversammlung im Feuerwehrhaus, als die Emotionen hochkochten. Nicht aus Fremdenfeindlichkeit, davon ist er überzeugt. Sondern weil der Investor jetzt dort sein "the peoples project" bauen darf, während andere jahrelang nach einem Grundstück suchten. Und weil lange niemand wusste, was da eigentlich entsteht. "Wir haben uns auch geärgert", sagt Hoffmann. Denn erst als die Bagger schon da waren, das war im Mai, sei bekannt geworden, dass Gildner eine Flüchtlingsunterkunft errichte. Bis dahin hätten alle nur von Reihenhäusern gewusst.

Stimmt nicht, sagt Gildner, er habe Bürgermeister Ilse Dölle schon im vergangenen Jahr von seinen Plänen erzählt. Die bestätigt, dass sie mit ihm mal "über Asyl" gesprochen habe, dass er in seinen Reihenhäusern jedoch Asylbewerber unterbringen wolle, habe sie erst im Mai von der Regierung von Mittelfranken erfahren. Dort wiederum sah man keinen Anlass, die Gemeinde zu informieren, weil man davon ausging, dass die längst Bescheid wisse.

Mietvertrag mit der Regierung

Gildner hat den Mietvertrag, der zehn Jahre laufen soll, direkt mit der Regierung abgeschlossen, so ist es bei größeren Unterkünften üblich. Die Gemeinde müsste er darüber nicht informieren. Freilich verdient Gildner an seinem Projekt, bei aller Nächstenliebe, die Miete liege "marginal über der üblichen Ortsmiete". Der 44-jährige Investor hat das Grundstück im vergangenen Jahr von der Sparkasse Fürth gekauft, sagt er, seit ein paar Wochen wird nun gebaut. Sechs Reihenhäuser sollen da entstehen, überwiegend mit Zwei-Zimmer-Wohnungen, in denen 60 Asylbewerber leben sollen. Mindestens 15 Quadratmeter seien das pro Person, rechnet er vor, die Staatsregierung sieht sieben Quadratmeter je Flüchtling vor. Gemeinschaftsküchen soll es nicht geben, jede Wohnung hat ihre eigene, auch ein eigenes Bad. "Das verschafft den Leuten ein ganz anderes Wohngefühl, da können sie auch eher heimisch werden", sagt Gildner. Dass ihm so viel Protest entgegenschlägt, hätte er nicht gedacht, sagt er. Nachbarn befürchteten einen Wertverlust ihrer Häuser, andere beklagten sich über den Baulärm, der Zoll sei schon da gewesen. Aber Gildner will weitermachen. Auch andere Kommunen interessierten sich schon für seine Reihenhäuser.

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Henning Hoffmann gefällt das Projekt. "Wir hätten uns viel Mühe gespart, wenn wir mit Neubauten zu tun gehabt hätten", sagt er. Die 110 Asylbewerber, die zurzeit in Eckental leben, sind in alten Häusern untergebracht, 50 von ihnen in einem ehemaligen Gasthof. Da sei dauernd was kaputt, sagt er. Wie es allerdings weitergehen soll, ob genügend Kindergartenplätze da sind und Platz für Sprachkurse, all diese Dinge, das ist für Hoffmann noch offen. "Die Infrastruktur muss mitwachsen", sagt er. Immerhin, die Leute seien sehr hilfsbereit. 80 Aktive kümmern sich in Eckental um die Flüchtlinge. Und er ist sicher, dass bald noch Helfer aus Eckenhaid dazu kommen.