Asylbewerber im Kleinwalsertal Verhinderte Flüchtlingshelfer

Die einzige Straße ins Kleinwalsertal führt durch Bayern. Der "legale" Weg für Flüchtlinge wäre ein Marsch über den 2500 Meter hohen Widderstein.

(Foto: Gem. Mittelberg)
  • Die österreichische Gemeinde Mittelberg im Kleinwalsertal will 20 Flüchtlinge aufnehmen - aber sie darf nicht.
  • Der Ort ist nur über Deutschland zu erreichen, und dort wären die Flüchtlinge illegal.
  • Der Bürgermeister wartet schon seit zehn Monaten vergeblich darauf, dass die deutschen und österreichischen Behörden diese Hürde überwinden.
Von Stefan Mayr, Mittelberg

In ganz Deutschland und Österreich jammern die Bürgermeister und Landräte, weil sie nicht mehr wissen, wo sie die Asylbewerber unterbringen sollen. Auf EU-Ebene ringen die Politiker um eine Verteilung der Flüchtlinge. Diese müssen mancherorts in Zelten oder Turnhallen wohnen, die Situation gilt als verfahren. Dabei gibt es einen Bürgermeister, der ein ungewöhnliches Problem hat: Seit Monaten würden er und seine Bürger gerne Flüchtlinge aufnehmen, aber sie dürfen nicht.

Bereits im Oktober 2014 hat Bürgermeister Andi Haid aus Mittelberg in Vorarlberg, nahe der Grenze zu Bayern gelegen, dem österreichischen Innenministerium mitgeteilt, seine Gemeinde sei bereit, 20 Flüchtlinge aufzunehmen. "Wir sehen das nicht als Pflicht, sondern als Selbstverständlichkeit", sagt der Politiker, der der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) angehört. Doch die Behörden in Österreich und Deutschland haben es bislang nicht auf die Reihe gebracht, auch nur einen Flüchtling in Mittelberg einzuquartieren.

Land der Hoffnung

Noch nie zuvor sind so viele Menschen nach Bayern geflüchtet. Aber nur jeder Dritte erhält politisches Asyl. Ein Überblick über die komplizierte Rechtslage - mit Grafik. Von Daniela Kuhr und Dietrich Mittler mehr ... Fragen und Antworten

Der Weg ist das Problem

Das Problem ist zugegebenermaßen kein kleines - jedenfalls wenn man strikt bürokratisch denkt: Die 5000-Einwohner-Gemeinde Mittelberg liegt zwar in Österreich, ist wegen ihrer exponierten Lage im Kleinwalsertal aber mit dem Auto nur über Deutschland zu erreichen. Wenn die Vorarlberger Behörden also zum Beispiel einen Bus mit Asylbewerbern von Bregenz nach Mittelberg schicken würden, dann müsste das Fahrzeug durch Bayern fahren. Damit befänden sich die Flüchtlinge dann - streng genommen - illegalerweise in Deutschland. "Die bayerischen Polizisten müssten sie festnehmen", sagt Bürgermeister Haid, "das wäre für diese Menschen ein erneutes Trauma."

Bliebe also nur noch der - unzumutbare - Fußmarsch über den Alpenkamm um den 2500 Meter hohen Widderstein. Oder ein Transfer per Hubschrauber, aber auch der kommt wegen der Kosten nicht infrage. Und nicht nur der Transport in die österreichische Flüchtlingsunterkunft wäre ein Problem: Sobald die Asylbewerber ein Krankenhaus bräuchten, müssten sie nach Oberstdorf fahren - also das Land verlassen. Und das ist ihnen verboten, solange ihr Asylverfahren läuft.

CSU drängt auf härtere Gangart in Asylpolitik

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will noch mehr Herkunftsländer für sicher erklären lassen - darunter auch weitere afrikanische Staaten. Von Dominik Hutter mehr ...

Bürgermeister Haid wartet nun schon seit zehn Monaten vergeblich darauf, dass die deutschen und österreichischen Behörden diese Hürde überwinden. Dabei stünde in dem Touristenort schon alles parat: Im Bundesland Vorarlberg ist für die Aufnahme und Verteilung der Asylbewerber die Caritas in Feldkirch zuständig. Zwar könnte die Caritas die Menschen im Kleinwalsertal aus logistischen Gründen nicht betreuen, doch selbst dieses Problem würden die Mittelberger selbst lösen. "Es haben sich Freiwillige gemeldet, wir würden das ohne Caritas schaffen", sagt Haid. Sprachkurse wurden bereits vorbereitet, auch anderweitige Angebote.