Becksteins Zaudern vor dem Rücktritt hat viele Vorbilder. Auch Stoiber, Kohl und Schröder konnten nicht fassen, dass ihre Zeit vorbei war.
Eigentlich könnte Edmund Stoiber sein Dasein als Polit-Pensionär genießen. Er hat ein Büro, eine Sekretärin, ein Dienstauto und einen wichtigen Auftrag. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef soll den Bürokratieabbau in der EU vorantreiben. Doch weder Annehmlichkeiten noch Aufgabe haben Stoiber in dieser Woche davon abgehalten, sich aktiv am Sturz seiner glücklosen Nachfolger Günther Beckstein und Erwin Huber zu beteiligen.
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Mit der Droge Macht infiziert: Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber und der ehemalige Kanzler Kohl. Sie lachen beim CDU-Wahlparteitag in der Westfalenhalle in Dortmund, im August 2005. (© Foto: AP)
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Der selbsternannte "Ehrenspielführer" der CSU mischte sich in die Diadochenkämpfe so ein, als habe er noch Macht und Mandat. Es war so, als würde Uwe Seeler als Ehrenspielführer der Fußball-Nationalmannschaft bestimmen, wer spielt.
Stoiber kann nicht loslassen. Er hat die Umstände seines Sturzes nicht verwunden. Er hält sich immer noch für unersetzlich, und weil er auch ohne Posten über Einfluss verfügt, konnte er die Strippen ziehen. Als "Mephisto aus Wolfratshausen" wird er inzwischen tituliert.
Mit der Droge Macht infiziert
So wie der einstige CSU-Chef haben sich auch andere mit der Droge Macht infizierte Politiker mit dem Rückzug schwergetan. Auch Helmut Kohl wollte nach der Wahlniederlage 1998 lange nicht akzeptieren, dass seine Zeit vorbei war.
Im Bundestag platzierte sich der Kanzler a.D. als einfacher Abgeordneter in der zweiten Reihe. Doch dort genoss er nicht die Anerkennung, die ihm als Einheitskanzler weltweit zuteil wurde. Obwohl längst zum Denkmal erklärt, stieg Kohl in die Niederungen der Politik hinab. Auch der Pfälzer konnte nicht ertragen, dass andere nun mächtiger waren als er und sich an seinem Erbe vergriffen.
Als die neue CDU-Führung um Wolfgang Schäuble und Angela Merkel im Zuge der CDU-Spendenaffäre auf Distanz zu Kohl ging, wehrte sich der Altkanzler über Vertraute und wohlgesonnene Journalisten. Aus seinem Umfeld wurden Details zu jener ominösen 100000-Mark-Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber gestreut, die Schäuble entgegengenommen hatte und deren Verbleib ungeklärt war. Schäuble musste schließlich zurücktreten.
Wenn aus dem Knecht der Herr wird
Das Verhältnis Kohl-Schäuble, der Bruch ihrer Beziehung, erinnert an das, was sich nun zwischen Stoiber und Beckstein abspielt. Letzterer stand jahrelang loyal zu Stoiber, sie waren wie der Herr und sein Knecht. Als dieser wagte, die Dienerschaft aufzukündigen, kam es zum Bruch. Es klingt tragisch, wenn Beckstein am Tag seines Rücktritts die fehlende Distanzierung zu Stoiber als seinen größten Fehler bezeichnet.
Sich abnabeln von der Vergangenheit, eigene Akzente setzen, das wollte auch Kurt Beck. Er korrigierte die Agenda 2010, die Gerhard Schröder und Franz Müntefering durchgesetzt hatten. Müntefering zog sich aus der Politik zurück, weil er sich um seine krebskranke Frau kümmern wollte.
Aber er war weiter präsent, auch wenn der Mann mit dem roten Schal bis zu seinem Auftritt im Münchner Hofbräukeller im August nicht zu sehen war. Anmerken ließ er sich nichts, doch dass er auf dem Hamburger Parteitag erleben musste, wie Beck einen wichtigen Baustein der Agenda 2010 beiseiteschob, vergaß er nicht.
Die Stunde der Revanche kam für Müntefering, als Beck nach vielerlei Fehlern und Ungeschicklichkeiten nicht mehr im Amt zu halten war. Der gestürzte SPD-Chef hat zwar nicht "Leute in der ersten Reihe" für den Putsch am Schwielowsee verantwortlich gemacht. Doch der Verdacht blieb, dass es Schröder und Müntefering waren, die im Hintergrund die Strippen zogen.
Müntefering kehrte an die Spitze der SPD zurück. Er ist 67 Jahre alt. So alt wurde Stoiber am vergangenen Sonntag auch, als die CSU ihre absolute Mehrheit verlor. Wahrscheinlich dachte er für einen Augenblick daran, die Münte-Nummer ließe sich auch in der CSU wiederholen. Doch da irrte er sich.
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(SZ vom 02.10.2008/buma)
Surfrider Beach in Malibu
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Daß es St. Oiber nicht fassen kann wäre ja menschlich aus seiner Natur heraus noch zu verstehen - Das fatale daran daß die Partei es noch nicht fassen kann und hin und hergerißen zwischen wollen, sollen oder nicht entscheiden können dürfen trauen was er noch darf oder nicht dürfen sollte, egal was er will ...
Die CSU hängt Ihm dabei doch noch zu sehr an den Lippen...
Stoiber hat noch nie ein Gefühl dafür gehabt, dass er als "Landesfürst" einfach weniger Macht und Einfluss hatte, als z.B. Merkel.
Wie eine Klette klebte er an der damaligen CDU-Oppositionsführerin Merkel bei jedem Auftritt im Bundestagswahlkampf 2005. Bei jedem offiziellen Statement sass er ihr im Nacken, als ob er ihr Kontrolleur wäre.
Dass ein solcher Egomane nicht begreift, wann er ausgespielt hat, kann man menschlich fast verstehen. Seine Schranzen hatten ihm ja auch tagtäglich vorgeudelt, wie wichtig er sei.
Auch Adenauer wäre am liebsten BK bis zum Tode geblieben.
Als er mit sanfter Gewalt weichen musste, um den Platz für Erhard frei zu machen,
da war Adenauer stinkesauer. Er blieb weiterhin BT-Abgeordnete und langweilte sich
ganz offensichtlich, weil er keine Macht mehr ausüben konnte.
keine Aufregung bitte wegen Stoiber oder Müntefering mit ihrer Frühpensionierung mit 65.
Adenauer war 87 als er endlich gehen mußte und steht damit nicht alleine da. Es gibt da z.B. Gandhi (80), in Spanien General Franco (83), den Große Vorsitzenden Mao (83), den Maximo Leader Castro (82) ......
Das ist alles nicht neu. Wer zum Lachen in den Keller geht, sprich völlig humorlos ist, hat in der bayerischen Politik eigentlich nichts zu suchen. Auch nicht in/bei der CSU. Als SPD-ler wäre jeder so veranlagte suizidgefährdet.
Ich erinnere mich noch an den genialen Vortrag von Django Asyl beim Starkbieranstich. Dieser Vortrag konnte nur noch durch die peinlichen Grimassen des Ehepaares Stoiber überboten werden.
Aber, wie jeder sehen kann, so ganz ist er noch nicht weg, der Problembär.
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