Misshandlung im Kloster "Terror-Regime" im Internat

Ist nach eigener Aussage im Kloster-Internat in Augsburg misshandelt worden: Michael Lerchenberg.

"Es war die grauenhafteste Zeit in meinem Leben": Sexuelle Übergriffe, psychische Erniedrigungen und schwere Züchtigungen - Kabarettist Michael Lerchenberg ist nach eigener Aussage als Schüler im katholischen Internat von St. Stephan in Augsburg mehrmals misshandelt worden.

Von Stefan Mayr

Michael Lerchenberg, der ehemalige Darsteller des "Bruder Barnabas" beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg, ist nach eigener Aussage als Schüler im katholischen Internat von St. Stephan in Augsburg mehrmals misshandelt worden. "Es war die grauenhafteste Zeit in meinem Leben", sagte er in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Der 60-jährige Regisseur und Schauspieler spricht von sexuellen Übergriffen, psychischen Erniedrigungen und schweren Züchtigungen durch Lehrer.

Lerchenberg kam 1964 als Zehnjähriger in das Internat und blieb dort drei Jahre lang. "Man ist in einem Alter, wo man einer Mutter, einer Wärme, einer Fürsorge bedarf", berichtet er, "Wenn man dann aber in ein Terror-Regime gerät - und anders kann man das nicht ausdrücken unter dem damaligen Seminardirektor-, dann ist das furchtbar." Lerchenberg erzählt von "Prügel-Orgien" und "Psycho-Terror". So seien Schüler "vor versammelter Mannschaft als dumm, faul und unintelligent" bezeichnet worden. Zudem habe er am eigenen Leib "homophile Annäherungen" erlebt: Ein Mönch habe ihn und andere Schüler in dem Moment, als sie die Schlafanzughose anzogen, mehrmals gekitzelt. "Vom Knie an aufwärts über die Oberschenkel bis zum Geschlechtsteil." Lerchenberg bezeichnet die Erzieher als "heillos überfordert, selber eher problematische Persönlichkeiten, in keinster Weise pädagogisch ausgebildet und kompetent." Er selbst habe angesichts der Zustände eine "veritable Lernpsychose" entwickelt.

Das Benediktiner-Kloster existiert noch, das dazugehörige Gymnasium St. Stephan hat bis heute den Ruf einer Elite-Schule. Bereits 2013 hatten mehrere ehemalige Schüler öffentlich ähnliche Vorwürfe erhoben. 2010 schrieb Lerchenberg einen Brief an den Abt. Darin habe er ihn aufgefordert, "die damaligen Vorfälle klarzustellen und öffentlich Zeugnis abzulege". Daraufhin habe er eine "lavierende, eiernde, unterschwellig drohende" Antwort bekommen. Das Kloster nimmt auf seiner Internetseite Stellung zu dem Interview: "Wir können die unseren Mitbrüdern vorgeworfenen Taten nur bedauern", heißt es, "selbstverständlich sind alle Formen physischer wie psychischer Gewalt in der Erziehung zu verurteilen." Die Gemeinschaft betont, der Abt habe in seiner Antwort ein Gespräch angeboten. Dieses Angebot erneuert sie, andererseits kritisiert sie, Lerchenberg habe "die Grenze des Anstands und des Rechts" überschritten.