Und wenn die Kurskollegen in einer Mischung aus gerechtem Zorn und bierseliger Lausbüberei einem Seminaristen nach dem Sommerfest das Zimmer ausräumten, weil sich der mit einem einflussreichen Kleriker die Nacht um die Ohren schlug, war Peter K. dabei. Aber immer als Mitläufer, nie als Rädelsführer. Wenn im Priesterseminar über das offene Geheimnis des schwulen Klerikers gelästert wurde, hielt er sich zurück.

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Misstrauen per Mail

In Riekofen ist er schnell heimisch geworden. Er ist ein umgänglicher Typ, die Dorfbewohner schätzen ihn von Anfang an. Sie bauen ihm sogar ein neues Pfarrhaus und setzen sich im Ordinariat dafür ein, ihn als Pfarrer zu bekommen, als der alte Ortsgeistliche in Pension geht. Sie wissen ja nicht, dass ihn nach dem Viechtacher Fall ein Gerichtspsychiater als "eindeutig pädophil" eingestuft hat. Sie wissen gar nichts von ihm, und sie vertrauen ihm ihre Kinder an.

Im Sommer 2007 aber erhalten Pfarrgemeinderäte seltsame E-Mails. Ihr Pfarrer soll Kinder missbraucht haben? Absender der Mails ist der Vater der beiden missbrauchten Viechtacher Ministranten. Die Riekofener werden misstrauisch - warum beschäftigt sich der Pfarrer fast nur mit Buben? Im Dorf beginnt das Gerede. Kurze Zeit später ist K. verschwunden. Erst krankgemeldet, dann in U-Haft.

Die Riekofener sprechen von einem "grausamen Experiment an ihren Kindern". Mehr als zehn Ermittlungsverfahren werden aufgenommen, erzählt K.s Verteidiger Alois Kölbl. Einige Kinder werden richterlich vernommen. Zur Anklage kommt aber nur ein Fall, der des damals elfjährigen Ministranten.

Vorwürfe nur als Diffamierung wahrgenommen

Bischof Müller drückt sein Bedauern aus, schickt eine Sozialpädagogin nach Riekofen. Dem Bischof wird nahegelegt, einen Fehler bei der Einsetzung von K. einzuräumen, dann wäre Ruhe. Doch er bleibt stur und nimmt sich zur Beratung einen Anwalt, den Münchner Strafverteidiger Thomas Pfister, der sich in schwierigen Fällen einen Namen gemacht hat.

Gebetsmühlenartig beruft Müller sich auf den Abschlussbericht von K.s Therapeuten aus dem Jahr 2003, in dem anders als im Gerichtsgutachten von 2000 steht, der Geistliche sei nicht pädophil fixiert und bedenkenlos einsetzbar. Darauf allein stützte Müller seine Entscheidung. In Vorwürfen sieht er nur Diffamierung.

Eine seltsame Meldung veröffentlicht das Ordinariat im Oktober 2007. Der 70-köpfige Priesterrat des Bistums hat über Riekofen geredet, er teilt mit: Sollten die Vorwürfe gegen Peter K. zutreffen, "entschuldigen sich die Priester dafür, dass einer aus ihrer Mitte das Vertrauen der beiden Gemeinden und des Bischofs aufs Bitterste enttäuscht hat". Die Priester entschuldigen sich für etwas, das sie nicht beeinflussen konnten. Der Bischof hingegen will von einer moralischen Schuld nichts wissen.

Vor dem Landgericht Regensburg wird an diesem Donnerstag eine Mahnwache stehen. Der Bischof soll noch einmal an seine Verantwortung erinnert werden. Drinnen wird es einen sehr kurzen Prozess geben, kündigt Peter K.s Verteidiger an. Und in Riekofen hoffen sie nur noch auf eines: Ruhe.

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(SZ vom 13.03.2008/ktk)