Der Psychoanalytiker Micha Hilgers kritisiert die Entscheidung des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller, einem pädophilen Priester eine Gemeinde zu übertragen. Die katholische Kirche ziehe pädophile Menschen besonders an.
Der Psychoanalytiker hat es als "völlig verantwortungslos" bezeichnet, einem straffällig gewordenen pädophilen Priester wie in Riekofen noch einmal eine Kirchengemeinde zu übertragen. "Es ist geradezu bizarr, ihn wieder in die deliktnahe Situation hineinzubringen", sagte Hilgers, der seit vielen Jahren pädophile Straftäter betreut.
Bischof Müller: Der Regensburger Kirchenmann ist in Erklärungsnot. (© Foto: dpa)
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Abwegig sei es auch, wenn der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller davon spreche, der Priester sei nach einer Therapie als "geheilt" betrachtet worden: Pädophilie sei überhaupt nicht "heilbar", sondern bestehe lebenslang, betonte Hilgers.
"Therapie ist möglich, Heilung ist nicht möglich", erläuterte er. "Typisch für eine gescheiterte Behandlungssituation ist, dass sich der Therapeut und der Betroffene der Illusion hingeben, die Neigung sei überwunden. Es geht vielmehr darum, dass der Betroffene lernen muss, seine Neigung zu kontrollieren, sie nicht auszuleben." Entscheidend dabei sei, dass der Pädophile von vornherein Situationen vermeide, die ihn in Versuchung führen könnten, zum Beispiel Kinderspielplätze, Schulen oder Jugendgruppen.
Ein Priester, der einmal auffällig geworden sei, könne deshalb nie mehr in einer Gemeinde arbeiten, weil er dort zwangsläufig wieder mit Kindern zu tun habe. Denkbar sei hingegen eine Stelle in der Verwaltung. Bischof und Bistum müssten sich auch der Tatsache bewusst sein, dass die katholische Kirche pädophile Menschen besonders anziehe, sagte Hilgers. Zum einen sei der Zölibat für Pädophile kein Verzicht, "da sie sich erwachsener Sexualität sowieso nicht gewachsen oder sich nicht davon angezogen fühlen".
Zum anderen schaffe der Beruf des Seelsorgers Gelegenheiten für Übergriffe, zum Beispiel wenn ein Priester nach einer Andacht mit einem Messdiener allein sei: "Dann entsteht ein Intimitätsraum." Die Wahrscheinlichkeit, auf Menschen mit pädophilen Neigungen zu stoßen, sei unter katholischen Priestern deshalb höher. "Der Bischof und das Bistum sind selbstverständlich gefordert, ein besonderes Augenmerk auf diese Dinge zu haben. Sie müssen sich dieses besonderen Risikos bewusst sein. Das wird sträflich vernachlässigt", kritisierte Hilgers.
Falsch sei die Vorstellung, der Zölibat - die Ehelosigkeit des Priesters - sei die Ursache für das Entstehen von Pädophilie. Niemand werde pädophil, weil er keinen Sex mit Erwachsenen haben dürfe, sagte Hilgers. "Es ist umgekehrt, der Zölibat zieht Menschen an, bei denen die Neigung schon vorhanden ist."
(dpa)
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Die neueste Antwort
Ich habe vor einigen Tagen Strafanzeige gegen den Regensburger Bischof wegen Verdachtes der Beihilfe zum Kindesmißbrauchs und Mißbrauchs Schutzbefohlener gestellt,
da der angebliche Gutachter, den das Bistum zur Begutachtung des Kaplans hinzugezogen hat, nicht als Gutachter gerichtlich zugelassen ist (für den süddeutschen Raum ist die Forensische Psychiatrie der Uniklinik Ulm zuständig), der Kaplan dem verantwortlichen Gutachter niemals vorgestellt wurde und Bischof Müller dieses hätte wissen müssen. Laut Artikel der Welt hat außerdem das OLG Nürnberg das Bistum Regensburg ausdrücklich davor gewarnt, diesen Kaplan noch einmal in der Jugendseelsorge einzusetzen.
In meinen Augen hat hier ein selbstherrlicher Bischof sich über Recht und Gesetz hinweggesetzt und mindestens leichtfertig, wenn nicht vorsätzlich die psychische Gesundheit von Kindern einem seiner untergebenen Pädophilen geopfert.
Dies muß strafrechtliche Konsequenzen haben.
Außerdem - wenn die Kirche derartige Praktiken deckt, ist sie meines Erachtens als Kinderschänderring zu betrachten. Damit als kriminelle Vereinigung, die nicht auch noch durch Steuergelder unterstützt werden darf. Die Reaktion von Bischof Müller spricht hier m.E. Bände.
Dass Straftäter gerne eine religiöse Tarnung annehmen ist hinlänglich bekannt. Ist ja auch taktisch nachvollziehbar. Da ihre Taten so eklatant gegen die allgemeinen Glaubensgrundsätze verstoßen, wollen die meisten Katholiken einfach nicht wahrhaben, was sich alles in ihren Reihen tummelt, was wiederum dem Straftäter zugute kommt. Diese Reaktion des Verdrängens zeigt sich auch an den vielen verharmlosenden Kommentaren innerhalb der Anhängerschaft. Der Glaube an das Gute im Priester ist ja legitim, die Fakten sprechen eine andere Sprache.
Dem sündigen Gottesmann wird schneller vergeben, Hauptsache, er vertritt weiterhin seine Kirche makellos nach außen. Bloß kein Skandal, dann lieber verharmlosen (Einzelfälle) oder unter den Teppich kehren, damit die heilige Institution keinen Schaden nimmt. Dieser verlogenen Doppelmoral ist deutlich entgegenzutreten. Solange von Seiten der Kirchenführung das Problem nicht klar benannt wird, sollten verantwortungsvolle Eltern ihre Kinder zumindest auf die Gefahren im Umgang mit der Priesterschaft sensibilisieren.
Die Hände eines Priesters werden mit heilligem öl gesalbt, damit er die Menschen segnen und gutes tun kann, dieser Priester hat gegen seinen eigenen Glauben verstoßen.
Deshalb alle Katholischen Priester unter Generalverdacht zu stellen, ist nicht richtig.
Das es unter Katholischen Geistlichen mehr Pädophile gibt, als im Gesellschaftsdurchschnitt, ist ebenfalls falsch.
Ein anderer Psychoanalytiker hat die Sache ganz anders gesehen wie Herr Hilgers.
Man muß jetzt den Familien helfen und alls tun, damit so etwas schreckliches nicht wieder passiert.
Herr Psychoanalytiker Micha Hilgers stellt hier Behauptungen auf - ohne sich in ausreichender Sachkenntnis zu befinden. Waren es nicht seine Kollegen, auf deren mehrfache Aussagen sich das Bistum verließ, das völlig zurecht urteilte, in diesem Bereich nicht kompetent zu sein. Übrigens hat sich auch die Justiz auf die Guachten und Gutachter verlassen und keine Einwände gegen den Einsatz des Priesters erhoben. Laut Gutachten lag bei dem Priester keine pädophile Fixierung vor. Daß es verschiedene Typologien bei Pädophilie gibt, ist unbestreitbar. Eine weitere Frage ist, inwieweit Gutachten aus dem psychiatrischen Bereich überhaupt zu trauen ist. Es gibt Fälle von Mördern, die auf freien Fuß gesetzt werden - und erneut einen Mord begehen. Dasselbe gilt im Bereich Vergewaltigung von Frauen - wie viele einschlägig bekanntgewordene Täter in dem Bereich bewegen sich heute wieder frei auf der Straße? Wurde deshalb bisher die Forderung erhoben, das Gutachterwesen überhaupt abzuschaffen? Wo stünden einschlägige Berufskollegen, die an Gutachten nicht unerheblich verdienen? Vielleicht darf auch noch auf Teile der Grünen aufmerksam gemacht werden, die pikanterweise innerhalb des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen Gesetzesänderungen forderten, die faktisch Pädophilie erlaubt hätten. Interessant, wie sich manche Vertreter der "Grünen" gegen die Kirche aussprechen, in diesem Falle Riekofen versagt zu haben. Peinlich, peinlich festzustellen, daß die Grünen offensichtlich ihre eigenen Wurzeln vergessen haben, verleugnen oder nichts mehr davon wissen wollen. Vielleicht rührt die Intensität ihrer Vorwürfe aus dem eigenen schlechten Gewissen - Verdrängung, Trittbrettfahrerei?
Vor dem Hintegrund dieser Ausführungen steht für mich fest, dass die Verantwortlichen im Bistum eine so genannte Garantenstellung innehatten und -haben. Sie haben es vorwerfbar unterlassen(!), den potentiellen Täter nicht erneut in eine "deliktnahe Situation" zu bringen. Daher hat der zuständige Generalstaatsanwalt - die Justitia ist bekanntlich "blind" - ohne Ansehung der Person auch deren strafrechtliche (!) Verantwortung zu überpüfen und ein Vorermittlungsverfahren einzuleiten.