Ein Kommentar von Sebastian Beck

Ein Regierungschef zum Liebhaben: Günther Beckstein ist in Bayern auch deshalb so populär, weil er genau dort seine Stärken hat, wo Stoiber schwächelte - und woran er schließlich scheiterte.

Als Günther Beckstein am Dienstag den Eid auf die Verfassung ablegte, läuteten in Bayern die Glocken. CSU-Mitglieder werden darin ein Zeichen des Himmels sehen, während der Rest der Menschheit eher der Erklärung zuneigen dürfte, dass es halt zufällig um zwölf Uhr mittags war, als der neue Ministerpräsident sein Amt antrat. Aber egal, welche Interpretation man bevorzugt: Für die CSU hat sich wieder einmal alles gefügt.

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In Beckstein hat der populärste CSU-Politiker das höchste Regierungsamt übernommen. Er ist der Anti-Stoiber, ein Mensch, der genau dort seine Stärken hat, wo Stoiber schwächelte und woran er schließlich scheiterte: Beckstein mag den Umgang mit Menschen, er verfügt über Humor und Selbstironie, er redet frei und ungezwungen, er gibt sogar zu, wenn er etwas nicht weiß.

Alles Eigenschaften, die nicht nur die CSU, sondern auch die bayerische Bevölkerung schmerzlich an Stoiber vermisst hat. Deshalb kann sich Beckstein schon seit Wochen kaum mehr vor Schulterklopfern retten. Egal, ob er wie ein Triumphator durch die Oktoberfestzelte zieht oder Bittsteller in seinem Büro empfängt. Die Bayern wollen endlich wieder einen Politiker zum Liebhaben, da kommt der strubbelige Günther gerade recht.

Erstes Warnsignal

Beckstein ist aber erfahren genug, um zu wissen, dass die erste Sympathiewelle ihn nicht ewig tragen wird. Das politische Schicksal seines Vorvorgängers Max Streibl zeigt, wie schnell die Stimmung umschlagen kann: Als dieser nach dem Tod von Franz Josef Strauß 1988 Ministerpräsident wurde, feierte ihn die CSU für seinen neuen, kooperativen Führungsstil. Nur fünf Jahre danach diente die Amigo-Affäre als Vorwand, um Streibl aus dem Amt zu jagen.

Insofern ist es ein erstes Warnsignal, dass CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann nur wenige Stunden vor Becksteins Vereidigung den CSU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Zöller verbal niederknüppeln musste: Der hatte sich bereits Gedanken darüber gemacht, wie es nach dem mutmaßlichen Ende der Amtszeit Becksteins 2013 weitergehen könnte. "Jeder, der so dumm daherredet in den nächsten Wochen, kriegt eins auf die Nuss", drohte Herrmann, der noch durch die Diskussion um die Stoiber-Nachfolge geschädigt ist.

Wenigstens bis zu den Landtagswahlen im kommenden Jahr soll nun Ruhe herrschen in der CSU. Allzu große Veränderungen sind deshalb von Beckstein nicht zu erwarten, weder politisch noch personell: Eine umfassende Kabinettsumbildung wird es ebenso wie strukturelle Veränderungen in Ministerien erst nach den Landtagswahlen 2008 geben.

Dann aber wird sie mit Sicherheit wieder ausbrechen, die Debatte um den Generationswechsel in der CSU, zumal sich Beckstein selbst als Mann der Übergangs sieht. Am Ende der nächsten Legislaturperiode 2013 wird Beckstein 70 Jahre alt sein. Es wäre eigentlich normal, wenn er diesen Geburtstag als Pensionist feiern würde - aber sicher ist das nicht.

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(SZ vom 10.10.2007)