Von Kathrin Haimerl

Mit 3,6 Millionen Euro ist Sven Kittelmann im letzten Jahr verschwunden. Die Polizei hatte keine Spur. Bis gestern - da hat sie ihn bei einer Routinekontrolle im Zug erwischt.

Mittwoch, 11.20 Uhr. Interregio-Express 3087 von Nürnberg nach Dresden in Höhe Pegnitz bei Bayreuth. Reine Routinekontrolle von Schleierfahndern im Grenzgebiet Deutschland-Tschechien. Doch unter den Passagieren befindet sich einer, der seit Januar 2007 gesucht wird. Es ist der Millionendieb Sven Kittelmann.

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Millionendieb Sven Kittelmann (© Foto: ddp)

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"Bei der Kontrolle des Personalausweises wurde klar, dass Kittelmann international zur Fahndung ausgeschrieben war", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern, Hans-Peter Kammerer. Der 32-Jährige soll zwischen 10.000 und 20.000 Euro in Plastik eingeschweißt bei sich gehabt haben und sei alleine unterwegs gewesen. Er war unbewaffnet. Ganz offensichtlich wurde er von der Routinekontrolle überrascht.

Nicht mehr der strahlende Bodybuilder

"Verwunderlich ist das schon, aber Kommissar Zufall spielt bei uns eine große Rolle", sagt Ulrich Pöpsel, Pressesprecher der Polizei Oberbayern zu sueddeutsche.de. Seit über einem Jahr wartet Günther Bihler, Leiter der Ermittlungsgruppe "Sven" bei der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck, darauf, dass Kittelmann einen Fehler macht. "Und jetzt wird er ausgerechnet bei einer Routinekontrolle festgenommen", sagt Werner Kraus, Pressesprecher der Polizeidirektion Fürstenfeldbruck.

Kittelmann war von Nürnberg nach Dresden unterwegs. Man vermutet, dass er wegen eines Arztbesuchs nach Deutschland gekommen sei, so Kraus zu sueddeutsche.de. "Aber er will dazu keine Angaben machen." Kraus glaubt nicht, dass Kittelmann schon länger in Deutschland war. Zuletzt soll er sich in Tschechien aufgehalten haben. Jetzt sitzt er in Stadelheim "hinter schwedischen Gardinen". Heute wird er dem Richter vorgeführt.

Der strahlende Bodybuilder jedenfalls, den man von den Fahndungsfotos im letzten Jahr kennt, sei Kittelmann nicht mehr. "Er hat längere Haare und schaut ein bisschen verwahrlost aus", sagt Kraus.

Bei Kittelmanns Coup am 20. Januar 2007 war nicht ein Blutstropfen geflossen. Nicht einmal mit einer Waffe hatte der Täter gedroht. Kittelmann überredete als Fahrer des Geldtransporters an einem Parkplatz der Autobahn Stuttgart-München (A 8) bei Sulzemoos im Landkreis Dachau seinen Beifahrer zum Aussteigen. Er wolle ungestört mit seinem Handy telefonieren, hatte er dem Kollegen als Grund genannt. Dann brauste er mit dem gepanzerten Fahrzeug und den 3,6 Millionen Euro davon. In der Nähe der Anschlussstelle Dachau-Fürstenfeldbruck lud er die Beute in einen gemieteten Ford Focus Kombi um.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Anschließend setzte er seine Flucht Richtung Frankreich fort. Kurze Zeit später wurde der leere Werttransporter im Landkreis Dachau gefunden. Ende April fand sich das Fluchtfahrzeug im Fährhafen von Marseille. Dorthin war Kittelmann auf direktem Weg über Straßburg und Mülhausen gelangt, wie die Ermittlungen ergaben.

Am 22. Januar 2007 ging der Täter an Bord einer Fähre nach Algerien. Wegen fehlenden Visums konnte Kittelmann aber nicht in das nordafrikanische Land einreisen und musste Algerien mit der selben Fähre wieder verlassen, deren nächstes Ziel Alicante war. Danach verlor sich die Spur des passionierten Bodybuilders. Kittelmann ist unverheiratet und gilt als Einzelgänger.

Die Ermittlungsgruppe "Sven" bei der Kripo Fürstenfeldbruck arbeitete seitdem unentwegt an dem spektakulären Fall. Sie ging von einem Einzeltäter aus und überprüfte mehr als 1200 Hinweise. Die ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" befasste sich zwei Mal mit dem Millionendiebstahl, zuletzt am 20. Februar dieses Jahres. Für Hinweise zu Kittelmanns Ergreifung und für das Auffinden der Beute waren 75.000 Euro ausgelobt worden.

Als Kommissariatsleiter Günther Bihler, am ersten Jahrestag des Verbrechens zu den Aussichten befragt wurde, den Täter doch noch zu fassen, sagte er: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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(sueddeutsche.de/bavo/dpa)