Miesbacher Affären Kreidl geht es an den Geldbeutel

Ex-Landrat Jakob Kreidl ließ sich zahlreiche Annehmlichkeiten aus der Landkreiskasse bezahlen, obwohl es dafür keine Grundlage gab.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Jakob Kreidl muss sich auf neuen Ärger gefasst machen: Nach der Sparkasse wird auch der Landkreis Regressforderungen an den früheren Miesbacher Landrat richten. Es geht um Reisen, teure Einladungen und Geschenke.

Von Christian Sebald

Dem Miesbacher Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU) steht neuer Ärger ins Haus. Nach der Sparkasse wird auch der Landkreis Regressforderungen an Kreidl richten, der im Frühjahr über seine zahlreichen Affären gestürzt ist. Das empfiehlt der Rechnungsprüfungsausschuss des Landkreises dem neuen Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (Die Grünen). Konkret geht es um zwei Reisen - eine nach Israel und eine nach Rom - und fünf Flüge.

Außerdem monieren die Kassenprüfer teure Einladungen und Geschenke. Kreidl hat im Frühjahr sämtliche politischen Ämter aufgegeben, als bekannt geworden war, dass er sich sein opulentes Fest zu seinem 60. Geburtstag mit knapp 80 000 Euro von der Sparkasse und mit 33 000 Euro von seinem Landkreis hat sponsern lassen.

Bereits zuvor stand Kreidl massiv in der Kritik - er hatte seine Doktorarbeit abgeschrieben und in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter jahrelang seine Ehefrau als seine Mitarbeiterin angestellt. Der Bericht der Miesbacher Kassenprüfer, der der SZ vorliegt, liefert viele weitere Details über Kreidls dubioses Finanzgebaren.

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Reise nach Rom: Kreidl und seine Ehefrau waren vom 28. Juni bis 30. Juni 2011 nach Rom gereist. Anlass war das 60. Priesterjubiläum von Papst Benedikt. Die Reise war eine Privatreise, ihre Organisation lief nicht über das Landratsamt, es gab auch keine Beschlüsse eines kommunalen Gremiums, auf die sich Kreidl berufen könnte. "Die Kosten für die Reise wurde zunächst privat durch den Landrat bezahlt", heißt es in dem Bericht, "nur die Umbuchung des Fluges auf ihn und seine Frau auf Lufthansa wurde durch den Landkreis bezahlt". Später machte dann Kreidl aber auch die anderen Reisekosten geltend.

Reise nach Israel: Vom 27. Oktober 2011 bis 5. November 2011 reiste Kreidl nach Israel. Nach seiner Rückkehr übergab er seiner Sekretärin im Landratsamt eine Einladung der "Freunde des Tel Aviv Museums of Art Deutschland" und ließ sich die Flugkosten sowie die Hotelkosten für die ersten beiden Übernachtungen erstatten - insgesamt gut 1360 Euro. Erneut war weder das Landratsamt in die Organisation eingebunden, noch gab es einen Beschluss eines kommunalen Gremiums, noch eine offizielle Einladung an Kreidl in seiner Funktion als Landrat. Außerdem ließ sich Kreidl gut 750 Euro Handygebühren erstatten, die während der Reise angefallen waren.

Flüge: 2012 wies Kreidl seine Mitarbeiterin an, dass sie für seine Geschäftsflüge grundsätzlich Business-Class-Flüge buchen solle. Laut bayerischem Reisekostengesetz werden Landräten aber nur Dienstflüge in der Economy- oder in der Tourist-Class bezahlt. Kreidl ließ sich 2012 fünf Business-Class-Flüge vom Landkreis Miesbach bezahlen. Business-Class-Flüge sind dreimal teurer als Economy-Class-Flüge.

Bewirtungen, Geschenke: Die Kassenprüfer listen etliche zweifelhafte Fälle auf. Zwei sind besonders auffällig. So ließ Kreidl dem Miesbacher Alt-Landrat Wolfgang Gröbl (CSU) zu dessen 70. Geburtstag einen Blanko-Gutschein für ein Abendessen in einem feinen Restaurant am Tegernsee zukommen. Den Rechnungsbetrag von 688 Euro ließ er unter Bewirtungen verbuchen, obwohl der Gutschein ein Geschenk war.

Im April 2012 besuchte Kreidl mit ungefähr zehn Personen ein Spiel des FC Bayern in der Allianz-Arena in München. Die Tickets bezahlte die Gruppe selbst, der Landkreis übernahm die Fahrtspesen und die Kosten für ein Abendessen nach dem Spiel. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Unterstützer eines Hotelprojekts am Tegernsee, das in der Öffentlichkeit massiv umstritten war. Kreidl, der sich stets für das Projekt stark gemacht hatte, begründete die Einladung damit, dass er sich bei der Gruppe habe bedanken wollen.

Geburtstagsfeier: Der Bericht macht klar, dass zu keinem Zeitpunkt kommunale Gremien in die Planung oder gar Abwicklung des 120 000-Euro-Festes eingebunden waren. Im Gegenteil: Der ursprünglich für das Fest veranschlagte Betrag des Landkreises von 25 000 Euro wurde so im Haushalt verteilt, dass nicht ersichtlich war, wofür die Summen verwendet werden sollten, heißt es in dem Bericht.

Bürgermeisterfahrt nach Interlaken und Serfaus: Diese 85 000 Euro teure Wochenendfahrt in zwei renommierte Skigebiete haben Kreidl, der Sparkassen-Vorstand und die Bürgermeister des Landkreises unternommen, um sich in Sachen Tourismus fortzubilden. Insider sprechen freilich von einer Lustreise. Aus dem Bericht der Kassenprüfer geht hervor, dass der Kreiskämmerer sich weigerte, den Landkreis-Anteil von 36 000 Euro ohne Beschluss des Kreistags zu überweisen, weil er sonst gegen das Haushaltsrecht verstoßen hätte. Darauf erteilte Kreidl die Anordnung - natürlich ohne den Beschluss.

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