Massentierhaltung Schweine-Baron kommt nach Schwaben

Tausende Tiere sollen in dem Großbetrieb gezüchtet werden - für ein kurzes Leben.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Schweine vom Fließband: Der umstrittene niederländische Züchter Adrianus Straathof errichtet in Schwaben einen Großstall für 12.000 Sauen und Ferkel. Kritiker befürchten Tierquälerei und massive Umweltschäden. Der Bayerische Bauernverband sieht das Projekt offenbar weniger kritisch.

Von Stefan Mayr

Diese Baustelle macht Tapfheims Bürgermeister Karl Malz Angst: "Das ist der Todesstoß für unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft." In seinem 4000-Einwohner-Dorf bei Donauwörth zieht der umstrittene Niederländer Adrianus Straathof den vermutlich größten Schweinezuchtbetrieb Bayerns hoch. Die Ställe sollen Platz für 3000 Zuchtsauen und 9000 Ferkel bieten, Tierschützer rechnen mit einem Ausstoß von 75.000 Ferkeln pro Jahr.

Das Projekt stößt auf erheblichen Widerstand, an diesem Samstag ist eine Demonstration vor dem Donauwörther Bahnhof geplant. "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen den Massentierhaltungswahn, der jetzt nach Bayern schwappt", sagt Kurt Jenning vom "Aktionsbündnis Stoppt den Saustall".

"Das ist ein Beispiel dafür, dass die Politiker von der bäuerlichen Landwirtschaft reden und in Wirklichkeit die Industrialisierung vorantreiben", sagt Stephan Kreppold vom Bund Naturschutz. Dies geschehe "ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl, auf das Trinkwasser und auf den verstärkten Keimdruck". Auch Bürgermeister Malz (Freie Wähler) ist gegen den Großbetrieb in seinem Dorf: "Diese Firma wird so viele Schweine auf den Markt werfen, da bricht unseren örtlichen Bauern der Markt ein."

Die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper befürchtet "ein Signal für andere Großzüchter", sich in Bayern niederzulassen. Sie fordert von der schwarz-gelben Staatsregierung "ein klares Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft und zur artgerechten Tierhaltung". Es genüge nicht, "wenn Landwirtschaftsministerin Aigner sich vor idyllischen Bauernhöfen fotografieren lässt."

Größerer Bestand, größeres Gesundheitsrisiko

Rupert Ebner, Tierarzt und Landtags-Kandidat der Grünen, befürchtet ungesunde Nebenwirkungen für Tiere und Konsumenten: "Je größer ein Bestand, desto größer das Gesundheitsrisiko." Entsprechend hoch sei der Antibiotika-Einsatz. "Und dann muss man wissen, dass in solchen Anlagen systematisch mit Hormonen gearbeitet wird." Diese würden jeweils verabreicht, um die Sauen brünftig zu machen, um die Geburt einzuleiten und um Milchstau zu verhindern.

Nach Angaben der Grünen könne von einer artgerechten Haltung keine Rede sein: "Die Ferkel werden schon nach drei Wochen von den Muttertieren getrennt, ihre Schwänze werden kupiert und ihre Zähne abgeschliffen." Trotz dieser Bedingungen könnten diese Ferkel mit dem Siegel "Qualität aus Bayern" vermarktet werden. "Das klingt dann nach Familienbetrieb, aber die Tiere kommen aus der Industrie", ", sagt Grünen-Landtagskandidat Ebner, "auf diese Marke hat es Straathof womöglich abgesehen."

Das Landratsamt Donau-Ries hat die geplante Anlage bereits im Jahr 2008 genehmigt. Den Antrag hatte damals allerdings eine Familie gestellt, die den Hof selbständig betrieb. Danach ist die Straathof Holding eingestiegen, und diese zieht den Großstall nun hoch. Derzeit ist das Grundstück bereits planiert. Die Kritiker und Demonstranten werden das Projekt wohl nicht mehr verhindern können. Sie fordern aber, dass die Behörden die Einhaltung der Auflagen streng kontrollieren. Denn in der Vergangenheit hat sich Straathof nicht immer an die Gesetze gehalten, wie das Landratsamt Altmarkkreis Salzwedel bestätigt: Dort habe er Ställe ohne Genehmigung erweitert.

Tierquälerei, Schwarzbauten und massiver Gestank

Der Westdeutsche Rundfunk hat in einer Dokumentation "Der Schweine-Baron" die Geschäftspraktiken des Adrianus Straathof nachgezeichnet. Darin ist die Rede von Tierquälerei, Schwarzbauten, Überbelegung und massivem Gestank. Straathof gilt als größter Schweinezüchter Europas, auf seiner Internetseite weist er vier Standorte in den Niederlanden und neun in Ostdeutschland aus. Laut WDR ist er auch in seinem Heimatland umstritten: Eine Gemeinde-Mitarbeiterin berichtet, die Kommune habe eine Million Euro für Rechtsstreitigkeiten mit ihm ausgegeben. Straathof selbst sei im Umgang mit den Behörden mitunter "aggressiv" gewesen.

Bei der Straathof Holding war keine Stellungnahme zu erhalten. Der Bayerische Bauernverband sieht die Ansiedlung weniger kritisch: "Von einer Verdrängung kleinerer Betriebe kann nicht die Rede sein", sagt Josef Wasensteiner, Referent für Tierhaltung und Tiergesundheit. "Viele kleinere Betriebe hören wegen einer Gesetzesänderung ohnehin auf, weil sie die neuen Anforderungen nicht mehr erfüllen können." Zudem werde der Großbetrieb von den vorhandenen Großmästereien begrüßt, weil ihnen Ferkel dann aus einer Hand geliefert würden und deshalb weniger krankheitsanfällig seien.