"Ein politischer Dummkopf": Wie die Gerüchte um die Nachfolge von Landtagspräsident Alois Glück diesen und andere in der CSU erzürnen.
Eines lernen CSU-Politiker in ihrer Laufbahn erstaunlich schnell: Bei Feinden muss man mit vielem rechnen, bei Parteifreunden mit allem. Jüngstes Beispiel ist die Diskussion um die Nachfolge des scheidenden Landtagspräsidenten Alois Glück.
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Landtagsvizepräsidentin Barbara Stamm (© Foto: ddp)
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Dessen Stellvertreterin Barbara Stamm hat früh ihr Interesse an dem Posten bekundet - offenbar zum Missfallen einiger Parteifreunde aus Oberbayern, die nicht schon wieder ein gewichtiges Amt an die Franken verlieren wollen. Anonym wurde nun über das Magazin Focus gestreut, Sozialministerin Christa Stewens müsse sich ebenfalls um das zweithöchste politische Amt im Freistaat bewerben - eine Parteifreundin, die Barbara Stamm mit ihrer wohl schmerzlichsten Niederlage verbindet. Auf dem Höhepunkt der BSE-Krise ließ sie Edmund Stoiber fallen und übertrug Stewens das Sozialministerium.
Stewens, seit 2001 Ministerin, stellte am Montag umgehend klar: "Ich stehe für dieses Amt nicht zur Verfügung und bin auch nicht bereit, mich an Spekulationen jeglicher Art zu beteiligen." Alois Glück fand noch deutlichere Worte: "Wer jetzt diese Diskussion um meine Nachfolge betreibt, der diskreditiert sich angesichts der Erkrankung von Barbara Stamm menschlich und ist ein politischer Dummkopf", sagte er der Süddeutschen Zeitung.
Dummheit könnte im Spiel gewesen sein, aber auch Niedertracht. Wer immer Stewens gegen Stamm in den Ring schicken wollte, hat offensichtlich keine Ahnung über das belastete Verhältnis der beiden - oder er nimmt den drohenden Scherbenhaufen bewusst in Kauf. Mehrmals hatte die von Stoiber gedemütigte Unterfränkin ihre Amtsnachfolgerin in den zurückliegenden Jahren öffentlich kritisiert.
Schneider schäumt vor Wut
Und Parteifreunde, die mit Stamm sympathisierten, taten alles, um Stewens zu demontieren. Bereits 2002 war Alois Glück als damaliger Fraktionsvorsitzender gezwungen, ein Machtwort zu sprechen, um die Partei vor einem Imageschaden zu bewahren. Die aktuelle Situation ist nicht minder gefährlich: Jetzt, wo sich die CSU scheinbar aus ihrem Zwischentief befreit hat, gleicht es einem Akt der Selbstzerfleischung, die beiden Alpha-Frauen gegeneinander antreten zu lassen.
Erwin Huber forderte eindringlich, Personalspekulationen zu unterlassen. Siegfried Schneider, der Vorsitzende der Oberbayern-CSU, schäumt indessen vor Wut, dass ausgerechnet einer aus seinen Reihen aus dem Ruder zu laufen scheint. "Sollte es Heckenschützen geben, so sollen sie schweigen oder ihren Namen nennen", sagte der Kultusminister.
In seinem Bezirksverband gebe es keine Debatte um die Glück-Nachfolge. "Das heißt aber nicht, dass wir keine Persönlichkeiten haben, die das Amt des Landtagspräsidenten ausfüllen können", fügte Schneider hinzu.
Barbara Stamm, deren Krebserkrankung kürzlich erst gegen ihren Willen öffentlich gemacht worden war, betonte, sie werde zu Indiskretionen nicht Stellung beziehen. "Mein Fokus richtet sich allein auf die bevorstehende Landtagswahl", sagte sie.
Nun ist sie längst nicht die einzige Geschädigte: Christa Stewens ist weit davon entfernt, ihr Ministeramt für einen Austragsposten aufzugeben - so renommiert er auch sein mag. Ihre Unterstützer im Landtag ließen deshalb einfließen: "Der Ministerpräsident ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeit."
- CSU: Machtkampf im Wahlkampf Eine Absage hilft Stamm 28.07.2008
- Abschied eines Urgesteins Glück gehabt 17.07.2008
(SZ vom 29.7.2008)
Die neueste Antwort
Wieviel Wähler heute interessiert das eigentlich noch, aus welcher Ecke ein Politiker herkommt? Hauptsache, er/sie macht eine gute Politik!
...und so werden sie auch zukünftig wieder sein!
Und zwar noch schlimmer: weil nämlich die im bundespolitischen Mittel bei 7% (und damit noch hinter links und liberal) liegende Provinzpartei CSU mehr und mehr an ihren inneren Widersprüchen krankt:
In Berlin stimmen wir mit Merkel für die Abschaffung der Pendlerpauschale, in Ostbayern und in Unterfranken tun wir so, als hätte uns die CDU und die SPD dazu gezwungen. "Jetztad kimmt da Huba-Bua:" "Das lassen wir uns nicht bieten" und Beckstein sekundiert für die Wiedereinführung der Pendlerpauschale.
Was kommt raus: Eine Pendlerpauschalenpirouette!
Weil nämlich die CDU-Vorsitzende diesen männlichen Eiertanz der Provinpolitiker Huber und Beckstein nicht mitmacht und für klare Verhältnisse sorgen will. Im Gegensatz zu dem jetzigen CSU-Vorsitzenden hat sie nämlich den Schock, nach der letzten Bundestagswahl von Schröder als Minderheitsparteivorsitzende angesprochen worden zu sein, noch im Kopf - und dass ihr damals von stoibers Seite nicht wirklich geholfen wurde.
Hochmut kommt vor dem Fall
P.S.: Frau Stamm, was haben sie eigentlich noch unter solchen Freunden zu erwarten?