Machtkampf in der CSU Chaotisch unsoziale Union

Eine Woche hat sich die CSU mit Personaldebatten rumgeschlagen - und sich selbst beschädigt. Alles, um eine Entscheidung zu treffen, an der von Anfang an kein Weg vorbeiführte.

Ein Kommentar von Birgit Kruse

Bislang galt die CSU vielen als Synonym für politischen Erfolg. Seit dem Debakel bei der vergangenen Landtagswahl stehen sie eher für "Chaos, Sauhaufen und Unruhestifter". Innerhalb von einer Woche hat sich die CSU mit ihren Personaldebatten beschädigt wie kaum je zuvor. Und alles, um am Ende eine Entscheidung zu treffen, an der bei genauer Betrachtung von Anfang an kein Weg vorbeigeführt hat: Horst Seehofer nicht nur zum Parteichef, sondern auch zum Ministerpräsidenten zu küren.

Horst Seehofer soll Nachfolger von Günther Beckstein im Amt des Ministerpräsidenten werden.

(Foto: Foto: Reuters)

Keiner der beiden anderen Kandidaten, die sich bis jetzt hartnäckig im Rennen gehalten haben, wäre in der Lage gewesen, die CSU in eine halbwegs sichere Zukunft zu führen. Wissenschaftsminister Thomas Goppel gilt selbst in den eigenen Reihen als politischer Wirrkopf, wenn auch auf hohem Niveau. Innenminister Joachim Herrmann hat den Ruf eines entscheidungsschwachen Langweilers. Fraktionschef Georg Schmid hatte seine Bewerbung vorsorglich schon selbst zurückgezogen, er erschien in den zurückliegenden, chaotischen Tagen als völlig überfordert.

Für die CSU geht es schon lange nicht mehr nur um die absolute Mehrheit im Freistaat. Es geht darum, jetzt nicht auch noch den Einfluss auf Bundes- und Europaebene zu verlieren. Besonders die Europawahl im nächsten Jahr löst bei den Christsozialen schon jetzt Albträume aus. Sollte es der Partei nicht gelingen, die bundesweite Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen, wäre sie nicht mehr im Europaparlament vertreten. Damit bräche die gesamte Architektur der CSU zusammen, sie wäre auf dem Weg zu einer bedeutungslosen Regionalpartei.

Horst Seehofer, der eigenwillige Charismatiker, ist der Einzige, dem jetzt zugetraut wird, die Partei wieder zu stabilisieren. Derselbe Seehofer, den die CSU-Delegierten vor einem Jahr nicht zum Parteichef wählen wollten, weil sie ihn für zu unberechenbar hielten. Aber die Vorbehalte gegen Seehofer werden im Moment verdrängt. Er weiß, wie man auf der bundespolitischen Klaviatur erfolgreich spielt, er kennt die Tricks, wie man im Hintergrund erfolgreich Strippen zieht. Und er verfügt über ausreichend natürliche Autorität, nach der sich die CSU bei ihrem Führungspersonal immer sehnt.

Doch Seehofer hat nicht nur Freunde in der Partei. Sicher, morgen werden sich die Abgeordneten für den Ingolstädter als Beckstein-Nachfolger aussprechen. Doch viele werden mit der geballten Faust in der Tasche zustimmen. Wenig deutet auf eine baldige Geschlossenheit der CSU hin. Im Gegenteil: Die Partei wird nicht so schnell zur Ruhe kommen.