Bayern bestaunt das Enthaupten zweier lebender Personen auf offener Bühne: Die Oktoberfestspiele der Nachfahren von Franz Josef Strauß.
Der Altbayer ist im Grunde seines Wesens immer Monarchist geblieben, und selbst die Anarchie ist ihm ohne einen starken Anarchen nicht vorstellbar. Dies sieht man etwa an der ungebrochenen Ehrerbietung, die man den Repräsentanten der vormals regierenden Wittelsbacher allerorten entgegenbringt.
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Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Beckstein, Huber, Schmid und Stoiber am 29. September 2007 in München (© Foto: Reuters)
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Man erkennt das auch daran, dass man als bayrischer Spitzenrepräsentant, in den letzten Jahren zwangsläufig immer ein CSUler oder vom FC Bayern, nur dann wirklich erfolgreich war, wenn man gewissermaßen an Königs statt aufs Schild gehoben wurde. "König Alfons" Goppel, der barocke Polit-Berserker Franz Josef Strauß, "Kaiser" Franz Beckenbauer und der technokratische Imperator Edmund Stoiber wurden so erhöht, aber letztlich ist der Niedergang der CSU genau dem daraus entstandenen Sonnenkönigtum zuzuschreiben.
Abgehobene Realitätsferne wurde Parteiprogramm. So glaubte noch vor der jämmerlich verlorenen Kommunalwahl Kultusminister Schneider ernsthaft , das Problem der zu großen Klassenstärken löse sich mit der Zeit demographisch bequem und vor allem billig von selbst. Untersuchungsausschüsse, wie zur Landesbank- oder Hohlmeieraffäre, wurden mit großkotziger Zweidrittelmehrheit zum Kasperltheater, nach Ludwig Thoma:
Mir han de mehrer'n, Mir han de schwerer'n, All's hat an Zwirn, Bal mir regier'n. ... Mir tean im teuern Vataland Bayern, Was mir grad woll'n, Mir san de gschwoll'n Bauerndada!
Ihre Zuversicht, unüberwindlich stark zu sein, nahmen die Regierenden aus dem verlogenen Kontakt zu örtlichen, liebdienernden Parteigrößen und vom Freibier besoffenen Bierzeltjublern. Wenn Günther Beckstein im Vorbeigehen einen spalierstehenden Münchner Polizisten fragte, ob es ihm gutgehe, dann hat der natürlich nicht geantwortet, es geht ihm beschissen, weil er nach dem Wegfall der Ortszulage seine Familie nicht mehr anständig über die Runden bringt und er jetzt noch als Regalsortierer im Supermarkt Geld nebenher verdienen muss.
Also glaubte Günther Beckstein, er sei beliebt, und angestachelt von den ewig zu kurz kommenden Frankenfreunden, glaubte er, es besser zu können als sein Vorgänger. Seinen Rivalen Erwin Huber schubste er auf den Parteivorsitz, doch anstatt dort an dem Amt zu wachsen, ist dieser daran sichtlich geschrumpft.
Hosen, gewebt aus Klebstoff
Doch auch Günther Beckstein ist die Amtsgnade wahrlich nicht zugewachsen, schnell entpuppte er sich als farblose, evangelisch biedere Factory-Outlet-Version eines Sonnenkönigs. Und mit dem Einbröckeln der Fassade wurde aber plötzlich auch der ungetrübte Blick frei auf die unerträglichen Realitäten der bayrischen Politik, und anständige Bayern haben der Doppelspitze und der CSU anständig was eing'schenkt.
Spätestens am Sonntagabend wusste man dann auch, aus welchem Stoff die Hosen von Erwin Huber und Günther Beckstein gewebt sind: aus Klebstoff! Nicht mal in der Niederlage hat dieses unglückliche Gespann Größe bewiesen und das getan, was ganz Bayern erwartet und herbeigewählt hatte.
Huber verlor gar jegliche Perspektive, sah die CSU in keiner Krise, und Beckstein glaubte ernsthaft, einen Wählerauftrag aus der Niederlage für sich herauszulesen. Dafür gab es nun ein Ende mit Schrecken anstatt eines Schreckens ohne Ende.
Grausame Rache an den Protagonisten des Hausmeisteraufstands
Denn das blonde Fallbeil aus Wolfratshausen hat das Schafott aufstellen lassen. "Auf geht's beim Schichtl", und wie bei dem auf der Wiesn beliebten Spektakel gibt es nun "Das Enthaupten einer lebenden Person auf offener Bühne mittels Guillotine".
Wohl keiner, der ihn kennt, konnte ernsthaft glauben, dass Edmund Stoiber bei der erstbesten Gelegenheit nicht grausam Rache üben würde an den Protagonisten des Hausmeisteraufstands von Kreuth. Hätten sie es wider Erwarten besser gemacht und die CSU bei halbwegs erträglichen 50 plus x gehalten, so hätte er sich weiter seine Stockzähne zerbissen und tapfer geschwiegen.
Im zweiten Teil treffen sich Heckenschützen, Bauernopfer und Tambourmajore.
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