Ludwig Hartmann Grüner Turbo

Fast hätte Landsberg den ersten grünen Bürgermeister Bayerns bekommen. Mit 49 Prozent Stimmanteil hat Ludwig Hartmann knapp verloren. Er gilt trotzdem als Hoffnungsträger der Partei.

Von Stefan Mayr

Wenige Schritte vor dem Eingang zum Landsberger Rathaus schaukelten zwei grüne Luftballons im Wind. Auf zwei Plakaten darunter verkündete der OB-Kandidat Ludwig Hartmann selbstbewusst: "Gemeinsam besser für Landsberg." Auch der Grünen-Landesvorsitzende Dieter Janecek war am Sonntag extra in die oberbayerische Kreisstadt gekommen - schließlich standen die Chancen so gut wie noch nie, den ersten grünen Oberbürgermeister Bayerns bejubeln zu können. Aus der großen Party wurde nichts. Nach einer spannenden Auszählung fehlten dem 33-jährigen Hartmann 295 Stimmen. Er musste sich CSU-Mann Mathias Neuner geschlagen geben, der mit 51,38 Prozent gewann.

Ludwig Hartmann nahm das knappe Ergebnis einigermaßen gelassen - hierfür hatte er zwei Gründe: Erstens kennt er das Gefühl der hauchdünnen Niederlage, seit ihm 2003 nur 80 Stimmen zum Einzug in den Landtag fehlten. Zweitens kündigte Parteichef Janecek nur wenige Minuten nach der Auszählung an, dass Hartmann eine hoffnungsvolle Karriere auf Landesebene bevorstehe: "Wir haben hier einen Siegspieler, der stark nach vorne kommen wird." Sein Potential habe Hartmann als Sprecher der Initiative "NOlympia" gegen die Olympia-Bewerbung Münchens und Garmisch-Partenkirchens gezeigt, so Janecek. Und jetzt mit fast 49 Prozent wieder, "das muss man erst mal nachmachen". Janecek sagte dies mit einem Blick, der nur einen Schluss zuließ: Das sind keine leeren Worte des Trostes, das ist sein voller Ernst.

Die bayerischen Grünen bräuchten mittelfristig "auch ein Stück weit eine Erneuerung", so Janecek, dabei werde Hartmann eine wichtige Rolle spielen. Konkretes wollte er hierzu noch nicht sagen, nur so viel: "An der Basis hat Hartmann sehr viel Unterstützung." Die knappe Niederlage sieht Janecek deshalb auch "mit einem kleinen lachenden Auge". Denn so bleibe Hartmann seiner Landtagsfraktion als energiepolitischer Sprecher erhalten - und als selbsternannter Hoffnungsträger, wie Hartmann am Sonntag verkündete, noch bevor er dem neuen OB gratulierte: "Dieses Ergebnis wird mir auf landespolitischer Ebene einen Schub geben."

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man dem Kommunikationsdesigner wahrlich nicht vorwerfen. Wenn sich der Schnellsprecher in Fahrt geredet hat, bremst ihn so schnell keiner mehr ein. Bei allen Ambitionen in München will Hartmann Stadtrat in Landsberg bleiben. "Ich werde Herrn Neuner kritisch begleiten, ob er den angekündigten neuen Politikstil auch wirklich durchsetzt", so Hartmann. Neuner, ein 45-jähriger Ingenieur und Polit-Seiteneinsteiger, wird nun seine Baufirma "stilllegen", wie er sagt. "Ich habe jetzt eine neue Aufgabe." Er wurde für acht Jahre gewählt. Zunächst wolle er nach der Derivate-Affäre mit Millionenverlusten für die Stadt "wieder Ruhe in die Verwaltung bringen", kündigt er an. Bis 30. April ist noch Ingo Lehmann (SPD) im Amt. Gegen ihn ermittelt wegen der Affäre inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Augsburg.