Von Katja Auer

Der Landtag will die Aufweichung des Rauchverbots beschließen. Gegner der Lockerung stehen in der CSU auf verlorenem Posten - und unter massivem Druck der Fraktionsspitze.

Wer in der CSU-Fraktion momentan als Verfechter des strengen Rauchverbots auftritt, der hat es schwer. Am Dienstag haben Ministerpräsident Horst Seehofer und die Fraktionsspitze noch einmal versucht, die 92 Abgeordneten auf ein möglichst einstimmiges Ergebnis einzuschwören, und appellierten an die Geschlossenheit. Denn an diesem Mittwoch soll im Landtag das Gesundheitsschutzgesetz verabschiedet werden, das eine deutliche Aufweichung des Rauchverbots vorsieht. Von August an darf in abgetrennten Nebenzimmern und in Gaststätten, die kleiner als 75 Quadratmeter sind, wieder gequalmt werden.

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Raucher auf dem Oktoberfest: Der Landtag will das Qualmen auch in abgetrennten Nebenzimmern und in Gaststätten, die kleiner als 75 Quadratmeter sind, erlauben. (© Archivfoto: dpa)

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Der Gesetzentwurf resultiert aus dem Koalitionsvertrag zwischen CSU und FDP. Die Liberalen waren mit der Lockerung des Rauchverbots in den Wahlkampf gezogen, und viele in der CSU glaubten ebenfalls, dass sie die strenge Regelung viele Stimmen bei Wirten und Rauchern gekostet habe. Aber nicht alle waren dieser Meinung. Die Kritiker sehen das Hin und Her als das größere Problem. Mehrmals schon ist das Gesetz geändert worden, zuletzt nach der für die CSU verlorenen Kommunalwahl, als die damals noch allein regierende Partei das Rauchen in Festzelten wieder erlaubte.

"Inhaltlich und strategisch falsch"

Heute wollen mindestens fünf CSU-Abgeordnete nicht für die Lockerung stimmen. Besonders der Nürnberger Hermann Imhof protestiert. "Ich halte die Lockerung inhaltlich und strategisch für falsch", sagt Imhof, der sich von Anfang an für ein strenges Rauchverbot ausgesprochen hatte. In der Fraktion wurde er für seine Haltung massiv angegangen, will aber trotzdem gegen die Lockerung stimmen. "Das hat auch was mit Glaubwürdigkeit zu tun", sagt Imhof. Er glaubt, dass seine Partei die Befindlichkeit der Menschen falsch einschätze.

Der Münchner Arzt Thomas Zimmermann ist ebenfalls gegen die Lockerung. Unter seinem Vorsitz verabschiedete der Landesgesundheitsrat, der die Staatsregierung in Gesundheitsfragen berät, in der vergangenen Woche eine Resolution gegen die Aufweichung. Außerdem wollen sich offenbar die Schwaben Max Strehle und Eberhard Rotter sowie Peter Winter aus Unterfranken der Fraktionsdisziplin nicht beugen.

Die meisten verweisen auf den Koalitionsvertrag

Andere betonen, sie stimmten dem Gesetzentwurf nur deshalb zu, weil sie auch dem Koalitionsvertrag zugestimmt hätten und deswegen in der Pflicht stünden. So hält es auch CSU-Fraktionschef Georg Schmid, der einst als Erfinder des strengen Rauchverbots gefeiert wurde und jetzt schmallippig auf den Koalitionsvertrag verweist.

Auch wenn der FDP-Abgeordnete Otto Bertermann ebenfalls gegen den Gesetzentwurf ist, muss die Staatsregierung nicht um die Mehrheit fürchten. Denn zumindest ein Teil der Freien Wähler wird wohl zustimmen. Immerhin wetterten sie im Wahlkampf ebenfalls gegen das Rauchverbot.

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(SZ vom 15.07.2009/jab)