Listen für die Bundestagswahl Geschacher um die besten Plätze

Unter Druck geraten: Florian Pronold.

(Foto: dapd)

SPD und Grüne stellen ihre Listen für die Bundestagswahl auf - dabei dürfte es nicht immer friedlich zugehen. Mit Spannung wird vor allem auf das Wahlergebnis von Florian Pronold geachtet.

Von Frank Müller

Die Opposition im Freistaat packt an diesem Wochenende ihr bayerisches Personalpaket für den angestrebten Machtwechsel in Berlin. SPD und Grüne stellen auf Parteitagen ihre bayerischen Landeslisten für die Bundestagswahl im nächsten September auf. Sowohl beim SPD-Treffen in Dingolfing, mehr aber noch bei dem der Grünen (in Augsburg) könnte es zu Kampfkandidaturen kommen.

Die Vorstände beider Parteien kämpften bis zuletzt darum, auf ihren Listen die Frauenquote und den immerwährenden Regionalproporz umzusetzen - und das Kunststück, sich gleichzeitig zu verjüngen und dennoch auf erfahrene Kräfte setzen.

Dabei gehen SPD und Grüne unterschiedlich vor. Bei den Genossen traf sich der Landesvorstand schon am Freitagabend in Dingolfing, um einen möglichst unumstrittenen Vorschlag auszutüfteln. Landeschef Florian Pronold zeigte sich am Freitag optimistisch, dass dies bis etwa Platz 18 ohne Gegenkandidaturen gelingen könnte. "Und das wäre schon ein Weltwunder", sagte er in München.

In Bayern lässt sich das Wahlergebnis üblicherweise direkt in Abgeordnetenplätze umrechnen: Mit 16,8 Prozent bekam die Bayern-SPD 16 Abgeordnete in den Bundestag. Die Liste ist für die SPD dabei besonders wichtig, weil sie keinen einzigen Abgeordneten per Direktwahl ins Parlament brachte.

Mit Spannung wird nicht zuletzt auf das Wahlergebnis von Pronold selbst geachtet. Der Listenführer war zuletzt intern wegen der Ausfälle des Regener Landrats Michael Adam gegen ihn unter Druck geraten. Das Problem dürfte auch am Samstag wieder aufscheinen. Die Jusos verlangen für die zuvor von Adam erfolglos protegierte Bundes-Vizechefin der Partei-Nachwuchsorganisation, Johanna Uekermann, einen guten eigenständigen Juso-Platz auf der Liste. Das lehnt Pronold ab, der aus den sieben Regionalverbänden der Bayern-SPD eine gemeinsame "Solidaritätsliste" formen will - ohne Extrawürste für einzelne Arbeitsgemeinschaften wie die Jusos. Demnach bekäme jeder Bezirk zwei der 16 sicheren Listenplätze, nur das stärkere Oberbayern erhielte vier.

Deutlich weniger vorhersehbar ist das Geschehen bei den Grünen. Sie starteten ihren Parteitag am Freitagabend mit einer Rede von Bundesspitzenkandidat Jürgen Trittin, im Anschluss wollten sie nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch die Listenplätze eins bis fünf wählen. Als unumstrittene Listenführerin war Bundeschefin Claudia Roth gesetzt, der bayerische Funktionäre nach ihrer Abfuhr bei der Bundes-Spitzenkandidatur ein gutes Ergebnis vorhersagten. Auf Platz zwei galt der Verkehrsexperte Toni Hofreiter als unumstritten. Doch weil es mit Landeschef Dieter Janecek auf Platz vier einen Neueinsteiger auf der Berlin-Liste gibt, dürfte bei den weiteren Wahlen am Samstag das bisherige Gefüge der Liste durcheinander kommen.

Alle zehn bayerischen Abgeordneten (Wahlergebnis 2009: 10,8 Prozent) treten wieder an. Weil Janecek aus der Landeshauptstadt kommt, könnte dies den Münchnern hinter ihm zu schaffen machen. So könne es sein, dass es für den altgedienten Rechtsexperten Jerzy Montag turbulent wird, war aus der Partei zu hören. Doch Montag gab sich gelassen. Er setze darauf, dass auch Erfahrene ihren Platz bekommen, sagte er am Freitag.

Zuvor hatte schon die FDP ihre Liste aufgestellt. Nur die CSU wartet demonstrativ bis April. "Lichtjahre vor dem Ereignis" gebe es doch keinen Sinn, hieß es in der Parteizentrale.