Die neue Rolle der FDP in Bayern bringt unbekannte Gesichter in die Politik: Der Zahnarzt Wolfgang Heubisch wird Wissenschaftsminister, die Rechtsanwältin Katja Hessel Staatssekretärin.
Es ist halt alles recht neu, weswegen die FDP noch die eine oder andere Verwirrung aushalten muss. Wie er sich jetzt fühle, wenn er seinen Zahnarztstuhl aufgeben müsse, wird Martin Zeil gefragt. Der 52-Jährige führte die FDP als Spitzenkandidat in den Wahlkampf und bald soll er Wirtschaftsminister werden.
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Liberale Quereinsteiger: Der künftige bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und die künftige Staatssekretärin Katja Hessel. (© Foto: dpa)
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Von Beruf ist Zeil Rechtsanwalt, den Zahnarztstuhl meide er, antwortet er. Der Zahnarzt, das ist Wolfgang Heubisch, 62, und der soll Wissenschaftsminister werden. Ihm ruft ein Fotograf zu, der Herr Heubach möge sich doch mal bitte kurz umdrehen.
Journalisten und FDP-Mitglieder fremdeln ein bisschen, aber man kennt sich ja kaum. Beinahe 50 Jahre ist es her, dass die FDP zuletzt an einer Regierung in Bayern beteiligt war, vor 14 Jahren flogen die Liberalen gar aus dem Landtag. Nun koalieren sie mit der CSU und werden in der neuen Regierung den Wirtschaftsminister, eine Wirtschaftsstaatssekretärin und den Wissenschaftsminister stellen.
Erfahrung mit der Verbandsarbeit
Wolfgang Heubisch hat sich mit seiner neuen Rolle schon angefreundet. Beim außerordentlichen Landesparteitag der FDP in Ingolstadt posiert der Münchner bereitwillig für die Fotografen, verschränkt die Arme, steckt die Hand in die Hosentasche, ganz wie gewünscht.
Sein Ziel sei gewesen, die FDP zurück in den Landtag zu bringen, sagt Heubisch, "dass wir nun bald in Regierungsverantwortung stehen, habe ich mir nicht vorstellen können". Er traut sich den Posten dennoch zu. Politisch ist er zwar ein Quereinsteiger, aber er bringe die Erfahrungen aus der Verbandsarbeit mit.
Seit sechs Monaten ist Heubisch Vizepräsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), bereits seit 2000 steht er dem bayerischen Verband vor. Zudem ist Heubisch seit 2003 Vizepräsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW).
Den designierten Ministerpräsidenten Horst Seehofer kennt Heubisch schon seit 20 Jahren. Zwar haben sie heftig gestritten, als sie sich kennenlernten. "Aber nur fachlich", betont Heubisch.
Ein erstes Ziel hat sich der designierte Wissenschaftsminister bereits gesetzt: "Ich will die Autonomie der Hochschulen stärken." Das bedeutet auch mehr Verantwortung für die Unis. Aber er verspricht sich von mehr Freizügigkeit auch mehr Erfolg.
Die bayerischen Hochschulen müssten deutschlandweit wieder mehr Bedeutung erlangen, sagt Heubisch. In einem Modellversuch sollen deshalb eine Universität und eine Fachhochschule ihre Professoren und anderes wissenschaftliches Personal selbst berufen. So steht es im Koalitionsvertrag.
Überrascht vom Karriereschub
Neben der Wissenschaft fühlt sich Heubisch auch der Kunst verpflichtet. Er stamme aus einer Künstlerfamilie, sagt er, wenngleich er selbst es nur zum Lebenskünstler gebracht habe. Besonders die Gegenwartskunst liege ihm am Herzen. Er fühlt sich jedoch auch der großen kulturellen Tradition Bayerns verpflichtet.
Die Berufung Heubischs zeige, dass in der FDP Platz sei für Quereinsteiger, die in der Gesellschaft verankert seien, sagt die FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Weil auch der Nachwuchs mitarbeiten soll, nominierte die FDP die 36 Jahre alte Nürnbergerin Katja Hessel als Wirtschaftsstaatssekretärin. "Das ist eine, die mit frischen Mut Akzente setzen kann", sagt Leutheusser-Schnarrenberger. Freilich müsse sich die junge Frau erst einarbeiten. Aber das sei in jeder wichtigen Position so.
Von ihrem Karriereschub ist die künftige Staatssekretärin recht überrascht. War sie doch gar nicht sicher, überhaupt in den Landtag einzuziehen. Aber sie habe "eine gewisse wirtschaftliche Kompetenz" durch ihre Arbeit als Rechtsanwältin und Steuerberaterin.
Sie komme aus dem Mittelstand und kenne dessen Probleme, sagt sie. Vorgeschlagen wurde Katja Hessel von Martin Zeil, der im Wirtschaftsministerium künftig ihr Chef sein wird. Der galt für dieses Amt schon von Beginn der Koalitionsverhandlungen als gesetzt.
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(SZ vom 27.10.2008/gal)
Die neueste Antwort
Mir scheint, die FDP hat sich nicht so richtig auf ihre Arbeit vorbereitet und muss jetzt die Hinterbänkler hervorkramen. Wie peinlich!
Politiker sofern nicht selber ehemalige Wissenschaftler (die kann man mit dem Rasterelektronenmikroskop im Polit-betrieb suchen) sollten ihren unqualifizierten und inkompetenten Mund halten und die Finger aus dem Wissenschaftsbetrieb (MPG, Helmholtz Gesellschaft ...) lassen. Die Schaden da nur und nutzen nichts.
Ich war in den USA in Berkeley und am MIT und weiß es seit dem sehr zu schätzen, dass Polit-Chaoten dort ihre Finger weg lassen. Forschung und Lehre ist so viel angenehmer und der ganze Bürokratismus ist auch nicht vorhanden. Hier in Deutschland im Wissenschaftsbetrieb zu arbeiten ist frustrieren und nahezu sinnlos, da zuviele inkompentes Beamte- und Polit-Chaoten da rein reden (von allen Parteien wohlgemerkt).
Die Politik soll sich rein auf ihre Kernkompetenzen beschränken und ansonsten ihre Finger aus den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft heraushalten und einfach mal den inlkompetenten und ideologisch gefärbten Mund halten.
Die erste Garnitur steht nicht zur Verfügung. Wer jetzt meint, diese in den Chefetagen der freien Wirtschaft und der Forschung orten zu können, liegt falsch. Gemeint ist mit "der ersten Garnitur" ein ganz anderer Menschentyp, als der, den unser "System" an die Spitze bringt.
Gibt es ihn, den Kooperativen, Rücksichtsvollen, Empathischen und Kompetenten, der sich nicht kraft Ellenbogen und Intrigen an die Spitze gekämpft und getrickst hat?
Vielen dämmert langsam, dass ein politisches System der Parteien ein Selektionsprinzip hervorgebracht hat, welches Alpha -Tieren und ihren Steinzeitprogrammen den Vorzug gibt und weniger "Autoritäten", die einfach so vieli drauf haben, derlei Alpha-Spielchen gar nicht nötig zu haben.
Geht es denn zu weit, zu behaupten, das Bewußtsein des herrschenden, also autoritären Politikertyps könne die Lösungen gar nicht denken, die aus der gegenwärtigen Misere führten?
Geht es nicht. Denn die Hierarchie hat ausgespielt. Die Hackordnung ist viel zu sehr auf den Erhalt der eigenen Pfründe bedacht, als dass sie flexibel und durchlässig genug wäre für die unkonventionellen Ideen, die über den Tellerrand des bestehenden hinausführten.
Ein Zahnarzt als Wissenschaftsminister? Ha er wissenschaftliche Kompetenzen, vielleicht ein oder zwei Patente, eine Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb oder ähnliches aufzuweisen?
Oder hat er nur gute Beziehungen bzw. eine Hausmacht, wie der Herr Seehofer? Wehe denen, die in diesen Zeiten nicht mehr aufzubieten haben, als nur zwei Hinterbacken, um den Amts- Sessel zu füllen.
Die zeiten sind ungnädig, wie alle Phsaen des Umbruchs. Den politischen Epigonen der "alten Denkungsart" kann unser inzwischen höchst labiles Gesellschftssystem in einer Weise um die Ohren fliegen, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Und sie werden nicht einmal verstehen können, warum. Mangels Bewußtsein.
Sytemkrise? Nein, viemehr eine des Bewußtseins!
Ausgerechnet ein Zahnarzt! "Zahnmedizin und Wissenschaft" - genau das war's was ich noch nie kapiert habe. Promotionsarbeiten in der Zahnmedizin ... das sind die ewigen Lachnummern im Wissenschaftsbetrieb, sogar unter Medizinern.
Geben wir ihm eine Chance zu beweisen, dass er vielleicht aus irgendeiner anderen Quelle ausserhalb seines Hochschulstudiums ein tragfaehiges Verhaeltnis zum Begriff W-I-S-S-E-N-S-C-H-A-F-T mitbringt.
"Seit sechs Monaten ist Heubisch Vizepräsident des Bundesverbandes der Freien Berufe"
DAmit ist er zuletzt als Lobbyist tätig gewesen - und zwar für Freiberufler - die klassische Klientel der FDP für besserverdienende. Ob er sich damit allerdings als Minister für das ganze Volk qulifiziert hat darf getrost bezweifelt werden.
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