Leser-Fragen zum Fall Mollath Hat er Reifen aufgeschlitzt?

Gustl Mollath soll auch Reifen aufgeschlitzt haben an den Autos von Personen, die von seinem Fall tangiert waren.

Die Ermittlungsakten lassen so eine Vermutung zu. Ein Beweis findet sich darin jedoch keineswegs. Dafür gibt es verschiedene Hinweise, dass die Ermittlungen gegen Gustl Mollath in dieser Sache mit erheblichem Belastungseifer geführt - und entlastende Hinweise kaum berücksichtigt wurden. Aber wie dem auch sei: Eine Einstufung als "gemeingefährlich" wegen angeblicher Reifenstecherei dürfte als sehr ungewöhnlich gelten. Als Argument für eine Einweisung kam im Jahr 2006 vor dem Landgericht Mollaths angeblicher Schwarzgeldwahn hinzu - der inzwischen kaum mehr aufrechtzuerhalten sein dürfte.

Es gibt doch renommierte Gutachter, die Mollath seit seiner Einweisung eine psychische Krankheit attestiert haben.

Nach dem Chefarzt der Forensischen Abteilung im Bezirkskrankenhaus Bayreuth - dem Mann, der Mollath 2005 ein paranoides Gedankensystem attestiert hatte, ohne ihn untersucht zu haben - waren es im Wesentlichen zwei weitere Gutachter, die Mollath für krank erklärten. Zunächst ein Psychiater aus Berlin. Dieser bestätigte Mollath 2008 eine Krankheit, ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Und dies, nachdem ein Psychiater aus Niederbayern zuvor Mollath für "psychopathologisch unauffällig und geschäftsfähig" erklärt hatte - nachdem er ihn selbst untersucht hatte, wohlgemerkt. Ein Gutachter aus Baden-Württemberg kam 2011 zum Ergebnis, Mollaths Gedanken kreisten "um einen fernen Punkt von Unrecht, das sich in der Welt" ereigne, "und der den Kristallisationspunkt der wahnhaften Störung" darstelle.

Demgegenüber stehen vier Stellungnahmen von Psychiatern und Psychologen, die Mollaths Einweisung für nicht gerechtfertigt halten, sowie ein methodenkritisches Gutachten des Bonner Psychiatrie-Professors Klemens Dieckhöfer, der die Gutachten des Jahres 2006 und 2011 förmlich verreißt. In mehr als 40 Jahren als Professor und Gerichtsgutachter seien ihm "Gutachten von dieser zum Teil bizarren Qualität" noch nie untergekommen, sagt Dieckhöfer im SZ-Gespräch. Insbesondere das Gutachten, das 2006 zur Einweisung Mollaths geführt hatte, lasse "jeden wissenschaftlichen Standard" vermissen.