Lehrer in Bayern Staatsregierung will Stellen an Schulen doch erhalten

Flashmob: Von 800 Referendaren, die ihre Ausbildung zum Schulhalbjahr abschließen, haben nur 170 eine Stelle bekommen.

Sie haben Druck gemacht - mit Erfolg: Nach heftigen Protesten von Lehrern und Referendaren ändert die bayerische Regierung ihre Pläne. 800 Stellen an Schulen sollen nun doch erhalten bleiben. Vielen Lehrern ist das aber nicht genug.

Von Tina Baier, Frank Müller und Mike Szymanski

Die Staatsregierung rückt offenbar vom geplanten Wegfall zahlreicher Lehrerstellen ab. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gibt es nun ein neues Modell, wonach alle strittigen 800 Planstellen an den Schulen verbleiben sollen. Dies soll bereits an diesem Mittwoch bei einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion festgezurrt werden. Bereits am Dienstagabend beschäftigte sich der Fraktionsvorstand damit in Anwesenheit von Kultusminister Ludwig Spaenle. Von Finanzpolitikern gebe es Bedenken gegen den Plan, berichteten Teilnehmer. Die Bildungspolitiker begrüßen ihn dagegen.

Vorausgegangen waren ungewöhnlich heftige Proteste aller Lehrerverbände und erheblicher Unmut an den bayerischen Schulen. Dieser hatte sich noch verschärft, weil Spaenle genaue Zahlen schuldig blieb. Er konnte nur mit ungefähren Daten den Plan bestätigen, mehrere hundert Stellen aus dem Schulbereich in die Hochschulen zu verlagern. Damit sollte den sinkenden Schüler- und steigenden Studentenzahlen Rechnung getragen werden.

Dies ist nun nach einem Gipfeltreffen von Spaenle mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Finanzminister Markus Söder (alle CSU) offenbar vom Tisch. Es gebe jetzt den Plan, alle Stellen in den Schulen zu halten, hieß es nach dem Treffen. Diese Zusicherung soll bis Ende der Legislaturperiode gelten und zunächst 50 Millionen Euro zusätzlich kosten. Der zuvor geplante Wegfall hatte auch Seehofer selbst in Argumentationsnöte gebracht. Weil im CSU-Wahlprogramm ein etwas unklar formuliertes Versprechen an die Schulen steht, Stellen nicht zu kürzen, hatte die Opposition ihm Wahlbetrug vorgeworfen.

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Zuletzt hatten die Bildungsverbände noch einmal Druck gemacht. "Wir können auf keine einzige Stelle verzichten", sagte Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Etwa 10 000 Menschen haben eine entsprechende Online-Petition des BLLV unterschrieben. Das Vorgehen der Staatsregierung zeige , wie weit sich die Politik von der Realität entfernt habe, sagte Wenzel.

Max Schmidt, Chef der bayerischen Philologen, sieht es ähnlich. Die Philologen haben innerhalb kürzester Zeit auch fast 10 000 Unterschriften "für die Schaffung neuer Planstellen" gesammelt. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen", sagte Schmidt.

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Zusätzliche Brisanz bekommt das Thema durch die Situation im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt, wo offenbar so viele Lehrer fehlen, dass ganze Klassen nach Hause geschickt werden. "Dass sich die Staatsregierung die Blöße geben und Kinder an gleich vier Schulen nach Hause schicken muss, haut dem Fass den Boden aus", sagte Günther Felbinger, Bildungssprecher der Freien Wähler.