Lehrer in Bayern Wie Seehofer sich aus der Situation herauszuwinden versucht

Seehofers Erklärungsnot, das wird deutlich, ist im Fall Schule noch nicht vorbei. Aus solchen Situationen versucht sich der Ministerpräsident oft dadurch zu retten, dass er aus dem Journalistenpulk heraus einen zufällig vorbeigehenden Parteifreund anspricht. Aber auch das geht schief. Ex-Parteichef Erwin Huber kommt, Seehofer ruft: "Erwin, du warst gestern gut, hat meine Frau gesagt." Gemeint ist wohl ein Fernsehauftritt Hubers, die ungewollte Anzüglichkeit sorgt für Gelächter. Erinnerungen an Edmund Stoibers mitunter missglückte Sprüche werden wach.

Doch die Lage ist ernst, vor allem aus der Sicht von Finanzexperte Winter. Es geht um viel Geld. Winter rechnet kurz: Etwa 800 Stellen, jede kostet im Jahr zwischen 50 000 und 60 000 Euro, mal Lebenserwartung. "Auf Dauer kann das zu zwei Milliarden Euro führen, wobei das sicherlich die untere Grenze ist." Hoffentlich sind bald die Wahlen vorbei, denkt einer aus der Fraktion laut. Dann werde auch die Neigung zu Wahlgeschenken abnehmen. Winter hält die Stellung: "Hier werden keine Geschenke verteilt, hier wird Geld ausgegeben." Ob das nachhaltig sei, wird er gefragt. Bildungsinvestitionen seien immer nachhaltig, sagt Winter.

Geste an Bildungspolitiker

Die Stimmung wird nachdenklich. Bayern will Weltmeister bei der Schuldentilgung sein - passt Seehofers Freigebigkeit in diese Landschaft? Der lang gediente Abgeordnete Thomas Goppel ist eher skeptisch und sagt: "So langfristig ist die Entscheidung schnell getroffen." Aus seiner Sicht: zu schnell. Der Vorschlag sei "mit Sicherheit nicht zu Ende gedacht". Seehofer hält er vor, die Entscheidung "unter dem Druck anstehender Wahlen" getroffen zu haben.

Als "Geste an die Bildungspolitiker" will Seehofer all das verstanden wissen. Bei den Lehrerverbänden geht die Rechnung aber nur zum Teil auf. Sie, die sich in den vergangenen Wochen zu einer ungewöhnlichen Allianz gegen die geplanten Stellenstreichungen zusammengeschlossen hatten, reagieren zwar erleichtert auf die Rücknahme. Aber sie sehen das Problem der arbeitslosen Referendare auch nach Seehofers Schwenk ungelöst. Zum nächsten Einstellungstermin am 1. August werden wieder Hunderte auf der Straße stehen. Dann werden nicht nur wie derzeit junge Gymnasiallehrer betroffen sein, sondern auch Realschul-, Mittelschul- und Grundschullehrer. Der Termin im Sommer ist nämlich der Haupteinstellungstermin, lediglich Gymnasiallehrer werden auch im Februar angestellt.

Anton Huber, der die bayerischen Realschullehrer vertritt, schätzt, dass weniger als zehn Prozent der Absolventen eine Stelle bekommen. Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, rechnet vor allem bei den Grundschullehrern mit dramatisch schlechten Chancen. Und Max Schmidt, Vorsitzender des Philologenverbands, wäre schon froh, wenn die Hälfte der etwa 1800 Anwärter im Gymnasialbereich im Sommer eine Stelle bekämen.