Lehrbeauftragte Kaum Verbesserungen für Musik-Dozenten

In den Haushaltsverhandlungen lehnt die CSU strukturelle Änderungen ab. Das Honorar kann allerdings erhöht werden

Von Jakob Wetzel

Dass ihre Sorgen so schnell Realität werden könnten, hätte Andrea Fleißner nicht gedacht. Sie sei von einem Auto angefahren worden, erzählt die langjährige Dozentin für Musikpädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sie habe noch Glück gehabt und sich nur das linke Sprunggelenk verletzt. Unterrichten aber könne sie jetzt einstweilen nicht mehr, und das ist für sie ein Problem. Denn Fleißner hat keine soziale Absicherung. Die Universität bezahlt sie nur, wenn sie arbeitet. Wenn sie nicht unterrichten kann, dann verdient sie nichts.

Es ist erst wenige Wochen her, da stand Fleißner noch mit einem Transparent vor der Staatskanzlei in München. Mit etwa 120 weiteren Lehrbeauftragten für Musik demonstrierte sie gegen ihre prekäre Beschäftigung im Staatsdienst. Denn obwohl sie gerade in Musik und in der Fremdsprachenausbildung einen Großteil der akademischen Lehre stemmen, behandelt der Freistaat Lehrbeauftragte wie Nebenjobber: Bezahlt werden sie nur für die tatsächliche Unterrichtszeit, nicht für die Vor- und Nachbereitung. Sie bekommen keine langfristigen Verträge, sind nicht gegen Unfälle versichert, erwerben keinen Anspruch auf eine Rente, genießen keinen Mutterschutz und erhalten kein Geld im Krankheitsfall. So geht es seit Jahrzehnten. Die Dozenten forderten den Freistaat deshalb auf, sich seiner sozialen Verantwortung zu stellen: Sie forderten mehr feste Stellen und mehr Sicherheit, außerdem mehr Mitsprache an den Hochschulen und mehr Geld.

Dabei fanden die Dozenten durchaus Gehör. Hochschulpolitiker von SPD, Grünen und Freien Wählern sicherten ihnen Unterstützung zu, die CSU-Staatsregierung entsandte zumindest den Sprecher des zuständigen Kultusministeriums. In den folgenden Wochen trafen sich Vertreter der Lehrbeauftragten mit Minister Ludwig Spaenle; der signalisierte Teilnehmern zufolge zumindest Gesprächsbereitschaft.

Im Nachtragshaushalt für 2018 aber, über den derzeit im Landtag verhandelt wird, werden sich die Forderungen der Lehrbeauftragten kaum wiederfinden. Der Sitzung im Haushaltsausschuss nach zu urteilen, wird der Etat der Musikhochschulen zwar um eine Million Euro erhöht, um die Honorarsätze zu verbessern, zudem soll das Budget für Musikpädagogik an den Universitäten um 100 000 Euro anwachsen. Doch die CSU-Mehrheit lehnte deutlich weiterreichende Anträge aus der Opposition ab. Von dem zugesagten Geld profitieren vor allem die etwa 600 Lehrbeauftragten an den drei staatlichen Musikhochschulen, die an den Unis, wie Andrea Fleißner, allerdings kaum.

SPD und Grüne hatten erhebliche Nachbesserungen beantragt. Die SPD wollte fünf Millionen Euro mehr für höhere Honorare bereitstellen, und zwar explizit nicht nur für Dozenten an den Musikhochschulen, sondern auch an den Unis. Die Grünen forderten 120 Millionen Euro, jeweils die Hälfte davon für die Grundfinanzierung, was sich in höheren Honoraren niederschlagen solle, und für neue feste Stellen, um die prekäre Lage der Dozenten zu beenden. Im Ausschuss angenommen wurde jedoch nur die Forderung, Vor- und Nachbereitungszeiten in die Berechnung der Honorare einzubeziehen. Die Nöte der Dozenten spürbar zu lindern, werde aber mit den nun bewilligten 1,1 Millionen Euro nicht möglich sein, sagt Isabell Zacharias, die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. "Das zeigt, dass die CSU die Nöte der Lehrbeauftragten nicht verstanden hat und ihrer prekären Situation und Perspektivlosigkeit nicht Einhalt gebieten will."

Die CSU weist das zurück: In einem Nachtragshaushalt könne man keine Strukturreformen beschließen, sagt der hochschulpolitische Sprecher der CSU-Fraktion Oliver Jörg. Es gehe nur darum, den Etat an einen gestiegenen Bedarf anzupassen. Und die Erhöhung sei ein kräftiger Schritt nach vorne. Mit dem zusätzlichen Geld könnten die Lehrbeauftragten ja zum Beispiel besser privat vorsorgen.

In einzelnen Bereichen seien zudem Verbesserungen absehbar, sagt Jörg: So könnten Korrekturarbeiten, die Lehrbeauftragte bislang unbezahlt vornehmen müssen, künftig honoriert werden. Man könne auch darüber nachdenken, einen Fonds ins Leben zu rufen, in den etwa Hochschulen oder Alumni-Vereine einzahlen, um in Härtefällen einzuspringen, wenn also Dozenten nach jahrzehntelanger Arbeit vor der Altersarmut stehen. Langfristig solle es auch mehr feste Stellen für die Lehre geben, sagt Jörg. Doch das gehe nicht von heute auf morgen. Da brauche man noch etwas Geduld.