"Legionäre Christi" im Bistum Passau Dienst an Gott - mit militärischem Eifer

Sie standen dem Faschismus nahe, ihr Gründer missbrauchte Ordensbrüder sexuell, gelten heute als erzkonservativ - und bilden Exorzisten aus: Die umstrittenen "Legionäre Christi" wollen sich im bayerischen Neuötting ansiedeln. Der Bürgermeister hat nichts dagegen, doch ausgerechnet unter den katholischen Glaubensbrüdern im Bistum Passau wächst die Sorge.

Von Franziska Brüning und Max Hägler

Man kann natürlich alles positiv sehen: Die Legionäre Christi, ein katholischer Orden, ziehen mit ihrer Priesterausbildung bald nach Neuötting - weil ihnen die Herberge in Nordrhein-Westfalen zu klein geworden ist: Endlich wieder einmal eine stattliche Zahl junger Priester - welch gute Nachricht für die darbenden Katholiken.

Und mit dem Umzug findet endlich die alte Berufsfachschule in Neuötting wieder eine Bestimmung: "Aus städtebaulicher Sicht bin ich froh, wenn die Immobilie wieder einer Nutzung zugeführt wird", sagt Bürgermeister Peter Haugeneder. Stand doch die "Bavaria" genannte Schule jahrelang leer. Der Kaufvertrag soll bis Mitte des Monats in trockenen Tüchern sein.

Eine gute Sache. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten überwiegt die Sorge. Ernstzunehmende Sorge - denn sie kommt ausgerechnet von katholischen Glaubensbrüdern, Geistlichen aus dem Bistum Passau. "Wir hätten auf die verzichten können", heißt es da bis hinauf in die Bistumsleitung. Was man von den Legionären Christi wisse, "hat uns nicht in allen Punkten gefallen".

Die Legionäre sind nicht nur erzkonservativ und in einer Reihe zu nennen mit Opus Dei und den Piusbrüdern. In Spanien standen sie dem Faschismus unter Diktator Franco nahe. Ihr vor kurzem verstorbener Gründer Marcial Maciel Degollado hat sogar eine kriminelle Vergangenheit: Er hat Ordensbrüder sexuell missbraucht - die Taten wurden trotz seines Todes vor drei Jahren vom Vatikan untersucht.

Unter Papst Benedikt XVI. begann ein Recherche-Team den Vorwürfen gegen Marcial Maciel nachzugehen. Die fünf Bischöfe kamen zu dem Ergebnis, Maciel habe "wahre Verbrechen" begangen. Er sei ein Mensch "ohne Skrupel" und "authentisches religiöses Gefühl" gewesen, der sich ein Machtsystem errichtet habe. Der Vatikan verfügte im Jahr 2010: Der Orden muss sich neu ordnen und einen Prozess der inneren Reinigung vollziehen.

"Auswuchs der Unsicherheit"

Diese Leute ziehen nun nach Neuötting, zumindest ein kleiner Teil von ihnen. Den Legionären gehören eigenen Angaben zufolge weltweit 920 Priester und 2500 Seminaristen an. An ihren Universitäten, wie dem Athenaeum Regina Apostolorum in Rom, werden Exorzisten ausgebildet. Mit militärischem Eifer - passend zum Namen - täten diese Leute ihren Dienst an Gott, sagt ein katholischer Geistlicher aus Passau. Eine Haltung, die so gar nicht zum heutigen Verständnis von Kirche passe. "Wenn die anfangen sollten zu missionieren, dann wird es problematisch", heißt es in der Diözese.

Ja, er kenne solche Vorwürfe, sagt Neuöttings Bürgermeister Haugeneder. Und nein, er habe trotzdem kein Problem mit seinen neuen Mitbürgern, die demnächst in die Stadt ziehen. 18 Novizen sollen bis zum Sommer kommenden Jahres aus Bad Münstereifel nach Bayern wechseln, samt des theologischen Lehrpersonals. Es habe eine päpstliche Visitation gegeben, sagt der SPD-Bürgermeister. "Ich gehe davon aus, dass jetzt alles bereinigt und in ordentlichen Bahnen ist."

Das bezweifeln Menschen, die schon intensiver mit den Legionären Christi zutun hatten. Der Wirtschaftswissenschaftler Erik Händeler aus Lenting bei Ingolstadt ist einer von denen, die mit den Legionären bittere Erfahrungen gemacht haben. Eigentlich gehört der katholische Glauben für den Familienvater fest zu seinem Leben - im katholischen Sozialverband KKV ist er stellvertretender Landesvorsitzender. Er wirkt, als urteile er nicht leichtfertig, doch für die Legionäre hat er nur Kritik übrig. Er nennt sie mittlerweile einen "Auswuchs der Unsicherheit extrem konservativer Kreise vor dem Wandel der Gesellschaft".