Lebensmittelkontrollen Rost am Dönerspieß, Mäuse im Getreide

Da kann einem der Appetit vergehen: Bayerische Lebensmittelprüfer haben Betriebe untersucht und jede Menge Ekliges entdeckt. Zehn Prozent aller Proben wurden beanstandet. Was die Ermittler fanden - und warum sie in fast jedem Sushi-Restaurant etwas auszusetzen hatten.

Von Frank Müller

Es ist eine Sonderkommission mit 90 Köpfen und ihr Zugriff ist im Bedarfsfall gnadenlos: Die sogenannte "Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit" hatte gestern im Landtag ihren großen Auftritt. Das Team kontrolliert bayerische Lebensmittelbetriebe bis ins letzte Detail und wurde dabei auch im abgelaufenen Jahr wieder häufig fündig. Bei Kontrollen in 367 Betrieben habe es bei insgesamt 30 gravierende Mängel gegeben, hieß es gestern im Umweltausschuss des Landtags, wo es von allen Fraktionen Lob für die Kommission gab.

Die Konsequenzen für die Firmen sind gravierend: Mal ordnen die Hygienefahnder nur eine Grundreinigung an, mal legen sie den Betrieb vorübergehend still und vernichten die betroffene Ware. Die Details der Arbeit der Spezialeinheit, die im Erlanger Landesamt für Gesundheit angesiedelt ist und damit zum Umweltministerium gehört, sind oft unappetitlich, manchmal auch direkt gesundheitsgefährdend.

Im vergangenen Jahr nahm sie sich zum Beispiel Dönerläden vor. Dabei fand sie "größere Mengen von Lebensmitteln mit abgelaufenem Verbrauchsdatum" und Räume, in denen Dönerspieße neben rostigem Werkzeug, Autoreifen und Farben lagerten. In Getreidemühlen stießen sie auf Nagetiere und Insekten, bei Firmen, die mit Flüssigei umgehen, monierten sie: "Oftmals fehlte ein durchgängiges Eigenkontrollsystem." Fündig wurden sie auch in bayerischen Brauereien: Drei von 27 kontrollierten Sudstätten seien durch "gravierende Mängel" auffällig geworden, hieß es. Darunter verstehen die Prüfer Vorkommnisse wie Schädlinge im Malzbereich oder Schimmel im Lagerkeller.

Die Sonderfahnder sind nur ein kleiner Teil der bayerischen Lebensmittelkontrolle, die bei dem Landesamt zusammenläuft. Dort gibt es über jeden Lebensmittelbetrieb eine eigene elektronische Kontrollakte. Hier laufen auch die Daten der kommunalen Lebensmittelüberwacher ein. Erst kürzlich hatten etwa, wie berichtet, die Münchner Kontrolleure Mängel in einem knappen Drittel der Metzgereien festgestellt.

Insgesamt wurden in Bayern im vergangenen Jahr mehr als 64.000 Lebensmittelproben untersucht, davon gab es bei immerhin elf Prozent Beanstandungen. Dabei betrifft aber nur ein Bruchteil gesundheitliche Risiken. Das Gros sind Verstöße gegen Qualitätsvorschriften oder gegen die Kennzeichnung. Im Einzelfall ist die Beanstandungsquote deutlich höher: So wurden 89 Prozent aller untersuchten Sushi-Lokale moniert - nicht wegen direkter hygienischer Mängel, sondern weil sie künstliche Süßstoffe nicht kenntlich gemacht hatten. Das könne für Menschen mit Stoffwechselstörungen zum Problem werden.

Allerdings sei trotz vieler Beanstandungen das bayerische Fazit positiv, sagte der zuständige Ministerialdirektor Michael Höhenberger: Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion insgesamt seien in Bayern "hervorragend", sagte er: "Bayern ist der Feinkostladen Deutschlands."