Von K. Auer und K. Stroh

In Bayerns erster TV-Debatte geben sich die Rivalen Beckstein und Maget sachlich. Nur beim Thema Atomstrom verliert Beckstein kurz die Contenance.

Es war eine Premiere für Bayern: das erste Fernsehduell des Ministerpräsidenten mit seinem Herausforderer vor einer Landtagswahl. Doch wer vom Aufeinandertreffen Günther Becksteins (CSU) und des SPD-Spitzenkandidaten Franz Maget Neuigkeiten erwartet hatte, wurde enttäuscht.

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Sichtlich entspannt nach dem Duell: Günther Beckstein (CSU, links) und sein Herausforderer Franz Maget (SPD). (© Foto: dpa)

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Am Donnerstagabend führten sie eine sachliche, ruhige Diskussion und tauschten bekannte Argumente aus. Maget wirkte etwas souveräner, ihm war das Bemühen, keine Fehler zu machen, weniger stark anzusehen als Beckstein. Beim Eintreffen am Studio des Bayerischen Fernsehens war das noch ganz anders, da war er deutlich nervöser.

Vielleicht Ergebnis dessen, dass sich Beckstein im Vorfeld eigens vom Fernsehjournalisten Ekkehard Mayr-Bülow drei Stunden lang trainieren ließ und dabei, wie er sagte, lernte, "dass ich vorsichtig sein, aber fest und zuverlässig antworten muss". Dem entsprach sein wie auswendig gelerntes Eingangsstatement, bei dem er in die Kamera blickte, als halte er eine Neujahrsansprache.

Den Menschen in Bayern gehe es besser als anderswo, sagte er, Bayern sei ein "wunderschönes Land" und "lange erfolgreich regiert" worden. "Das ist etwas, was wir halten wollen." Maget hingegen sah zu Beckstein und auch zu Sigmund Gottlieb hinüber, den Moderator der Runde. Der Freistaat sei schlecht regiert worden, argumentierte er und führte das "Debakel" bei der Landesbank oder dem Transrapid und auch die Schulpolitik an. Daher brauche das Land einen "Neuanfang".

45 Minuten dauert der Schlagabtausch; ausgiebig debattieren beide erst über Wirtschafts- und Energiepolitik, später nur noch kurz über die Themen Bildung und Innere Sicherheit. Zweimal gelingt es Maget, Beckstein Zitate vorzuhalten, die für Aufruhr gesorgt hatten. Etwa dass ein "anständiger" Bayer die CSU wähle. "Es ist keine Sünde, nicht die CSU zu wählen", hält der SPD-Spitzenkandidat entgegen.

Später referiert er Becksteins Äußerung, auch nach dem Genuss von zwei Maß Bier könne man noch Auto fahren. Der Ministerpräsident erwidert, er wolle offen lassen, ob dies eine "ungeschickte Äußerung" oder auf eine "zugespitzte Berichterstattung" zurückzuführen sei. Klar sei aber: Wer Auto fahre, solle "keinen Alkohol trinken".

Es dauert eine halbe Stunde, bis Beckstein einmal kurz ein wenig die Contenance verliert. Gottlieb spricht die SPD-Plakate an, die CSU plane neue Kraftwerke in Ramersdorf und Trudering, und fragt Maget, ob er das wirklich glaube. "Das ist eine Zuspitzung dieser Diskussion", hebt der SPD-Mann an - doch Beckstein fährt dazwischen: "Das ist eine plumpe Verleumdung", sagt er.

Wer so etwas sage, sei "verleumderisch oder hat nicht mehr alle Tassen im Schrank". Maget plädiert für den Umstieg auf erneuerbare Energien - auch weil die Frage, wo der Atommüll gelagert werden soll, nicht gelöst sei. Beckstein hält entgegen, es sei unverantwortlich, Strom aus ausländischen Kernkraftwerken zu beziehen.

Dass über die vielen bildungspolitischen Themen nur verhältnismäßig wenig Zeit aufgewendet worden ist, dürfte die SPD etwas wurmen. Die soll ja schon im Vorfeld etwas skeptisch beäugt haben, dass Gottlieb die Bildung, bei der der SPD größere Kompetenzen zugeschrieben werden, zwischen Wirtschaft und Sicherheit packte, zwei Themenfelder, auf denen die CSU traditionell stark ist.

Auch über die Wiedereinführung der Pendlerpauschale debattieren beide, obwohl sie eigentlich beide dafür sind. Maget erläutert aber seine Idee, für Geringverdiener aus dem bayerischen Staatsetat ein zusätzliches Pendlergeld zu zahlen, um sie von den gestiegenen Spritkosten zu entlasten. "So kann nur jemand reden, der das aus der Opposition heraus niemals umsetzen muss", entgegnet Beckstein. Er lehne ein solches "Almosen" ab.

Am Ende bilanziert Beckstein, er habe schon zuvor gewusst, "dass es nichts sensationell Neues gibt". Maget hätte "gerne noch mehr untergebracht". Tatsächlich hatte Beckstein eineinhalb Minuten länger geredet. Maget hat aber schon zuvor gewonnen: Weil er erstmals mit dem Ministerpräsidenten an einem Tisch diskutieren durfte - live im Fernsehen.

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(SZ vom 19.09.2008/aho)