Landtagswahl 2013 Junge Grüne fordern die besten Listenplätze

Margarete Bause ist unangefochtene Spitzenkandidatin. Ihr Ko-Fraktionschef Martin Runge rückt indes auf der Liste freiwillig in den Hintergrund.

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Die oberbayerischen Grünen stellen am Wochenende ihre Kandidatenliste für die Landtagswahl auf. Weil die Jugend auf die vorderen Plätze drängt, könnte es zu brisanten Duellen kommen - vor allem bei den Frauen.

Von Heiner Effern

Die Basis kann diskutieren und abstimmen, wie sie will, am Ende gibt bei den Grünen in Bayern fast immer der gleiche Politiker-Typus den Ton an: der gefühlte oder tatsächliche Immer-schon-Dabei, der bequem mit dem Rad oder mit der S-Bahn in die Münchner Innenstadt fahren kann. Man denke nur an die Fraktionssprecher Margarete Bause (Schwabing) und Martin Runge (Fürstenfeldbruck-Ost). Auch wenn am kommenden Wochenende die oberbayerischen Grünen in Rosenheim ihre Kandidatenliste für die Landtagswahl aufstellen, darf sich die Basis am bekannten Spitzenpersonal aus dem Münchner Speckgürtel reiben. Doch diesmal könnten erste Funken springen, die sich in Zukunft zu einem Flächenbrand ausweiten. Junge und neue Gesichter drängen nach vorne, für die alte Garde könnte es der letzte große Auftritt werden.

Dass die Partei trotzdem entspannt auf die Nominierung blickt, liegt an den prognostizierten 14 Prozent in der BR-Umfrage von Anfang Januar. Neun Abgeordnete aus dem Bezirk sind jetzt schon im Landtag, nicht nur die CSU hat ihr Machtzentrum in Oberbayern. "Wenn wir uns nicht deppert anstellen, werden es mehr", sagt Fraktionschef Runge. Die Aussicht nimmt Druck raus, weil niemand mit Gewalt verdrängt werden muss. Er selbst reduziert diese Gefahr, indem er erst in das Rennen um Position vier einsteigt.

Für den ersten Männerplatz - die Grünen wechseln in der Reihenfolge strikt nach Geschlecht - bewarb sich schon ein Jüngerer: Ludwig Hartmann. "Als energiepolitischer Sprecher finde ich es wichtig, dass dieses grüne Kernthema durch eine Person vorne auf der Liste auftaucht", sagt er. Hartmann machte sich einen Namen als Gegner der Münchner Olympiabewerbung 2018 und legte danach ein sehr respektables Ergebnis als Oberbürgermeister-Kandidat in Landsberg hin. Auch wenn Runge betont, dass ihm der Job als Fraktionschef viel Spaß bereite, könnte sich hier schon ein Wechsel in naher Zukunft andeuten.

Trotzdem haben die Männer bei den Planspielen der oberbayerischen Grünen derzeit den ruhigeren Part. Christian Magerl aus Freising wird sich wohl auf einem aussichtsreichen Platz wiederfinden. Und Sepp Dürr wurde oft genug bei einer Listenaufstellung von der Basis wegen seiner mangelnden grünen Demut nach hinten geschickt, um vom Wähler wieder nach vorne geholt zu werden. "Jeder weiß, dass er das mit seinem eigenen Wahlkampf steuern kann", sagt Fraktionschef Runge. Zumindest die Münchner mit ihren oft großen Stimmkreisen und viel grünem Potenzial haben diesen Vorteil. Nur für Dürr wird es diesmal schwer, weil er aus Gesundheitsgründen kein Direktmandat anstrebt und ihm diese Erst-Stimmen fehlen werden.

Erstmals seit vielen Jahren werden sich die Frauen den härteren Kampf liefern. Margarete Bause kann sich wohl vornehm zurückhalten, nicht einmal die Grünen dürften ihre Spitzenkandidatin beschädigen, indem sie ihr Platz eins auf der Liste verweigern. Doch dahinter ist alles offen, auch weil Landeschefin Theresa Schopper mit ihrem politischen Umzug nach Schwaben das Feld räumte. Offen um Platz drei bewirbt sich bereits Helga Stieglmeier aus Erding, die viel Rückenwind aus ihrem Engagement gegen die dritte Startbahn am Flughafen München mitnehmen dürfte.

Doch auch Claudia Stamm, die freiwillig ihren Stimmkreis von München nach Rosenheim verlegte, um das nach dem Tod von Sepp Daxenberger komplett verwaiste Südostbayern wieder zu besetzen, will einen vorderen Listenplatz. Und auch die Münchner Stadtchefin Katharina Schulze drängt in den Landtag. Dort sitzen schon Susanna Tausendfreund und Anne Franke, auch sie wollen sich aussichtsreich positionieren. Doch sie alle haben, vielleicht bis auf die Ausweichlerin Claudia Stamm, den S-Bahn-Malus, der bei den weiter von München entfernt lebenden Delegierten zu einer allergischen Reaktion führen könnte, wie es intern heißt.

Grünen-Abgeordnete aus Ingolstadt oder Eichstätt sucht man im Landtag seit Jahren genauso vergeblich wie solche aus dem Werdenfelser- oder Berchtesgadener Land. Obwohl dort Typen sitzen wie der Wimmer Bartl, der sich, leicht gekürzt, so bewirbt: "Bin kein Sepp, vertrete trotz eigenem Hühnerbestand das Thema Landwirtschaft nicht, werde nie freiwillig in Bierzelten dirigieren, habe nix geerbt und bin trotzdem mittlerweile ein Fall für die Vermögenssteuer, habe als bayerischer Atheist für Göring-Eckardt gestimmt, bin Bayernfan und nur 60er, weil ich die 50 schon überschritten habe."