Von Frank Müller

Genossen im Aufwind: Bei ihrer Klausur ergötzt sich die Bayern-SPD an ihrem Hoffnungsträger Christian Ude und an seinem Double. Doch eines wird bei all dem Frohsinn auch deutlich - dass die SPD und ihr möglicher Spitzenkandidat erst noch zueinander finden müssen.

Es ist nur eine kleine Schrecksekunde, aber sie ist spürbar: Gerade hat Markus Rinderspacher seine Landtags-Genossen im Ausflugsdampfer "Alte Liebe" am Würzburger Mainufer zum entspannten Fraktionsabend begrüßt, da riecht es schon wieder nach Arbeit: Man müsse doch noch einmal in die politische Sachdebatte einsteigen, sagt der Landtagsfraktionschef und kündigt dazu einen Gast an: Christian Ude.

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Beste im ganzen Land? Der Kabarettist Uli Bauer bei der SPD in seiner Paraderolle als Christian Ude. (© dpa)

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Christian Ude?

Natürlich war es nur ein Spaß. Statt Ude stolziert sein langjähriges Double vom Münchner Nockherberg, der Kabarettist Uli Bauer (siehe Interview rechts), auf die kleine Bühne im Schiff und startet eine furiose Show. "Liebe Genossinnen und Genossen", so möchte der Kunst-Ude seine SPD-Kollegen begrüßen, doch das will einfach nicht klappen.

Ein ums andere Mal verhaspelt sich der Kandidat bei dieser Anrede, Hustenanfälle schütteln ihn spätestens bei der zweiten Silbe, und die Botschaft dieses Running Gags ist allen auf dem Schiff sofort klar: Der neue Spitzenkandidat hier und die altgediente Fraktionsmannschaft dort, das sind zwei Welten, die erst noch zueinander finden müssen.

Bauer nutzt die Umbruchsituation und die unkonventionelle Kandidatenfindung der letzten Wochen weidlich aus. Immer wieder betont er spielerisch, er wolle die Bayern-SPD ja auf gar keinen Fall zu irgendetwas drängen - um genau das dann zu tun. Die in der SPD umstrittene Startbahn etwa für den Münchner Flughafen brauche er schon aus Eigennutz, betont Bauer-Ude. Er habe künftig schließlich auch außenpolitische Ambitionen und werde daher viel fliegen...

Das war dann also zumindest das angetäuschte erste Kennenlernen zwischen Ude und der Fraktion, in der vor allem viele Nicht-Münchner den neuen Kandidaten noch gar nicht so gut kennen. Kein Wunder: Ude hatte sich schließlich rar gemacht auf Landesebene.

Auch in Würzburg war Ude zwar Gesprächsthema Nummer eins, mancher wähnte, ihn als über den Dingen schwebenden Geist gespürt zu haben. Physisch anwesend war er anders als sein Nockherberg-Double dagegen nicht, weil die Fraktion der Partei den Vortritt lassen wollte. Udes Selbstausrufung zum Kandidaten ging während der Sommerpause so schnell über die Bühne, dass die Parteigremien noch gar nicht tätig werden konnten.

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