Ein Kommentar von Katja Auer

Fast hätten sich die Wege von Ex-Finanzminister Huber und Freie-Wähler-Abgeordneter Gabriele Pauli auf wundersame Weise gekreuzt. So bleiben nur die Gedankenspiele.

Das Leben, gerade das politische, hält manchmal wunderliche Wendungen bereit. Es führt Lebenswege zusammen und wieder auseinander.

Gabriele Pauli; Seyboldtpress

Fast hätte Gabriele Pauli im bayerischen Innenausschuss einen ehemaligen Parteikollegen als Stellvertreter bekommen: ... (© Foto: Seyboldtpress)

Anzeige

Günther Beckstein und Gabriele Pauli beispielsweise, so war beim CSU-Parteitag vor zwei Jahren zu erfahren, "haben eine gemeinsame Geschichte". Eine alte Geschichte freilich, oft erzählt, von der ehemaligen Fürther Landrätin, die den großen Edmund Stoiber stürzen half und danach von dessen Nachfolgern nicht mehr gebraucht wurde.

Nun sitzt die einstige CSU-Rebellin für die Freien Wähler im Landtag und dort kreuzt sie nun gelegentlich den Weg von Erwin Huber. Und beinahe hätte sie ihn durchkreuzt.

Denn Hubers Karriere verläuft momentan geradezu serpentinenartig. Eben noch CSU-Chef und Finanzminister, versucht Huber jetzt, seinem politischen Wirken als einfacher Landtagsabgeordneter neuen Schwung zu verleihen.

Er bewarb sich um den Posten des wirtschaftspolitischen Sprechers seiner Fraktion. Das gelang, wenn auch knapp. Doch erst seit gestern Abend steht fest, dass es tatsächlich eine neue Mini-Karriere für Huber geben wird.

Der CSU-Fraktionsvorstand stimmte mit 16 zu neun Stimmen ab, heute Mittag auf den Wirtschaftsausschuss zuzugreifen und damit Huber zum Ausschusschef zu machen. Das war längst nicht ausgemacht, einige Abgeordneten hätten doch lieber einen CSU-Mann an der Spitze des Innenausschusses gehabt.

Beides auf einmal geht in Zeiten eines Fünf-Parteien-Parlamentes nicht mehr. Dann hätte Hubers politischer Weg erneut eine abrupte Wendung genommen und ihn direkt in die Obhut von Gabriele Pauli getrieben. Denn täte es die CSU nicht, hätten die Freien Wähler Wirtschaft gewählt. Und Huber wäre Paulis Stellvertreter geworden.

Weil ihm das seine Fraktion nun erspart hat, bleiben nur die Gedankenspiele. Von Pauli, die mit ihrer Politik die Menschen glücklich machen will, und Huber an ihrer Seite, von dem überliefert ist, dass er den Teich gleich mit den Fröschen trockenlegen möchte.

Jetzt muss sich wohl Christian Meißner, der innenpolitische Sprecher der CSU, mit Pauli arrangieren. Seinen Weg hat Gabi Pauli bisher nicht gekreuzt.

Leser empfehlen 

(SZ vom 26.11.2008/cag)