Kuckuck im Tschad Käpt'n Kuck gibt Rätsel auf

Der SZ-Kuckuck lässt es sich im Süden gutgehen.

(Foto: Hans-Jochen Fünfstück / LBV-Arch)

Es ist einfach zu schön im Südosten des Tschads. Seit zehn Wochen streift der SZ-Kuckuck nun in dem Landstrich in Afrika umher. Dabei sollte er eigentlich längst auf dem Weg ins Winterquartier sein - hat Käpt'n Kuck seinen inneren Kompass verloren?

Von Christian Sebald

Auf Kucki ist Verlass. Das oberpfälzische Kuckucksweibchen sendet dieser Tage munter aus dem Kongo, genau gesagt aus den tropischen Regenwäldern im Grenzgebiet zwischen der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo. Erst am Wochenende hat der winzige Satellitensender auf dem Rücken des 120 Gramm leichten Vogels wieder Signale an die Zentrale des Vogelschutzbunds LBV im mittelfränkischen Hilpoltstein übermittelt. "Kucki hält sich ungefähr 250 Kilometer nördlich von Brazzaville auf", sagt Markus Erlwein vom Kuckuck-Forschungsprojekt des LBV. "Sie liegt exakt in ihrem Zeitplan."

Auch 2013 sendete Kucki um den 25. September herum aus dem Kongo, am 2. Oktober traf sie in ihrem Winterquartier in Nordangola ein. "Ihren damaligen Ankunftstermin könnte Kucki dieses Jahr gut toppen", sagt Erlwein. "Sie hat nur noch 500 Kilometer Flugstrecke vor sich und es ist gut eine Woche hin bis zum 2. Oktober."

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Aus Käpt'n Kuck wird Erlwein dagegen nicht recht schlau. Der SZ-Kuckuck, der wie Kucki in den Donau-Auen nahe Regensburg daheim und in der zweiten Junihälfte zum großen Flug nach Afrika aufgebrochen ist, streift seit zehn Wochen im Südosten des Tschads umher - mal in dem riesiggroßen Vogelschutzgebiet "Plaines d'indonation des Bahr Aouk et Salamat", mal in den Ausläufern der Sahelzone. Für eine Stärkungspause nach dem 2250 Kilometer langen und extrem Kräfte zehrenden Non-Stopp-Flug über die Sahara hinweg, den der SZ-Kuckuck zuvor hinter sich gebracht hatte, ist das viel zu lange. "Käpt'n Kuck ist längst wieder fit", sagt Erlwein. "An der Kraft liegt es nicht, dass er sich noch nicht aufgemacht hat in sein Winterquartier südlich des Äquators." Jedes Mal wenn Käpt'n Kuck Anstalten macht, endlich weiterzufliegen, denkt Erlwein, "jetzt packt er es, jetzt startet er durch zur letzten großen Etappe." Über den Äquator hinweg bis in den Kongo zu Kucki sind es noch 1500 Kilometer Luftlinie.

Doch bisher wurde Erlwein stets enttäuscht. Käpt'n Kuck dreht immer nur mehr oder weniger große Schleifen, er macht Abstecher nach hierhin und dorthin und wendet sich ab und an sogar gen Norden, so dass man meinen könnte, er habe den inneren Kompass verloren. Die Erklärung für Käpt'n Kucks Flugfaulheit dürfte freilich einfach sein. "Die Plaines sind ein Vogelparadies", sagt Erlwein. "Mit ihren vielen Flüssen, Tümpeln, Teichen und Auwäldern ist die extrem dünn besiedelte Region eines der größten Überwinterungsgebiete aller möglichen europäischen Arten, für Störche und Schwalben etwa, aber auch für Pirole und Rohrsänger." Natürlich sind die Plaines auch für Kuckucke attraktiv. Zumal dort noch Regenzeit herrscht und das Angebot an fetten Raupen - der Kuckuck-Lieblingsspeise - üppig ist.

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Nicht nur Käpt'n Kuck will nicht von der Region lassen. Auch englische Kuckucke tummeln sich dort seit Wochen herum. "Unsere britischen Kollegen haben ein ähnliches Forschungsprojekt wie wir laufen", berichtet Erlwein. "Sechs Kuckucke, denen sie Sender auf den Rücken geschnallt haben, halten sich zurzeit in den Plaines auf. Keiner denkt an den Weiterflug." Gleichwohl ist sich Erlwein sicher, dass Käpt'n Kuck den Äquator noch überwindet. Der Grund: "Der Winterflug ist ihm samt Ziel einprogrammiert", sagt er. "Und das liegt nun mal südlich des Äquators. Wir müssen nur Geduld haben."

Auch bei Franz will Erlwein unbedingt Geduld haben. Franz ist das Kuckucksmännchen, das zur Überraschung von Erlwein von den Regensburger Donau-Auen an die südfranzösische Riviera geflogen ist und sich in der Region von Narbonne getummelt hat. Seit Ende Juli ist der Kontakt abgerissen. "Zwar haben wir es auch 2013 erlebt, dass mal ein Kuckuck wochenlang offline war", sagt Erlwein. "Aber die Sendepause von Franz ist extrem lang." Erlweins Befürchtung: Franz könnte abgeschossen worden sein. "Die Vogeljagd ist in Südfrankreich nach wie vor ein Volkssport", sagt Erlwein. "Da gibt es viele Jäger, die wollen die Vögel gar nicht im Kochtopf haben, die holen sie aus Spaß an der Freud vom Himmel."