Kritik von Naturschützern Gemeinderat erlaubt Luxushotels am Königssee

Zwei riesige Luxushotels sollen am Ufer des Königssees gebaut werden, das hat der Gemeinderat von Schönau nun gebilligt. Naturschützer und Heimatpfleger halten das für verantwortungslos und fürchten, dass der Königssee Touristenziel "dramatisch entwertet" wird.

Von Heiner Effern

Trotz Widerständen von Naturschützern und Heimatpflegern hat der Gemeinderat von Schönau am Königssee im Berchtesgadener Land die Pläne für zwei Luxushotels am Seeufer abgesegnet. Mit deutlicher Mehrheit stimmte das Gremium am Dienstagabend für die beiden Projekte im hohen zweistelligen Millionenbereich, wie eine Gemeindesprecherin am Mittwoch bestätigte. Nahe den Anlegestellen der Ausflugsschiffe wollen zwei Investoren - ein einheimischer und ein Schweizer Unternehmer - Hotels und Appartements mit zusammen etwa 500 Gästebetten bauen.

Während Bürgermeister Stefan Kurz (CSU) die Neuansiedlung befürwortet, befürchtet der Bayerische Landesverein für Heimatpflege eine Verschandelung der Landschaft. "Zu groß, zu hoch, zu dicht und viel zu rigoros", sagte der Vorsitzende Martin Wölzmüller. Wenn es nach den Denkmalschützern geht, müssten die Schönauer ihre Pläne vor allem zurückentwickeln. Das Ufer des Königssees sei mit der jetzigen Bebauung schon arg in Mitleidenschaft gezogen, doch "droht es nun vollends unter dem Hammer eines Projekts zerbröselt zu werden, das alle baukulturell, landschaftlich und städtebaulich notwendigen Rücksichten ignoriert", sagt Wölzmüller. Es bestehe die Gefahr, dass der Königssee als Naturschauspiel und Touristenziel "dramatisch entwertet" werde.

Auch die von der Kommune engagierte Stadtplanerin Claudia Schreiber äußerte sich kritisch. "Ich kann das nicht verantworten", sagte sie dem Blatt zur Dimension der bis zu sechsgeschossigen Gebäude. Sie forderte, dem Drängen der Investoren nicht nachzugeben und sich Zeit für eine gründliche Planung zu nehmen.

Schönau ist der Ausgangspunkt für Rundfahrten auf dem Königssee mit den Booten der staatlichen Seenschifffahrt. An sonnigen Sommertagen kommen bis zu 4000 Besucher nur dafür in den Ort. Für die Feriengemeinde bedeutet das Projekt riesige Umwälzungen. Die zwei Investoren werden dem kleinen Ort am Königssee ein neues Gesicht geben.

Zwei Investoren die alles verändern

Zum einen die N&F Königssee AG, hinter der der Schweizer Projektentwickler Klauspeter Nüesch steht. Sie will für etwa 50 Millionen Euro das sogenannte Parkhotel, drei Appartementgebäude und dazu noch zwei Geschäftshäuser bauen. Das 4-Sterne-Plus-Haus soll 140 Zimmer, ein Restaurant und einen Wellnessbereich umfassen. Letztere sollen auch die Gäste der etwa 30 Appartements mitnutzen können.

Den Grund dafür kauft die Gesellschaft von der Familie Größwang, die seit fünf Generationen am Königssee ein Hotel betreibt. Inhaber Josef Größwang wiederum will mit dem Erlös das eigene Haus, das Hotel Königssee, mit einem Neubau um etwa 60 Zimmer erweitern und ebenfalls auf ein 4-Sterne-Plus-Level anheben.

Beide Projekte waren erst kürzlich im Gemeinderat. Da fiel die Planung der N&F Königssee AG knapp durch, der Einheimische Größwang fand eine knappe Mehrheit. Das hatte kurzzeitig beide Vorhaben blockiert: Denn hätte die Gesellschaft mit Schweizer Hintergrund nicht bauen können, wäre auch die Option auf die Grundstücke nicht eingelöst worden und damit hätte Hotel-Chef Josef Größwang das Geld gefehlt, um seine Pläne umzusetzen.

Die N&F Königssee AG habe daraufhin "einige Aufgaben formuliert bekommen", wie der Projekt-Verantwortliche Florian Jennewein sagte - offenbar wurden diese Aufgaben aus Sicht des Gemeinderates zufriedenstellend abgearbeitet. An der Kritik seitens der Heimatpfleger und Natürschützer ändert das wohl erstmal nichts.