Stundenlange Krisensitzung in München: Ein rascher Rücktritt von Parteichef Erwin Huber zeichnet sich ab. Der Bezirk Oberbayern pocht indes darauf, dass auch Regierungschef Beckstein geht.
Nach dem Wahldebakel der CSU zeichnet sich ein rascher Rücktritt von Parteichef Erwin Huber ab. Das Schicksal von Ministerpräsident Günther Beckstein war vor einem Krisentreffen der CSU-Spitze noch ungewiss. Für den 25. Oktober ist ein Sonderparteitag geplant.
Ein Schatten ihrer selbst: Parteichef Huber und Ministerpräsident Beckstein erklärten nach einer mehrstündigen Vorstandssitzung, sie würden nicht an ihren Ämtern kleben. (© Foto: ddp)
Anzeige
Nach stundenlangen Gremiensitzungen während des Tages kam eine Runde führender CSU-Politiker am Abend zu einer Krisensitzung in der Parteizentrale zusammen. Die Teilnehmer vereinbarten nach dem Treffen Stillschweigen. Es sei "über viele Szenarien gesprochen" woden, hieß es lediglich.
Huber, so war weiter zu erfahren, will an diesem Dienstagmorgen eine Erklärung abgeben. Was mit Beckstein passiert, blieb unklar. Vor allem der stärkste CSU-Bezirksverband Oberbayern, der bei der Wahl besonders schwere Verluste erlitten hatte, pocht darauf, dass auch Beckstein gehen müsse.
Sowohl Huber als auch Beckstein hatten in der CSU-Vorstandssitzung am Vormittag erstmals die Bereitschaft zum Rückzug angedeutet. Beide erklärten, nicht an ihren Ämter zu kleben, wollten jedoch zunächst weitermachen. Huber sagte, es könne jetzt "keine Flucht aus der Verantwortung" geben.
Für den 25. Oktober wurde ein Sonderparteitag beschlossen. Damit wurden die formalen Voraussetzungen geschaffen, um einen neuen Parteivorsitzenden zu wählen. Huber betonte jedoch nach der Vorstandssitzung, auch über den Ministerpräsidenten solle dort entschieden werden.
Huber und Beckstein legten ihr Schicksal damit praktisch in die Hände der Partei. Bis zum Krisentreffen am Abend überschlugen sich die Ereignisse. "Es wird wahrscheinlich eine finale Lösung geben", sagte einer der Teilnehmer der Runde zur Süddeutschen Zeitung. Ein anderer führender CSU-Politiker sagte nach der Vorstandssitzung am Nachmittag: "Da kommt ein zweiter Tsunami."
Bereits am frühen Vormittag hatten sowohl die Oberbayern als auch der Münchner Bezirksverband auf einen Austausch der gesamten Führungsspitze gedrängt, der auch den Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Georg Schmid, einschließt. Die Oberbayern wollen, dass Parteivize Horst Seehofer sowohl Parteichef als auch Ministerpräsident wird. Es sollen bereits mehrere Abgeordnete damit gedroht haben, Beckstein nicht zu wählen, falls er als Ministerpräsident nochmals antritt.
Es gibt jedoch auch ein zweites Lager, das Huber und mit ihm seine glücklose Generalsekretärin Christine Haderthauer zwar opfern, Beckstein jedoch zunächst im Amt halten will, weil sich für ihn keine Alternative aufdrängt.
"Edmund, wo war dein Beitrag?"
Die Stimmung in der CSU-Vorstandssitzung wurde von Teilnehmern als "gespenstisch" beschrieben. Offenbar gab es die Erwartung, dass vor allem Huber und seine Generalsekretärin von sich aus den Weg freimachen. Huber habe jedoch erklärt, er wolle ein "geordnetes Verfahren".
In der Sitzung ging es dann offenbar wild hin und her. Der Münchner Abgeordnete Ludwig Spaenle forderte nach Angaben von Teilnehmern Generalsekretärin Haderthauer zum Rücktritt auf. Diese verteidigte nochmals ihre umstrittene Wahlkampagne, stieß damit aber auf eisiges Schweigen.
Dafür wurde Fraktionschef Schmid ausgebuht, als er behauptete, das Thema Rauchverbot habe bei den CSU-Verlusten keine Rolle gespielt. Der Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken griff Ex-Partei- und Regierungschef Edmund Stoiber frontal an, nachdem der sich zum zweiten Mal zu Wort gemeldet hatte.
"Edmund, darf ich fragen, wo dein Beitrag im Wahlkampf war?", soll Hinsken gesagt haben. Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, habe die Spitze zum Handeln aufgefordert, "ehe es die Basis tut."
Als Indiz für den Autoritätsverfall von Huber und Beckstein wurde auch die Einrichtung eines vier Mitglieder zählenden Gremiums zur Sondierung der anstehenden Koalitionsgespräche gewertet. Ihm wird neben Huber, Beckstein und Fraktionschef Georg Schmid auch Parteivize Seehofer angehören. Seehofer ist damit bis zum Sonderparteitag in alle Operationen eingebunden.
- Thema
- Landtagswahl RSS
- Die CSU nach dem Wahldebakel "Wir wollen kein Bauernopfer" 07.10.2008
- CSU: Nach dem Wahldebakel Servus - Ende eines Führungstrios 29.09.2008
- Ticker-Nachlese Herbst, Hagel, CSU 29.09.2008
- CSU Pleiten und Pannen in der CSU 31.03.2008
- CSU in Oberbayern Herzkammer-Flimmern 29.09.2008
- Die neue Linke-Fraktion in NRW Die Spitze des Wahnsinns 14.05.2010
- Politik kompakt US-Senat entwirft Klimaschutzgesetz 13.05.2010
(SZ vom 30.09.2008/hai)
Die neueste Antwort
jetzt bion ich gespannt wie dieser Knoten dort zerschalgen wird. Hoffentlich geht diese
CSU nicht weiter nach rechts, denn gar nicht weit von von München, haben die Zwockel,
eine gefährliche Mischung gewählt. Schon einmal kam aus Östereich über Bayern ,das Unheil über Deutschland.
... es wir vieles an personellem Neubeginn mit Horst Seehofer starten. U.a. weil er für Oberbayern und das S in der CSU steht. Selbst Charisma ist da.
Aber die Wahlergebnisse haben auch gezeigt, daß der bayr. Wähler durchaus nachdenken kann. Dann hat aber Seehofer bis zur nächsten Wahl nicht soviel Zeit, zu erklären, daß er sein Ministeramt in der großen Koalition sowieso nie verstanden hat.
Schreit der Bauer ist er für die Landwirtschaft zuständig, schreit der Bürger über den Butter-/Milchpreis ist für den Verbraucherschutz zuständig. Wird der Borkenkäfer zum Problem, sind es die Tschechen oder Ossis. Will die EU Lebensmittel wegen Fett/Zucker kennzeichnen, ist er für die Industrie.
Klare Meinung und vor allem Machen war noch nie sein Ding. Vielleicht außerhäusig, aber dann kriegt er die katholischen Landfrauen nicht zurück zur CSU.
Ja, wen haben wir denn als Politiker? Als Maget versus Beckstein im TV auftraten, da dachte ich: wie passen diese Paniktypen und dieses tolle Land zusammen? Wir brauchen andere Formen politischer Rekrutierung - Hopp oder so Leute, die schon was geleistet haben und nicht nur Ortsvereinswürstchen gegrillt haben...
Dass Erwin Huber als CSU-Vorsitzender demnächst abgesetzt wird, kann man der Partei noch zutrauen. Hoffentlich sagt sie nach "A" auch gleich "B" und verschont das bayerische Volk künftig auch vor einer weiteren Ministeramtszeit Huber's, egal in welchem Ministerium.
Dieser Mann ist der bei weitem überschätzteste Politiker Deutschlands. Selbst im Gemeinderat in Reisbach gibt es noch bessere Leute.
Welch ein einmaliges Trauerspiel.
Der große Meister, dem die Traute in Berlin ausging, nachdem sich sein vermeintlich lautes Löwen-Gebrüll als seichtes Säuseln eines Abendwindes herausgstellt hatte.
In der Folge das Pannen-Duo, mit einer Generalsekretärin, die als Sekretärin vielleicht gut einsatzbar wäre. Fröhlich geistern sie durch die bayerischen Lande. Nur: erschrecken ist nicht mehr drin. Ihre Entzauberung und Demaskierung ist längst erfolgt, durch den Wähler. Nur, sie merken es noch nicht.
Sie spielen weiter das Vogel Strauß-Spiel. Skrupellos, schamlos. Die politischen "Leistungsträger".
Paging