Das Krisen-Bistum Augsburg ein Jahr nach der Prügel-Affäre um Bischof Walter Mixa: Sein Nachfolger Konrad Zdarsa kämpft gegen Altlasten und löst Ärger aus.
Vor einem Jahr wurde das Bistum Augsburg von der Prügel-Affäre um Bischof Walter Mixa erschüttert. Ehemalige Heimkinder aus Schrobenhausen warfen ihm vor, er habe sie in den 1970er Jahren als Stadtpfarrer mehrmals brutal geschlagen. Mixa stritt zunächst alles ab und drohte mit rechtlichen Schritten. Später räumte er "die eine oder andere Watschn" ein.
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Bischof Konrad Zdarsa hatte einen guten Start in seiner neuen Diözese. Doch sein harscher Hirtenbrief eckte bei vielen Gläubigen und Pfarrern an. (© dapd)
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Ende April bot er schließlich seinen Rücktritt an. Der Papst willigte ein und ernannte Konrad Zdarsa zum neuen Bischof von Augsburg. Dieser begann sogleich, das Bistum nach seinen Vorstellungen umzubauen. Einige Schritte stießen dabei auf Zustimmung - andere riefen heftigen Widerspruch hervor. Von seinem jüngsten Hirtenbrief fühlen sich viele engagierte Katholiken sogar vor den Kopf gestoßen und schrieben Protestbriefe an Zdarsa. Reißt der neue Mann, der als Versöhner kam, neue Wunden auf, noch bevor die alten verheilt sind? Wie geht es den 1,4 Millionen katholischen Gläubigen ein Jahr nach dem Beginn der schlimmsten Krise, die die Diözese je erlebt hat?
Zdarsa sendet erste Signale
Bischof Zdarsa wurde im Oktober überaus herzlich in Augsburg empfangen, seine bescheidene und offene Art kam sehr gut an, er wurde mit dem Händeschütteln nicht mehr fertig. Nach seinem Amtsantritt räumte er überraschend schnell und gründlich auf: Er entmachtete Mixas umstrittenen ehemaligen Sprecher und Berater Dirk Hermann Voß als Geschäftsführer des bistumseigenen Sankt-Ulrich-Verlags. Diese Distanzierung von Mixas Denkschule wurde allenthalben als Erleichterung aufgenommen - als Neuanfang, der helfen sollte, die vielfach zitierten Gräben im Bistum zuzuschütten.
Doch dann traf Zdarsa auch Personalentscheidungen, die auf Unverständnis stießen: So berief er Gerda Riedl zur Hauptabteilungsleiterin für Grundsatzfragen. Die Dogmatik-Professorin gilt als Vertraute Mixas, dieser hatte kurz vor seinem Rücktritt noch versucht, sie an allen Gremien vorbei an der Spitze der Abteilung Schulischer Religionsunterricht zu installieren. Erst nach offenem Protest der Lehrer verzichtete Riedl auf die Stelle. Jetzt hat Zdarsa ihr die Verantwortung für Glaube, Hochschule und Gottesdienst übertragen - und die Geistlichen fragen sich: Warum hat er diese Altlast in die Diözese zurückgeholt? In jedem Fall scheint diese Personalie viele Gräben wieder aufgerissen zu haben.
Der Verlag wird entschlackt
Die neuen Geschäftsführer Bert Stegmann und Hans Wendtner prüfen derzeit das umfangreiche Beteiligungs-Portfolio des Sankt-Ulrich-Verlages. Mit konkreten Änderungen halten sie sich noch zurück, doch immerhin eines ist bereits sicher: Sie beenden die Beteiligung am Verlag der Paneuropa-Union. Der geschasste SUV-Geschäftsführer Voß ist Landesvorsitzender dieser erzkonservativen politischen Organisation und hatte deren Zeitschrift stets mit üppigen mehrseitigen Anzeigen auf Kosten der Kirchensteuerzahler bedacht. Auch das ist jetzt vorbei. Nach dem Weggang von Voß hat das Erzbistum Berlin seine Kündigung der Zusammenarbeit mit dem SUV zurückgenommen. Das heißt, die Katholische Sonntagszeitung wird auch künftig gemeinsam produziert werden.
Die Dorfpfarrer verschwinden
12000 Austritte musste die Diözese Augsburg im Jahr 2010 verkraften, das waren 73 Prozent mehr als 2009. Dieser Exodus ist inzwischen zwar gestoppt, dennoch stehen den Geistlichen und den Gläubigen - völlig unabhängig von der Mixa-Affäre - schwere Zeiten bevor: Die Diözese plant, in den nächsten 15 Jahren die ehemals 1000 eigenständigen Pfarreien in 200 Seelsorge-Einheiten zu bündeln. Grund für diesen Einschnitt: Derzeit hat das Bistum 366 Priester, 2015 werden es nur noch 200 sein. Und dies ist sogar eine "durchaus optimistische Planung", betont Generalvikar Karlheinz Knebel. Eine Lokalzeitung stellte bereits betroffen wie treffend fest: "Den Dorfpfarrer gibt es bald nicht mehr." Dieser Prozess löst an der Basis große Unruhe aus, zum Beispiel in Neuburg/Donau. Dort erfuhren die Menschen aus der Zeitung, dass zwei Pfarreien zusammengelegt werden. "So geht man mit seinen Gläubigen nicht um", schallte es den Emissären des Bischofs entgegen.
Laien schreiben Protestbriefe
Während Zdarsa bei seinen ersten öffentlichen Auftritten stets freundlich und zuvorkommend auftrat, schlägt er in seinem Hirtenbrief ganz andere Töne an. "Dabei möchte ich nicht unterschlagen", schreibt er da, "dass die Rede nach Art des Guten Hirten auch das richtungsweisende, notfalls gebietende Wort kennt." Dann stellt er klar: "Die Teilnahme an einer Wort-Gottes-Feier kann dort nicht als Erfüllung der Sonntagspflicht angesehen werden, wo unter zumutbarem Einsatz die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier möglich ist." Diese Passage birgt Sprengkraft, wie Pfarrer Hans Fischer aus Diedorf bei Augsburg sagt: "Viele engagierte Gläubige empfanden diesen Hirtenbrief als Schlag ins Gesicht." Fischer meint damit jene Ehrenamtlichen, die sich ausbilden ließen, um Wort-Gottes-Feiern abhalten zu können. Und jetzt will Zdarsa die Bedeutung solcher Feiern klein reden - und fordert von den Menschen, auch weitere Wege in Kauf zu nehmen, um eine Eucharistie-Feier zu besuchen. Dabei verlangt er von seinen Schäfchen bedingungslose Unterstützung: "Am wichtigsten ist, dass die Gläubigen bereit sind, in den Zug einzusteigen und in die vorgegebene Richtung mitzufahren."
Pfarrer Fischer kritisiert diesen Satz vehement: "So kann man mit mündigen Christen nicht umgehen - vor allem, wenn dieser Zug an die Wand fährt." Er prophezeit, dass die Leute in Schwaben eben nicht weitere Weg in Kauf nehmen werden. Fischer: "Ohne Wort-Gottes-Feiern werden die Kirchen noch leerer." Er berichtet von zahlreichen Protestbriefen an den Bischof. Bistumssprecher Markus Kremser bestätigt, dass Zdarsa "viele Zuschriften" erreicht hätten. Darunter seien "sowohl positive als auch kritische" gewesen.
Kinderheim leidet bis heute
Eines der ehemaligen Opfer Mixas befindet sich seit der Affäre in psychiatrischer Behandlung, um die traumatischen Erfahrungen aus dem Kinderheim aufzuarbeiten. Walter Mixa hat weder seine juristischen Drohungen wahr gemacht noch sich direkt entschuldigt. Dennoch sagen alle Betroffenen, ihnen gehe es jetzt viel besser als vor einem Jahr. "Ich habe keine Albträume mehr, es gibt doch noch eine Gerechtigkeit", sagt eine Frau aus Augsburg. Seit Mixas Rücktritt danke sie Gott, dass das dunkle Kapitel der Demütigung durch eine vermeintliche Respektperson "für mich endlich abgeschlossen" ist.
Andere leiden dagegen immer noch - obwohl sie nicht direkt von der Affäre betroffen waren: Die Kinder, die heute im Kinderheim Schrobenhausen leben. "Wir haben immer noch mit den Scherben zu tun", sagt Leiter Herbert Reim, der lange nach Mixas Schlägen sein Amt übernahm. Das Heim betreut 100 Kinder, viele wurden von ihren Eltern misshandelt, gedemütigt, vernachlässigt. Im Zuge der Affäre wurden zwei Klosterschwestern suspendiert, weil sie wie Mixa Kinder geschlagen hatten. Andererseits waren sie für viele Kinder die einzigen Bezugspersonen, die Tag und Nacht für sie da waren. Dieser plötzliche Verlust war für viele alles andere als einfach.
Mixa predigt wieder
Am 25. April wird Walter Mixa 70 Jahre alt. Viele Menschen setzen sich in diesem Alter zur Ruhe und genießen ihren Lebensabend. Mixa dagegen drängt weiterhin massiv in die Öffentlichkeit: Die geplante Vortragsreihe mit einem ehemaligen Personenschützer wurde nach einem Aufschrei der Öffentlichkeit wieder abgeblasen. Doch Mixa tritt wieder selbstbewusst in der Kirche auf. Im Februar zelebrierte er im Bamberger Dom die Messe neben dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke mit. Andere Gottesdienste hat er alleine gehalten.
Der Donaukurier zitiert einen Mann aus Schrobenhausen, der einst Ministrant unter Mixa war: "Wie kann man den Mann nur mitzelebrieren lassen? Das ist schlecht, schlecht, schlecht." Der Mann fragt: "Soll hier hoppladihopp über die Sache hinweg gegangen werden? Warum reagiert die Deutsche Bischofskonferenz nicht?" Im Mai 2010 stellten Hunderte Geistliche und Gläubige in der "Augsburger Pfingsterklärung" folgende Frage an die Kirche: "Wie konnte es dazu kommen, dass Dr. Walter Mixa trotz der Warnungen vieler Verantwortungsträger Bischof geworden ist?" Eine Antwort haben sie bis heute nicht erhalten.
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(SZ vom 01.04.2011/sonn)
Die neueste Antwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist sehr bedauerlich, dass Sie nicht nur in der „causa Mixa“ nachtreten, sondern auch dem unbescholtenen Ex-Geschäftsführer des Augsburger St. Ulrich-Verlages, Herrn Dirk Hermann-Voß, völlig unberechtigte Vorwürfe machen.
Es mag sein, dass Voß sich als Pressesprecher von Bischof Mixa unklug verhalten hat; daraus wurden jedoch bereits die Konsequenzen gezogen, als er von dieser Aufgabe entbunden wurde. Sein unbestrittenes Verdienst aber bleibt es, einen diözesanen Kleinverlag zu einem der größten und wichtigsten katholischen Medienunternehmen des deutschen Sprachraums ausgebaut zu haben. Was spricht dagegen, dass er sich auch politisch für ein christliches Europa engagiert? Und warum sollte der Verlag nicht in der Zeitschrift der Paneuropa-Union werben, wenn er dort eine seiner Zielgruppen, also potenzielle Leser, erreicht?
Gerade das war, was ich als Autor des St. Ulrich-Verlages an Voß schätzte: Dass bei ihm das „Gesamtpaket“ stimmte, dass Verleger und Verlag ein klares, katholisches Profil hatten, statt dem Zeitgeist, Relativismus und Kommerz, zu frönen. Durch seinen Weggang haben wir eine große, dezidiert katholische Verlegerpersönlichkeit verloren, die immer für Glaubwürdigkeit in der kirchlichen Medienarbeit stand.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Hesemann
Historiker und Autor
Also alles beim Alten im Bistum Augsburg. Die römisch-katholische Kirche will keine Änderungen, abgesehen von ein paar Lippenbekenntnissen belässt man doch die Strukturen. Interessant finde ich die Verfilzung mit der ultrakonservativen Paneuropa-Union.
journalistischer_ethos schreibt
"Die Leute, die heute den Priestermangel beklagen, (...)"
dass sich geeignetes Personal nicht in ausreichendem Maße rekrutieren lässt, liegt vielleicht doch am Geschäftsmodell ..
Zdarsa kämpft gegen Altlasten und löst Ärger aus. Na und?
Ich bin Bischof Konrad Zdarsa dankbar für sein klares, unmissverständliches Bekenntnis zur Eucharistiefeier. Die Kirche braucht Klartext. Weichspüler gibt es genug.
Dass er dabei Ärger auslöst ist überhaupt nicht negativ zu bewerten.
Im Gegenteil. Es beweist, dass seine Worte von einer tiefen Glaubenserkenntnis geprägt sind.
Das Bistum Augsburg darf stolz sein auf diesen Bischof!
Legis, es reicht nicht, Sie kleiner Troll... Das können sie doch besser ;-)
DeliverLegis schreibt Katholische und evangelische Kirche:
Kreuzzug: -- die PROTESTANTEN hatten einen Kreuzzug?! Fachlich falsch.
Christianisierung rund um den Globus: Durch ihre Priester in der gesamten Welt und die spanische und portugisische Armada Millionen ermordet
// Danke für die Blumen, aber die Ermordung geht da schon eher auf die Kosten des Imperialismus - auch wenn es ihnen Oportun erscheint, ist das fachlich falsch
Es grenzt an verunglimpfung hier Priestern die Ermordung von "hunderttausenden" zu unterstellen. Erfüllt dies "üble Nachrede" Ihrerseits bereits einen Strafbestand?
Inquisition: Hunderttausende ermordet --schlecht recherchiert: Der Inquisiton sind ein paar Millionen zum Opfer gefallen. Hingerichtet hat übrigens meist der Staat, die Inquisitoren waren für die Folter zuständig (Da hätten Sie, wenn Sie sich fachlich mal ernsthaft mit "Kirche" auseinander setzten, tatsächlich etliche Kritik anzubringen)
Und die von der Kirche vertuschten sexuellen und körperlichen Mißbrauchsfälle - die erst durch den Protest der Betroffenen mittels Medien aufgedeckt wurden...! --hier nennen sie tatsächlich eine grund, der als möglicher krichenaustritt getltend gemacht werden kann.
Meine Meinung: Wer heute noch in der Kirche ist, ist selber schuld!
Die Meinung dürfen sie auch gerne so äussern, ist schliesslich ein freies land (auf basis christl. - abendländischer kultur!
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