MISCHLINGS-WELPE TOBT IM SCHNEE

Stiangglanderrass

Kollegin P. hat vor wenigen Tagen in einem feinen Artikel einen Hund von undefinierbarer Abstammung beschrieben. Folgerichtig verwendete sie das Wort "Stiangglanderrass" (Stiegengeländerrasse), mit dem derlei Promenadenmischungen im Bairischen eingeordnet werden. Das Wörterbuch von Ringseis erklärt die Stiangglanderrass als "Hundebastard", sozusagen auf der Stiege (Treppe) entstanden. Vor 30 Jahren hätten die meisten SZ-Redakteure dieses Wort noch gekannt.

Als Kollegin P. ihren Artikel vorlegte, zuckten fast alle Redakteure mit den Schultern. "Stiangglanderrass? Nie gehört!", lauteten die Kommentare, weshalb sie lieber die Formulierung "puscheliges Knäuel" wählte. Frau P. folgte damit den Gesetzen des Sprachwandels, der unheimlich schnell voranschreitet. Die Stiege (Stiang) ist längst vom niederdeutschen Wort Treppe verdrängt worden. Nur in Österreich ist sie noch allgegenwärtig.

Die Wiener Strudlhofstiege gelangte 1951 durch den gleichnamigen Roman von Heimito von Doderer sogar zu literarischem Ruhm.

Bild: DPA

17. Dezember 2012, 13:26 2012-12-17 13:26:00

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