Kratzers WortschatzDie Preißn erobern einen bayerischen Osterbrauch

Eierpecken sagten Altbayern bisher. Doch plötzlich ist von Eiertitschen die Rede.

Eierpecken

Ein beliebter Osterbrauch ist das Eierpecken, das Oarbecka, wie viele Altbayern sagen. Der Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth beschrieb dieses Spiel vor 120 Jahren so: "Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen." Ein Kombattant schlägt also mit der Spitze seines hart gekochtes Eis gegen das Ei seines Gegners. Sieger ist derjenige, dessen Ei zuletzt ohne Bruchstelle bleibt. In der Oberpfalz wird das Spiel "Oierhiartn" genannt. Natürlich ist bei diesem Wettbewerb, der auch in Österreich, im Rheinland und sogar in Russland populär ist, immer wieder getrickst worden. Besonders Schlaue haben ihre Gegner mit unzerbrechlichen Gips- oder Pecheiern getäuscht.

Dass auch das Eierpecken dem Sprachwandel unterliegt, bewies in diesen Tagen der heimatliche Radiosender Bayern 1. Einer seiner Moderatoren stellte den Brauch als Eiertitschen vor. Dieses Wort war bisher überwiegend weit nördlich von Bayern gebräuchlich, aber nicht in jenen Regionen, in denen seit jeher von Oarbecka, Oierhiartn oder Oierstoußn (Oberpfalz) die Rede ist. Nur in einzelnen Gegenden in Österreich ist gelegentlich das Verb tuatschen zu hören.

Bild: dpa 18. April 2017, 14:282017-04-18 14:28:27 © SZ vom 16.01.2017/vewo/bhi