Kratzers WortschatzDer Tod und die Pompfüneberer

Die Bewohner von Bayern und Österreich pflegten seit jeher ein sehr solides Verhältnis zum Tod. Das zeigt schon der Begriff des Pompfüneberers.

Pompfüneberer

Der österreichische Musiker Stefan Leonhardsberger und seine Band verschmelzen in ihren Liedern Geschichten aus den Rändern der Alpenrepublik mit dem treibenden Sound der Südstaaten. Dieses Gemisch nennt sich Austrofolk. Auch der Name der Band passt gut dazu, sie heißt Pompfüneberer. Das Wort klingt noch erhabener, wenn man das deutsche Pendant Bestatter gegenüberstellt, das so kalt und leer wie der Tod ist. Ein Begriff wie Bestatter kann sich nur in einem Land durchsetzen, das kein solides Verhältnis zum Tod hat. Für Bayern und Österreich gilt das nicht, hier übertrumpft vor allem die schöne Leich die Tristesse der Vergänglichkeit.

Pompe funèbre hießen früher die prunkvollen Begräbnisse von Großkopferten und Mächtigen. Als Zelebranten des letzten Erdenwegs dienen in Wien bis heute die Pompfüneberer (Pompfinebrer), die als Angestellte von Bestattungsunternehmen schwarz uniformiert sind, einst aber prunkvoll livriert waren. Vermutlich entstammt der Begriff einer Verballhornung des Namens des Bestattungsunternehmens "Entreprise des pompes funèbres". Etwas derbere Begrifflichkeiten pflegt man im südlichen Bayern, wo anstelle des Pompfinebrers der Doudnbaggerl (Totenpacker) tätig ist. Dieses Amt erledigten auch Frauen, was Lena Christs Roman "Rumplhanni" belegt: "Unterdessen hat der Hufschmiedpauli seiner Mutter, der alten Totenpackerin von Helfendorf, einen Abschiedsbrief geschrieben." Die Pompfüneberer treten übrigens am Freitag, 18. Mai, im Jakobmayersaal in Dorfen (Landkreis Erding) auf.

Bild: Johannes Simon 9. Mai 2018, 19:182018-05-09 19:18:18 © SZ vom 15.01.2018/vewo