Kratzers WortschatzVon der Fadesse in der Ferne

Den einen wird nur irgendwo in Amerika fad, den anderen sogar in Niederbayern. Deswegen kommen manche bald wieder zurück - und manche suchen auf Dauer das Weite.

Fadesse

Der Musiker Ernst Molden hat neulich im Gespräch mit der SZ bestritten, dass Österreich eher fad sei. "Es ist überhaupt nicht fad", sagte er, in Wien führten die Leute ein relativ weltoffenes Dasein. In dem Wort fad hallt die Grundstimmung der Langeweile, die es ausdrückt, geschmeidig nach. Edel klingt auch das Substantiv Fadesse, das in Österreich gebräuchlich ist. Im Fußball gehe die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf, argumentierte die Zeitung Der Standard, "es droht Fadesse, Bayern München wird immer Meister." Dass einem überall fad werden kann, bestätigte die Schauspielerin Senta Berger (im Bild), nachdem sie aus Amerika zurückgekehrt war. "Dort ist mir fad geworden", sagte sie.

Fadesse killt auch Beziehungen, erst recht, wenn der Mann ein fader Zipf ist und die Frau eine fade Nocken. In der Krimiserie "Schnell ermittelt" sagte ein Kommissar über einen Stenz: "Scheinbar is eahm mit dera a scho wieder fad!" Das Wort fad wurzelt im Französischen (fade=reizlos) und im Lateinischen (fatuus=albern). Und herzergreifend auch in einem Verb, das die Schauspielerin Veronika von Quast im BR-Stammtisch auf die Frage, warum sie keinen Fernseher besitze, serviert hat: "Weil mi 's Fernsehen fadisiert!"

Bild: picture alliance / dpa 15. April 2018, 14:392018-04-15 14:39:54 © SZ vom 15.01.2018/vewo