Krankenkasse Chef von AOK Bayern hört unerwartet auf

Die AOK-Direktion Freising.

(Foto: Lukas Barth)
  • Der Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, Helmut Platzer, hat überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben.
  • Platzer war mehr als 20 Jahre Chef der AOK Bayern, zum 1. März 2018 will er sein Amt niederlegen.
  • Er hatte zuletzt geplant, die Krankenkasse grundlegend umzugestalten und stand deswegen auch in der Kritik.
Von Dietrich Mittler

Bayerns größte Krankenkasse steht an der Spitze vor einer Zäsur. Der Vorstandsvorsitzende Helmut Platzer will nach mehr als 20 Dienstjahren zum 1. März 2018 sein Amt niederlegen. Dies teilte er am Donnerstag in einem internen Schreiben den beiden Vorsitzenden des AOK-Verwaltungsrates sowie der gesamten Belegschaft mit. Platzer sicherte indes zu, "bis zum Tag des Überganges des Amtes die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden vollumfänglich wahrzunehmen".

Damit wolle er sicherstellen, dass keine Lücke in der Führung der Kasse entsteht, die im Freistaat mehr als 4,5 Millionen Mitglieder hat. Noch in diesem Monat soll der Verwaltungsrat in einer Sondersitzung über Helmut Platzers Nachfolge entscheiden. Nach SZ-Recherchen soll eine AOK-interne Lösung gefunden werden, Namen werden bislang nicht genannt.

Platzer wird das Verdienst zugeschrieben, die einst aus 39 einzelnen Ortskrankenkassen entstandene AOK Bayern zu einem wirtschaftlich starken und zugleich sozial orientierten Marktführer aufgebaut zu haben. 1999 hatte er sein Amt vom damaligen AOK-Chef Herbert Schmaus übernommen. Platzers Name füllte Schlagzeilen - insbesondere in jenen Zeiten, als Bayerns Hausärzte aus dem Kassensystem aussteigen wollten.

Auch ist sein Name verbunden mit den Bemühungen, Bestechung und Betrug im Gesundheitswesen einzudämmen. Dass er bereits im März kommenden Jahres aus dem Amt scheiden will, offiziell "aus Altersgründen", kommt selbst für einige Insider überraschend. Zwar hat der 64-Jährige in Gesprächen unter vier Augen auch einfließen lassen, dass er künftig mehr Zeit für seine Familie haben will.

Doch dies dürfte nicht der einzige Grund sein. Unter Platzers Regie sind Pläne ausgereift, die AOK Bayern strukturell grundlegend umzugestalten. So sollen zwar die 250 Geschäftsstellen im Wesentlichen erhalten bleiben, für die 39 lokalen Direktionen als Relikt aus früheren Zeiten gilt dies indes nicht. Die geplante Reform löst in den Reihen des Verwaltungsrates erheblichen Wirbel aus, ja erbitterten Widerstand. Offenbar, so wird aus AOK-Kreisen kolportiert, hofft Platzer darauf, durch seinen etwas früheren Weggang die Fronten aufweichen zu können.

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