Kanzlerin Merkels Erfolg lebt davon, dass sie allzu ehrgeizige Mitstreiter auf Dauer ins Leere laufen lässt. Mit Horst Seehofer ist das schwierig. Er quält sie mit immer neuem Ärger.
Angela Merkel wird wohl nie darüber reden. Aber im Innersten ihres Herzens dürfte sich die Kanzlerin heute massiv über sich selbst ärgern. Ärgern darüber, dass sie Erwin Huber und Günther Beckstein so gar nicht entgegenkam, als die noch in Bayern regierten und sich nach einem kleinen Zugeständnis aus Berlin sehnten.
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Horst Seehofer: Der bayerische Ministerpräsident quält die Kanzlerin mit immer neuem Ärger. (© Foto: Getty Images)
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Deren politisches Ende ist inzwischen bekannt - und Merkels Bundestagswahlkampf wird auch in diesem Jahr ein Abenteuer. Denn diesmal hat sie Horst Seehofer als CSU-Chef an ihrer Seite, wobei "an ihrer Seite" sehr unpassend klingt in diesen Tagen.
Seehofer macht alles, nur nicht das, was Merkel den Wahlkampf erleichtern könnte. Er quält sie mit immer neuem Ärger, und sie muss sich beherrschen, um ihren Erfolg nicht durch einen Konflikt zu gefährden.
Dabei müsste sie längst mit dem Bayern streiten, wollte sie ihre Überzeugungen gegen seine Angriffe verteidigen. Die Verabschiedung eines eigenen CSU-Wahlaufrufs mit einer zeitlichen Festlegung auf Steuersenkungen ist dabei für die CDU-Vorsitzende ebenso ärgerlich wie Seehofers Kurs in der EU-Politik.
Im ersten Fall provoziert Seehofer, obwohl er weiß, dass Merkel sich zum Schutze politischer Glaubwürdigkeit nicht auf einen fixen Zeitpunkt festlegen möchte; im zweiten Fall piesackt er sie, obwohl er weiß, dass die CDU sich als Europapartei nicht auf seinen Kurs einlassen kann, ohne Deutschlands Rolle als Vorbild und Antreiber in der EU aufzugeben.
Merkels Erfolg lebt davon, dass sie allzu ehrgeizige Mitstreiter auf Dauer ins Leere laufen lassen konnte. Diesmal aber könnte ihr dafür die Zeit bis zum 27. September knapp werden. Seehofers Obsession entwickelt sich zu Merkels größter Hypothek im Wahlkampf.
- Streit in der Union Seehofer verärgert Merkel 14.07.2009
- EU-Agrarsubventionen Bayern knickt ein 09.07.2009
- Horst Seehofer wird 60 Die Sphinx von Ingolstadt 04.07.2009
(SZ vom 14.07.2009/bica)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
Wer glaubt denn dieses Affentheater "Streit in der Union" noch. Mittlerweile dürfte wohl der Dümmste erkannt haben, dass die sog. Sticheleien der CSU und von Seehofer in Richtung Berlin und CDU in Wirklichkeit eine groß inszenierte Wahlkampfstrategie der Union ist.
Bis zum Wahltag wird dieses Theater noch viel toller werden.
Und am Abend der Wahl fahren CDU/CSU die Ernte für diese Doppelstrategie, Regierung und Opposition gleichzeitig zu, ein.
Und die SZ beteiligt sich mit ihrer Dauerberichterstattung über den unionsinternen "Schwesterkampf" als wohlfeiler Wahlhelfer der CDU/CSU.
Dümmer geht's nimmer.
Was Sie alles wissen!
Leider kenne ich nicht alle Ergebnisse aller Provinz-Wahlen in Europa, aber wenn Sie recht haben, dann ist das eine tolle Regional-Partei.
In diesem Artikel aber geht es um die Wahlen in ganz Deutschland, und da die CSU sich aus gutem Grund sonst nirgends zur Wahl stellt, laesst sie sich eben nicht so einfach mit dem Rest vergleichen - es sei denn, man rechnet das Ergebnis hoch (wie bei den Europa=Wahlen), aber dann sind die mickerigen 7% auch nicht mehr so toll.
Die Parlamentarierer nicken doch schon seit Jahren ohne Verstand und eigene Meinungen (die wenigen Ausnahmen wie Herr Gauweiler bestätigen die Regel) die Vorgaben ihrer Parteivorsitzenden ab (in Berlin wie in München). Herr Seehofer geht es doch nur darum effektive Politik zu behindern, die Unterstützung der von Haus aufmüpfigen Bayern gegen den Bund ist ihm dabei sicher.
Besser wäre sein politisches Gewicht in eine Reduzierung der deutschen Bundesländer einzubringen.
ist noch sehr viel zuzutrauen. Er hat den Abschwung der CSU gestopt, die CSU hat das beste Wahlergebnis aller Parteien in Europa, die SPD ist abgefieselt, Grüne nicht ernstzunehmende Rumlaberer, die freien Wähler mit Ex-Miss-Penthouse Kader Loth werden immer mehr zur machtgeilen Porno-Partei - es sieht ganz gut aus.
Danke Horst Seehofer!
Die Dreistigkeit der Merkel-Regierung gegenüber dem Parlament ist eine Unverschämtheit. Hat das Bundesverfassungsgericht doch gerade erhebliche Demokratiedefizite am Lissabon-Vertrag angemahnt und erweiterte Mitspracherechte für Bundestag und Bundesrat gefordert. Als Reaktion darauf soll im Schweinsgalopp ein Proformagesetz durchs Parlament gepaukt werden, ohne inhaltlich saubere Gesetzgebung in einer so entscheidenden Frage vorzunehmen.
Jeder Abgeordnete der sich ernst nimmt und nicht bloß als willfähriges Stimmvieh der Regierung begreift, darf sich das nicht bieten lassen. Der FDJ Sekretärin im Kanzleramt sollte vielleicht mal jemand erklären, dass der Deutsche Bundestag nicht die DDR Volkskammer ist.
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