Von Dietrich Mittler

Wer in der Kommunalpolitik Erfolg haben will, der kommt an den örtlichen Vereinen und der Freiwilligen Feuerwehr nicht vorbei.

Die Nebelschwaden, die aus den Ackerböden rund um Unterweilbach im Kreis Dachau aufsteigen, wälzen sich durch den Ort, verschlucken Haus um Haus. Marianne Klaffki, die als SPD-Kandidatin gegen den Dachauer Landrat Hansjörg Christmann (CSU) antritt, muss in der Dunkelheit die letzten Meter zum Feuerwehrhaus über eine nicht asphaltierte Straße zurücklegen.

Ohne die Freiwillige Feuerwehr geht in den Kommunen vor Ort oft nichts. (© Foto: dpa)

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Seit zwölf Stunden ist sie bereits auf Wahlkampftour, hat Wähler an der Haustür über ihre politischen Ziele informiert und könnte jetzt eigentlich gut und gerne Feierabend machen. Doch am Feuerwehrhaus in Unterweilbach kommt vor der Kommunalwahl keine Partei vorbei.

Wer in der Lokalpolitik etwas erreichen will, sollte sich mit den Vereinen gutstellen. Das weiß Klaffki nur zu genau. Im Kreis Dachau läuft das politische Geschäft in Wahlkampfzeiten nicht anders ab als im übrigen Bayern, wo derzeit Lokalpolitiker aller Couleur den 7750 Freiwilligen Feuerwehren und den mehr als 11.800 Sportvereinen ihre Aufwartung machen.

Immerhin haben die Freiwilligen Feuerwehren im Freistaat 320.000 Mitglieder, die Sportvereine sogar mehr als 4,3 Millionen - wertvolle Wählerstimmen. Und nicht nur das: Aus ehrenamtlichen Organisationen rekrutieren die Parteien mit Vorliebe ihren lokalpolitischen Nachwuchs.

"Du, wo is'n dei Babba?"

"Vereine dienen nach wie vor als eine Art Eintrittsbillett für die Übernahme politischer Aufgaben auf lokaler Ebene", sagt Annette Zimmer. Die Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat mit Freia Stallmann und Friedrich Paulsen die engen Verknüpfungen zwischen Vereinswesen und Lokalpolitik untersucht.

"Vereine", so ihr Fazit, "wirken nicht nur als Schule der Demokratie, in denen man das Geschäft der Politik kennenlernt, sondern auch als wesentliche Orte des Erwerbs von Kompetenzen, auf die im politischen Mandat zurückgegriffen werden kann." Vielfach, so stellte Zimmer fest, würden Vereinsengagement und lokalpolitische Tätigkeit in den Familien von einer Generation auf die nächste übertragen.

Da macht Unterweilbach keine Ausnahme. Der Ortsteil der Gemeinde Hebertshausen mag zwar nur gut 150 Einwohner haben, ist aber alles andere als weltfern. Bevor Klaffki den Raum betritt, kündet davon ein Dialog von Tisch zu Tisch. "Du, wo is'n dei Babba?" - "Der is ned dahoam!" - "Wo is er'n?" - "Buenos Aires." - "Buenos Aires?" - "Buenos Aires!" Der Befragte ist Franz Schmidt junior.

Er sitzt wie Marianne Klaffki für die SPD im Gemeinderat von Hebertshausen. Nach seinem Vater hält nun er die Fahne der Sozialdemokratie hoch. "Echte Arbeiteraristokratie", sagt Klaffki. Das Kraftzentrum im Raum sitzt indes eindeutig unter der aus Holz geschnitzten Figur von St. Florian: Ludwig Göttler, der frühere Feuerwehrkommandant von Unterweilbach.

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