Kommentar Für die SPD ist immer noch Luft nach unten

Die Köpfe der Bayern-SPD im Juli 2016: Fraktionschef Markus Rinderspacher (links), Generalsekretärin Natascha Kohnen und Florian Pronold.

(Foto: Daniel Karmann)

In der aktuellen BR-Umfrage steht die SPD in Bayern so schlecht wie nie zuvor da. Aber allem Anschein nach muss die Partei noch tiefer fallen.

Kommentar von Sebastian Beck

Ministerpräsident Markus Söder, Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger, die AfD zweitstärkste Oppositionspartei hinter den Grünen und irgendwo das, was von der SPD noch übrig ist: So könnte nach der Landtagswahl 2018 die Konstellation in Bayern aussehen. Einiges deutet darauf hin, dass sich das politische Spektrum im Freistaat weiter nach rechts verschiebt.

Gerade für die Sozialdemokraten sind die neuen Umfrageergebnisse verheerend. Als sie bei der Landtagswahl 2003 erstmals unter 20 Prozent rutschten, trat ihr Landeschef Wolfgang Hoderlein zurück, im Jahr 2017 wären 19,6 Prozent in Bayern ein sensationell guter Wert für die SPD. Doch inzwischen droht die Partei auch auf Bundesebene unter die 20-Prozent-Marke zu stürzen, und weil sie in Bayern traditionell schwächer ist, bleiben hier 14 Prozent für sie.

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Es wird für die SPD noch weiter nach unten gehen. Denn im Bund setzt sie wahrscheinlich auf Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidaten und damit auf einen Mann, den viele für verbraucht halten. Der Europapolitiker Martin Schulz hätte zumindest einen frischen Ton in die Partei gebracht und Jüngere angesprochen. In Bayern verfügt die SPD schon seit Renate Schmidt nicht mehr über eine Führungsfigur, die charismatisch genug wäre, um sich einem Abwärtstrend im Bund entgegenzustellen.

Das ist tragisch, zumal die Spaltung der Gesellschaft in Sub-Milieus auch im Freistaat unübersehbar ist. Eine starke, selbstbewusste SPD hätte hier ihre politische Aufgabe. Aber allem Anschein nach muss die Partei erst noch tiefer fallen, bevor sich die Wähler und sie selbst ihrer einstigen Bedeutung und Werte erinnern.

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