Koalition aus CSU und FDP Treueschwüre auf der Regierungsbank

Horst Seehofer war für Attacken auf den Koalitionspartner FDP immer gerne zu haben. Doch nun sieht es aus, als sei Bayerns Ministerpräsident der inoffizielle Vorsitzende des Martin-Zeil-Fanclubs. Seehofer nimmt Zeil und seine gebeutelte FDP sogar gegen die eigene Partei in Schutz. Und der sonst so betuliche Zeil wird zur Wahlkampfmaschine.

Von Frank Müller

"Das ist nicht unser Stil." Horst Seehofer ist erkennbar geladen und spricht leise, kühl und vor allem ironiefrei - bei ihm ein besonderes Alarmsignal. Seehofer macht weiter: "Wir haben einen gewissen Stil des Umgangs miteinander, und da gehört so etwas nicht dazu."

Kommt seit Monaten ohne Attacken gegen den Koalitionpartner FDP aus: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (rechts) mit seinem Wirtschaftsminister Martin Zeil.

(Foto: dpa)

So etwas: Das ist jene Form von Eigentor, die der Ministerpräsident einfach nicht mehr sehen will in diesen Vorwahlkampfzeiten. Dass nämlich aus den eigenen Reihen Querschüsse kommen, dass Aktionen der eigenen Leute Seehofers sorgsam ausgeklügelte Koalitionschoreographie durcheinanderbringen.

Es ist die unglückliche Junge Gruppe der CSU-Fraktion, über der sich an diesem Mittwoch der Donner des Chefs entlädt. Die Gruppe von Nachwuchsparlamentariern gilt als Führungsreserve, ihr Sprecher, der Münchner Abgeordnete Markus Blume, ist jetzt Chef der CSU-Wirtschaftskommission und gilt als Mann von dem man noch viel hören wird.

In dieser Woche freilich hätte er besser geschwiegen. Blume hatte ein paar Sätze gesagt, dass er sich von der Wirtschaftspolitik des Freistaats zusätzliche Dynamik und eine Vorwärtsstrategie wünschen würde. Das Problem daran: Er sagte sie unmittelbar im Vorfeld einer für diesen Mittwoch mit großer Akribie von Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) vorbereiteten Regierungserklärung zur wirtschaftlichen Spitzenstellung Bayerns.

Der Eindruck war von Blume vielleicht nicht beabsichtigt, aber dennoch da: Mit ein paar gezielten Nadelstichen wird in der CSU versucht, Zeil die Butter vom Brot zu nehmen, wieder einmal.

Ironischerweise war Seehofer selbst für kleinere und größere Attacken auf seinen Vize Zeil noch vor wenigen Monaten gern zu haben. Doch ein halbes Jahr ist in der bayerischen Politik eine Ewigkeit. Schon seit Wochen ist Seehofer der inoffizielle Vorsitzende des Martin-Zeil-Fanclubs.

Wann immer der gerade Unterstützung braucht, ist Seehofer zur Stelle. Das ging soweit, dass Seehofer gegen den Willen eines großen Teils der eigenen CSU-Fraktion bei einer Kabinettsklausur den Einstieg in das kostenfreie Kindergartenjahr durchsetzte: Weil Zeil und die FDP es so wollten.

So kommt es, dass sich die Seehofer-Schere bei diesem vorletzten Plenumstag vor Weihnachten ganz besonders weit öffnet: Im Saal treibt er seine Parteifreunde von der Jungen Gruppe für jeden sichtbar in eine Ecke im Plenarsaal und pfeift sie zusammen. Deutlich sei er geworden, sagt Seehofer selbst danach, "das kann man sagen".