Die Staatsregierung versammelt sich auf der Zugspitze, um über Maßnahmen für den Klimaschutz zu diskutieren. Dabei könnte der Freistaat selbst mehr für die Umwelt tun und nach Ansicht von Umweltschützern mehr zur CO2-Vermeidung beitragen.
An diesem Dienstag macht die Staatsregierung einen Betriebsausflug auf die Zugspitze, um drei Stunden lang nur über ein Thema zu reden: Was kann Bayern gegen den Klimawandel tun? Alle Ressorts sollten im Vorfeld Vorschläge beisteuern.
Badende Kinder am Starnberger See: Der Freistaat hat selbst noch viele Möglichkeiten, stärker Klimaschutz zu betreiben. (© Foto: dpa)
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"Wir wollen gemeinsam ein Zeichen setzen, dass der Klimaschutz noch mehr ein Handlungsschwerpunkt der Politik in Bayern sein wird", kündigt Ministerpräsident Edmund Stoiber an. In der Vergangenheit war das nicht der Fall, wie nachfolgende Beispiele zeigen.
Und dass Klimaschutz nicht einfach ist und jedem, auch CSU-Politikern, etwas abverlangt, zeigt ein Disput im Vorfeld der Kabinettsklausur.
Wie zu hören ist, hatte Umweltminister Werner Schnappauf vorgeschlagen, alle Teilnehmer sollten gemeinsam mit der Bahn anreisen. Das lehnte die Staatskanzlei ab, so viel Zeichen wollte sie doch nicht setzen. So brausen heute die 18 Kabinettsmitglieder einzeln mit ihren Limousinen zur Zugspitze, die vielen Beamten auch.
Gebäudesanierung
Die thermische Gebäudesanierung ist eine der effizientesten Möglichkeiten der Energieeinsparung, auch für den Freistaat. Denn er besitzt 6000 Gebäude - und sie sind, was den Energieverbrauch betrifft, bei weitem nicht so gut, wie sie sein könnten.
Im Klimaschutzbündnis, das die Staatsregierung im Oktober 2004 mit dem Bund Naturschutz (BN) geschlossen hat, hat sie zwar die thermische Sanierung der staatlichen Gebäude versprochen, bisher hat sie aber keinen Cent dafür in den Staatshaushalt eingestellt. "Das ist ein Trauerspiel", sagt BN-Energiereferent Ludwig Trautmann-Popp. "Zumal sich jeder Euro, den man in eine solche Sanierung steckt, über die Energieeinsparung amortisiert."
Pikant ist auch, dass der Oberste Rechnungshof (ORH) die Energieeinsparung bei den Staatsgebäuden seit mehr als 20 Jahren anmahnt. 1984 schrieb er erstmals in seinem Jahresbericht, dass diese Häuser ,,nur unvollkommen den heutigen Anforderungen an ein energiesparendes Bauen entsprechen''. Doch es tat sich wenig: "Nur vereinzelt" hätten seine Mahnungen zu Maßnahmen geführt, schrieb der ORH 1997. Erst im Februar lehnte die CSU im Landtag einen Antrag der Grünen ab, bis 2015 alle Staatsgebäude energetisch zu sanieren.
Selbst bei Neubauten achtet der Freistaat zu wenig auf Energieeffizienz. 2001 beklagte der ORH, dass bei einem neuen Verwaltungsgebäude die Nordfassade fast komplett verglast wurde. Da im Norden die Sonne nicht scheint, bringt das keine Wärmegewinne, im Gegenteil: Glas isoliert schlechter als andere Materialien - es muss mehr geheizt werden. Darunter litten auch die Beamten: Im Winter waren die Büros an der Nordseite nur 17 Grad warm. Die Ironie der Geschichte: Es handelte sich um das Landesamt für Umwelt in Augsburg.
Bauleitplanung
Seit gut einem Jahr ermöglicht das Bundesbaugesetz Städten und Gemeinden den Erlass klarer Vorgaben für die Energieversorgung von Neubaugebieten. Baden-Württemberg hat die Regelung schon umgesetzt, indem es in Neubaugebieten grundsätzlich Solarenergie vorschreibt. In Bayern ist man davon noch weit entfernt. Hier kann nach wie vor jeder tun, was er will.
"Dabei könnte der Freistaat seine Planungsbehörden jederzeit einfach anweisen, der Neuerung Rechnung zu tragen, und in Neubaugebieten alternative Energien zur Pflicht zu machen", sagt BN-Energiereferent Trautmann-Popp, "und zwar gleich ob es sich um Solarstrom, Biogasanlagen oder hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen handelt."
Förderinstrumente
Wohl nichts zeigt die gespaltene Haltung der Staatsregierung zu regenerativen Energien und zum Energiesparen eindringlicher als ihre Haltung zu verschiedenen Förderinstrumenten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz zum Beispiel, mit dem der Bund Strom aus Fotovoltaik-, Windkaft-, Biogas- und anderen Biomasseanlagen subventioniert, versuchte die Staatsregierung bis zuletzt über den Bundesrat zu kippen. "Das war auch noch zu Zeiten der Fall, als wir bereits unser Klimabündnis mit dem Freistaat geschlossen hatten", sagen BN-Mitglieder.
"Wenn sich die Staatsregierung jetzt immer wieder damit rühmt, dass Bayern Solarweltmeister ist, schmückt sie sich mit fremden Federn. Denn sie hat am allerwenigsten dafür getan." Andererseits erkennt selbst der BN an, dass die Förderung etwa von energetischen Gebäudesanierungen, die der Bund über seine Kreditanstalt für Wiederaufbau anbietet, nicht so üppig ausgefallen wäre, hätten sich nicht Umweltminister Werner Schnappauf und der CSU-Umweltpolitiker und Bundestagsabgeordnete Josef Göppel massiv dafür eingesetzt.
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Die neueste Antwort
Die SZ berichtete detailliert und glaubhaft und das Bild, das sie liefert, ist alles andere als das über Nicht-Schildbürger aus der Kommune Bairisch-Schilda. Dass der Hauptteil der Bevölkerung schildbürgerhaft, ist zweifellos zutreffend (sieht man ja auch täglich im Verkehr). Dass das Urteil auch die Mitglieder der Staatsregierung treffen soll, ist neu. Denn die Mitglieder haben Stil und Geschmack und verkörpern schlicht das edlere Bayern. Und was sie Schlechtes tun, das ist dann notgedrungenermaßen. Keine Bayerische Politik kann selbständig sein inmitten eines Ozean von Interessen aus Übersee und hier. Die Klimakatastrophe ist sollte sie wirklich eintreten den Bayern aufgezwungen. Denn der Bayer ist unterdurchschnittlich beteiligt und ganz wild auf die Natur. Und niemals würde er die Schlösser verkaufen des einstigen Herrschers Bayerns, der übrigens ein Techniknarr und bestimmt die Weichen anders gestellt hätte.
Einen guten Rutsch auf der Zugspitze, liebe Mitglieder der Staatsregierung, falls dort noch ein Schnee von gestern!
r.kendel
Auf der Zugspitze, höchtser Berg der Republik, ist die Luft dünner als in München. Entsprechend werden auch die Ergebnisse des Bertriebsausfluges ausfallen. Von den Kosten mal ganz abgesehen. Aber die Grünen sind ja auch oben, na dann "Bergheil".
@aposto
Sie glauben aber nicht im Ernst, dass es tatsächlich notwendig ist auf die Zugspitze zu fahren um sich über Umweltforschung zu informieren? Oder habe ich den satirischen Ansatz in ihrem Kommentar übersehen?
Die SZ scheint hier bewusst Politik gegen die Bayerische Staatsregierung zu betreiben ("Betriebsausflug"), in dem absichtlich weggelassen wird, warum die Sitzung auf der Zugspitze stattfindet.
Seit 1998 hat dort die Umwelt Forschungsstation Schneefernerhaus ihren Sitz. So können die Politiker jede erdenkliche Information gleich aus erster Hand erfahren und Umweltforschung vor allem auch - erleben.
Ich halte solche Artikel nicht für fair. Oder haben die Autoren nur schlecht recherchiert?
(http://www.schneefernerhaus.de/ufs.htm)
na endlich geht mal eine staatsregierung mit gutem beispiel voran und hält ihre sitzungen
co2-sparend auf der zugspitze ab; da sieht man mal wieder: bayern ist das höchste im umweltschutz