Klausurtagung Grenzzaun am Kloster Seeon

Harte Worte, herzlicher Empfang (v. li.): CSU-Chef Horst Seehofer, der Gast aus Ungarn, Viktor Orbán, und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

(Foto: A. Gebert/dpa)

Ungarns umstrittener Ministerpräsident Orbán spricht wieder mal bei den Christsozialen. Protestler tun sich schwer

Von Lisa Schnell, Seeon

Protestieren ist nicht einfach. Vor allem die Art des analogen Protests, wie er derzeit aus der Mode zu kommen scheint, stellt Demonstranten vor Herausforderungen. Mit was für Widrigkeiten von Natur, Zeit und Raum sie zu kämpfen haben, zeigte sich bei der Winterklausur der CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon.

Die hatte sich mal wieder den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán eingeladen. Oder wie CSU-Chef Horst Seehofer sagen würde, den "lieben Viktor". Den drückte Seehofer erst herzlich, dann stand er lächelnd neben ihm, als Orbán austeilte. Gegen eine Flüchtlingspolitik in der EU, die "Chaos und Rechtswidrigkeit" nach sich gezogen habe und an manchen Orten - er meinte wohl Merkel-Deutschland - auch noch gefeiert worden sei. Und gegen die, die sich gegen den Willen des Volkes stellten, das die Grenzen angeblich geschützt sehen möchte.

Seehofer sagte noch, dass Orbán auf dem Boden der Verfassung stehe. Fragen, etwa nach den Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Ungarn, durften nicht gestellt werden. Auch innerhalb der CSU meinen manche, mit der Einladung habe man sich keinen Gefallen getan. Bei der Opposition aber löste sie blanke Empörung aus. Womit eine Antwort auf die Ausgangsfrage gefunden werden musste: Wie protestiert es sich richtig?

Die Grünen entschieden sich für 300 Luftballons in europäischem Blau, die sie vom anderen Ende des Sees über dem Kloster steigen lassen wollten. Dazu hatte Fraktionschefin Katharina Schulze noch ein brandneues Megafon dabei. Mit dem schickte sie der CSU die Botschaft, die andere Seite des Sees sei die der Europafreunde. Und schon erhoben sich die Luftballons. Sogar der Wind stand gut. Nur eine Kleinigkeit lief nicht ganz so wie geplant. So mancher Journalist konnte das Zeichen für Europa der Grünen nur noch als kleine Punkte am Himmel davonschweben sehen. Diesmal waren sie überpünktlich, vielleicht auch, weil sie 2015, als Orbán die CSU-Landtagsfraktion auf Kloster Banz besuchte, zu spät dran waren. Damals stand SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher lange Zeit alleine vor dem Klostereingang, in der Hand ein liebevoll gestaltetes Plakat, aber dafür recht einsam. Die Grünen kamen dann erst verspätet mit dem Zug, aber immerhin in hoher Anzahl. Irgendwas ist eben immer.

Bei einer anderen Protestgruppe machte dieses Jahr in Seeon der eigene Terminkalender Probleme. Am Freitag, als Orbán ankam, gab es da keinen Platz mehr. Also standen sie erst zum Ende der Klausur am anderen Ufer. Sie hatten einen Grenzzaun gebastelt und Masken von Orbán, Sebastian Kurz und Markus Söder. Die letzten beiden waren bei der Klausur zwar nicht dabei, aber irgendwie stünden sie ja alle für eine harte Asylpolitik. So genau muss man das nicht nehmen. Vor allem weil sie mit Pater Jeremias vom Sankt-Konrad-Kloster in Altötting sogar christliche Unterstützung dabei hatten. Wie die Flüchtlingspolitik der CSU mit den Lehren Jesu zu vereinbaren sind, versteht der schon lange nicht mehr. Kritik von einer Seite, die der CSU weh tun müsste. Die meisten Abgeordneten waren da allerdings schon abgereist.