Kirche und sexueller Missbrauch "Angst um die Familie"

SZ: Wie haben Sie darauf reagiert?

Preis: Noch gar nicht. Ich weiß nicht, wie. Der Pfarrer ist nach wie vor in Amt und Würden. Ich kann es ja nicht beweisen, es ist auch niemand aus der Familie bereit, etwas zu erzählen. Sie wohnen schließlich in einer kirchlichen Wohnung, sind finanziell abhängig, das Mädchen hat unheimlich Angst um die Familie. Ich sitze mit dem Wissen allein und habe nach meinen Erfahrungen mit dem anderen Fall keinerlei Mut mehr, mich an die Ombudsstelle des Bistums zu wenden. Dabei bin ich mir sicher, dass die Schilderungen glaubwürdig sind.

SZ: Das heißt, den Vorwürfen ist bislang nicht nachgegangen worden.

Preis: Ich habe wirklich kein Vertrauen, dass die Information vom Bistum so behandelt wird, dass nicht wieder eine Unterlassungserklärung oder gar eine Klage bei mir landet.

SZ: Die Leitlinien der Bischofskonferenz von 2002 sehen genau das vor: "Wer von sexuellen Missbrauch Kenntnis erhält, soll sich an die beauftragte Person wenden."

Preis: Die können sagen, was sie wollen. Aber meine Erfahrungen sind andere. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich was ändert. Ombudsmänner sollten nicht von der Kirche eingesetzt werden.

SZ: Warum gehen Sie nicht zur Staatsanwaltschaft?

Preis: Da sickert dann vielleicht auch mein Name durch. Da laufe ich wieder Gefahr, eine Unterlassungsklage zu bekommen. Mein Mut ist wirklich dahin.

SZ: Sie wissen von Missbrauchvorwürfen, können aber nichts tun. Was ist das für ein Gefühl?

Preis: Es belastet mich sehr. Der betreffende Pfarrer hat ja immer noch Kontakt mit Ministranten.