Rettung in letzter Sekunde:Die Polizei findet in Illertissen ein zehn Wochen altes Mädchen kurz vor dem Hungertod. Die Eltern sind drogenabhägig
Das Baby lag abgemagert und apathisch auf einem verdreckten Schlafsofa. Im selben Zimmer hausten drei von Flöhen und Würmern befallene Katzen. Die gesamte Wohnung war voll von gebrauchten Windeln, Katzenkot und verschimmelten Lebensmitteln.
Illertissen in Schwaben: Hier wurde das kleine Mädchen gefunden. (© Foto: sueddeutsche.de)
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Im Kinderbettchen stapelte sich bis zum Gitterrand Müll. "Überall in der Wohnung herrschte ein Geruch von Urin, Tierkot und Müll", sagt Bernt Münzenberg, der Direktor des Amtsgerichts Neu-Ulm. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben die Behörden im März im schwäbischen Illertissen einem zehn Wochen alten Kleinkind im letzten Moment das Leben gerettet - und zwar durch Zufall, weil ein Nachbar in der Wohnung der völlig überforderten Eltern die drei verwahrlosten Katzen gesehen hatte.
Der Katzenfreund verständigte die Polizei - und als die Beamten wegen des Verdachts auf Tierquälerei das 30-Quadratmeter-Apartment betraten, stockte ihnen gleich in zweifacher Hinsicht der Atem: erstens wegen des Gestanks, zweitens wegen des vor sich hin siechenden Kindes, von dem niemand gewusst hatte.
"Die Männer waren fix und fertig", sagt Bernt Münzenberg. Sheila Selina, so heißt das Mädchen, wurde sofort vom Jugendamt in Obhut genommen und ins Krankenhaus gebracht.
Die Ärzte stellten eine lebensgefährliche Austrockung sowie einen "desolaten Versorgungs- und Ernährungszustand" fest, wie es Richter Münzenberg ausdrückt. "Die Reaktionen des Kindes lagen nicht im Normbereich." Inzwischen hat sich das Kind erholt, Pflegeeltern versorgen es.
Den vorbestraften und drogensüchtigen Eltern im Alter von 21 und 22 Jahren wird wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Mitte September vor dem Amtsgericht Neu-Ulm der Prozess gemacht.
Seit März hat das arbeitlose, unverheiratete Pärchen seine gemeinsame Tochter noch kein einziges Mal besucht. "Obwohl wir das zigfach angeboten haben", sagt Münzenberg. "Angesichts dieser Zustände fragt man sich schon, ob eine Zwangsuntersuchung von Babys solche Ausnahmefälle verhindern könnte", sagt der Amtsgerichtsdirektor.
Sheila Selina ist das vierte vernachlässigte oder misshandelte Kind, das in den vergangenen Wochen im Großraum Augsburg/Ulm Gerichte und Öffentlichkeit beschäftigt. In Bobingen lungerte ein Fünfjähriger tagelang unbeaufsichtigt auf der Straße herum, in Landsberg wurde eine Sechsjährige von ihrer Mutter geschlagen und gezwungen, ihr Erbrochenes aufzulecken.
In Ursberg wurde ein Mädchen von Geburt an fast acht Jahre lang versteckt und eingesperrt. Rudolf Winkler, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Augsburger Krankenhaus Josefinum, erklärt diese aktuelle Häufung mit der Arbeit der Behörden: "Die Polizei und das Jugendamt werden besser."
Eine gleichzeitige Verrohung der Gesellschaft schließt Winkler nicht aus, er betont jedoch, dass es bei Kindstötung oder -misshandlung keine signifikante Steigerung gebe. Andererseits beobachtet er in seiner Klinik "eine Erhöhung der Fälle von Vernachlässigung".
Im Fall der inzwischen achtjährigen Anja, die ihr Leben lang in einem verdunkelten Zimmer eines Bauernhauses in Ursberg (Landkreis Günzburg) eingesperrt war, dauern die Ermittlungen an. Die Staatsanwaltschaft Memmingen wartet auf Gutachten zur Schuldfähigkeit der Mutter und zum medizinischen Zustand des Kindes. Beide Expertisen werden frühestens im Oktober erwartet.
Das stumme Mädchen
Zwei Monate nach Anjas Entdeckung tritt allmählich das gesamte Ausmaß der Tragödie zu Tage: Die Entwicklung des Mädchens ist um Jahre verzögert, offenbar hat die Achtjährige erst jetzt in der Therapie richtig laufen gelernt. Wie sehr ihre Intelligenz unter der lebenslangen Tortur gelitten hat, ist derzeit noch nicht absehbar. Der Günzburger Familienrichter Klaus Mörrath entzog der Mutter das Sorgerecht und ernannte eine Verwandte zum Vormund. Als er sich vor seiner Entscheidung mit Anja unterhalten wollte, war kein Gespräch möglich. ,,Sie hat meine Fragen sicherlich verstanden'', berichtet Mörrath, ,,aber Antworten habe ich keine erhalten.''
(SZ vom 14.8.2007)
Die neueste Antwort
Was mich immer wieder irritiert ist folgendes. Als ich in jungen Jahren noch die Welt verändern wollte und mit der roten Fahne rumlief, erfuhr ich später das ich in allen möglichen Dateien registriert war. Selbstverständlich wurde ich auch immer wieder überprüft ob ich nicht doch irgendwas mit irgendeinem Rechtsbruch den man in die linke Ecke tat was zu tun hatte.
Wenn ich aber drogensüchtig wäre und mit einer Frau, die logischerweise auch meine Drogensucht teilt, ein Kind machen würde, dieses Kind auch das Licht der Welt erblickt,
keine Stelle würde irgendwo eine Registrierung machen. Wobei Alkohol auch für mich zum Drogenbereich gehört. Wenn ich gewalttätig wäre, also nur irgendwelche Leute aus nicht ersichtlichem Grunde nur so verprügel, wäre ein Kind auch kein Problem.
Alle diese Fälle die in der letzen Zeit publiziert wurden, waren "Eltern" die für mich klar durch eine soziale Stelle, wie ein Jungendamt, regelmäßig begleitet werden sollten.
übrigens meine Eintragungen bezüglich meiner politischen "Unzuverlässigkeiten" bestehen heute nach 40 Jahren immer noch.
Da soll man bei solchen Widersprüchen im System nicht zum Systemhasser werden.
Und noch was, Geld ist genug da. Solange solche Aktionen, wie die Marine schippert für 500 Mio vor dem Libanon rum und passt auf das die Hisbollah in Frieden ihre Waffen in den Südlibanon bringen kann, denke ich, dass dieses Geld für ein vernünftiges Unterstützungssystem besser investiert ist.
Leider ist die Geschichte nur etwas gekürzt, nur es waren weder Eltern aus dem Drogen Milieu, noch aus armen Verhältnissen. Die Mutter war nicht volljährig, der Vater mit uns Kindern überfordert, und an anderen Dingen interssiert als dass ihm die Kinder die Karriereleiter putt machen. Ort, südlich von München in einem der vornehmsten Wohnorte, nur das als Bemerkung dass es nicht nur soziale Randgruppen trifft.
Ich bin entsetzt darüber, dass der Herr Richter dort meint die schlechtesten Eltern sind besser als keine, der hat wohl noch nie Monatelang als 15 Jähriger alleine wohnen müssen, leider kann ich dem Herren da nur wiedersprechen wenn er auch sonst Recht hat.
Wenn heute diese Dinge geschehen können doch nur dann weil die Kinder entweder zu klein sich zu wehren (1-6 Jahre), hohe soziale Barrieren teilweise den Kontakt verhindern, denn wer will mit soclhen Eltern auch was zu tun haben, und da fragt man lieber nicht weiter. Wer geht schon gerne zu Gericht, um sich den Winkelzügen der Anwálte und Staatsanwálten gegenüberzusehen, und passiert es in eigenen Familienkreisen wird man häufig noch erpresst es nicht zu tun.
Es gehört ein klares Gesetz her das die Verjährung dieser Delikte untersagt, den Kindern und Jugendlichen einen freien Zugang zu Psychologen und sozialen Betruern sichert und ggf. die Eltern lebenslang zu Schadensersatz verpflichtet. Es ist doch ein Witz dass heute Kinder z.T. für Mittellos gewordene Eltern zahlen müssen (oder weil die lieber ein paar Jahrzehnte im sonnigen Süden Auszeit genommen haben, um sich ihrem Leben zu fröhnen), aber nicht gegen 18 oder mehr Jahre psychologische und körperliche Misshandlung klagen kann.
Von einem Berechtigungsnachweiss für das Eltern"Sein" halte ich nichts, in meinem Fall hätten den meine Eltern vom sozialen status her bekommen
Erst einmal an Big Boy: vorausgesetzt, dass das alles wahr ist, haben Sie mein ganzes Mitgefühl. Ansonsten: wir regen uns unablässig auf, wir sind empört, wir sind schwer irritiert - was passiert: nix. Aber auch gar nix. Wenn man der eigenen Wut wirklich nachgibt, möchte man solche Typen wie diese "Eltern" einfach an die Wand stellen.
Aber: das darf man nicht tun. Und: solange wir immer brav sind, gehen die "anderen" halt weiter. Und was ist mit Wegschauen? Ich kann nur appellieren: ich sehe nicht weg und habe mir viel viel ärger damit eingehandelt. Wir müssen einfach in dem kleinen kleinen Krweis in dem wir wirken können, aufpassen. Mehr weiss ich nicht.
Worauf wird noch gewartet, bevor regelmässige Pflichtuntersuchungen für Kinder eingeführt werden? Und als Sanktion Kindergeldentzug. Trotz des legitimen Rechts der Eltern, über viele Dinge zu bestimmen, was ihr Kind betrifft: Kinder sind nicht das Eigentum der Familie, in der sie hineingeboren werden, sie sind vor allem ein gesellschaftliches Gut ("Gut "im Sinne von "Schatz"!) und insofern muss sich die Gesellschaft auch um jedes einzelne Kind kümmern und Verantwortung übernehmen. Man kann nunmal nicht immer vom Ideal des mündigen Bürgers ausgehen, der es von alleine einsieht, dass man Kinder gut behandelt und der deshalb freiwillig sein Kind gut ernährt, es regelmässig zum Kinderarzt bringt usw. Wenn es um die körperliche und geistige Gesundheit der Kleinen geht, so stört mich ein bisschen Druck und Zwang für Eltern gar nicht.
dass zum Kinder kriegen immer zwei Leute gehören.
Ansonsten am besten Leute, die nicht gut genug für Kinder sind, Zwangssterilisieren lassen oder wenn nicht für illegale Kinder einknasten lassen.
Jipieh!
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