Ausgebildete Erzieherinnen werden dingend gesucht. Trotz der guten Job-Aussichten steigt die Zahl der Bewerber kaum. Der Grund ist nachvollziehbar.
Wochenlang durchstöberte Pater Alfons Friedrich Zeitungsinserate und schaltete Anzeigen auf der Suche nach einer Erzieherin für seinen katholischen Kindergarten. In seiner Verzweiflung wandte er sich schließlich direkt an eine der 48 bayerischen Fachakademien und bat händeringend um eine Absolventin - mit dem Ergebnis, dass man ihm eine Jahrespraktikantin schickte.
Bild vergrößern
Engagement zahlt sich nicht aus: 2400 Euro brutto verdient durchschnittlich ein Erzieher monatlich. (© Foto: AP)
Anzeige
Sie ist inzwischen eine von insgesamt vier Erzieherinnen im Münchner "Haus für Kinder". Damit ist der Betrieb gesichert, sofern keine Mitarbeiterin krank wird oder den Job wechselt. Katastrophal nennt der Pater die Personalsituation in München.
Vom enormen Bedarf an Erzieherinnen in Ballungszentren wird auch Hans-Georg Aigner berichten. Er ist der Sprecher der Fachakademien, die heute zur Tagung nach München einladen, um über die Zukunft des Berufs zu reden.
Der Mangel an Erziehern trifft Städte wie München und Nürnberg zurzeit besonders, wo die Nachfrage nach Krippen- und Kindergartenplätzen groß ist. Doch auch auf dem Land wird er zunehmend zum Problem. Denn gegenwärtig investiert die Staatsregierung sowohl in den Ausbau von Ganztagsschulen, der Nachmittagsbetreuung sowie der Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige.
Bis 2012 soll hier eine "Bedarfsdeckung" erreicht werden. Das sind 100.000 Plätze mehr. Doch selbst dann wird es nur für jedes dritte Kind einen Krippenplatz geben. Aigner bezweifelt, dass das reicht. "Wenn das Angebot da ist, steigt die Nachfrage", sagt er. Das aber heißt: Morgen sind Erzieher noch mehr gesucht als heute.
Wer sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen berufen fühlt, kann zurzeit nichts Besseres machen, als eine der Fachakademien zu besuchen. Trotz der guten Aussichten steigt jedoch die Zahl der Bewerber nicht nennenswert. Der Grund ist die geringe Attraktivität des Berufs. Abschreckend ist zum einen die hohe Arbeitsbelastung. Große Gruppen und durchschnittlich 40- bis 50-Stunden-Wochen bei gleichzeitig sozial immer schwierigeren Kindern lassen den Beruf oft zum Knochenjob werden. Schon nach wenigen Jahren fühlen sich viele Erzieher ausgebrannt.
Deshalb war ihnen in diesem Kita-Streik-Sommer auch die Forderung so wichtig, einen Rechtsanspruch auf Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz im Tarifvertrag zu verankern. Zum anderen aber schreckt auch das geringe Gehalt ab.
2400 Euro brutto verdient durchschnittlich ein Erzieher monatlich. Der wochenlange Arbeitskampf brachte lediglich einen Zuschlag von 120 Euro. Das ist wenig, bedenkt man, dass nicht nur die Arbeit, sondern auch die Ausbildung anspruchsvoll ist. Sie dauert fünf Jahre - zwei Jahre Lehre, anschließend drei Jahre Besuch einer der Fachakademien, die obendrein Schulgeld verlangen. Dort wird zwei Jahre Theorie gepaukt, das dritte findet in der Praxis statt.
Als sogenannte Jahrespraktikanten, wie Pater Friedrich sie beschäftigte, verdienen werdende Erzieher sogar nur 1250 Euro. Gleichzeitig arbeiten sie jedoch, wie das Beispiel des Münchner Kindergartens zeigt, bereits als volle Kraft. Immer häufiger hängen sie später auch noch ein Studium an der Fachhochschule dran, weil die pädagogischen Anforderungen steigen und sie sich für Leitungspositionen weiter qualifizieren müssen.
Wie groß auch immer das Engagement ist, es schlägt sich nicht im Gehalt nieder. Pater Friedrich fordert deshalb: "Wir müssen zu einer individuelleren Bezahlung finden." Andere Träger wiederum sind der Ansicht, der Beruf sollte insgesamt aufgewertet und die Fachakademien sollten zu Hochschulen werden - wie es im Ausland üblich ist. Welchen Weg man auch einschlägt, für Aigner steht fest: "So kann es nicht weitergehen. Wir müssen den Status der Erzieher festigen."
(SZ vom 28.10.2009/bica)
Die neueste Antwort
In dem Ort, in dem ich lebe, habe ich vor 10 Jahren eine Initiative der Hausaufgaben- und Nachhilfebetreuung für ausländische und deutsche Kinder und Jugendliche mit der islamischen Gemeinde, vorwiegend mit dem sehr engagierten Imam und seiner sehr netten, intelligenten Ehefrau gegründet.
Freiwillige deutsche Frauen und Abiturienten gaben den Kindern täglich in einem Raum einer Mosche intensiv Nachhilfe. Tische und Bänke sowie die Bücher wurden von den Schulen spendiert (es waren alte, ausgediente - aber noch gut taugliche).
Noch heute existiert diese Betreuung, die von der islamischen Gemeinde sehr gut organisiert wird und auch sehr erfolgreich ist. Unsere bayerische Politikprominenz aller Parteien war hier bereits zu Gast und hat dieses Musterbeispiel gelobt.
Wieso schafften es die Politiker nicht, so einen Weitblick zu haben und rechtzeitig, d.h. vor 40 bis 30 Jahren das Bildungssystem chancengleich zu gestalten?
Wo ist der Weitblick der Politiker?
Ich habe den Eindruck, die Politiker wollen diese Chancengleichheit gar nicht!
"Genau in dieser Betrachtungsweise liegt auch das Problem. Man sollte sich viel eher fragen, welche zukünftigen Kosten durch Bildung (und somit auch durch Intagration) vermieden werden und welche Erträge der Staat oder das Bundesland durch gut ausgebildete und gebildete Kinder später einfahren kann."
Ja aber das wäre ja von den Politikern verlangt in Zeiträumen von 1 bis 2 Generationen zu denken. Davon haben die nix. Die profitieren nur vom Jetzt und Populismus. Die Profite der Investitionen in Bildung würden dann ja andere einfahren. Lieber fahren sie Bildung jetzt zurück und fahren die Privatisierung der Bildung hoch. Das kann man dem Bürger dann als steuerliche Wohltat und kluges Volkswirtschatliches handeln in Form von sparsamen Haushalten verkaufen und wird wiedergewählt. Dass aber dann irgendwann ihr Leben wenn sie nicht mehr arbeiten können von denen, an deren Bildung sie irgendwann aus Geiz herumgeknappst haben bezahlt wird, soweit denken auch die wenigsten Wähler.
Wenn eine oder einer von Euch einen sozialen Beruf ergreift, dann versohle ich demjenigen eigenhändig den Hintern. In diesen Berufen werden Hungerlöhne bezahlt, davon kann man nicht vernünftig existieren.
Sie hat Recht behalten. Bis heute hat sich nichts geändert.
Es fehlt die Anerkennung für diesen Beruf, ich meine die gesellschaftliche Anerkennung.
Schließlich sind es die Erzieher/innen , die das Wertvollste, das es auf diesem Planeten gibt, hüten. Und nicht irgendwelche Anzugträger, die das evtl. von sich denken.
Da läuft etwas grundsätzlich verkehrt bei uns...
Ich dachte immer, die Wege des Herrn seien vielfältig. Aber Sie haben natürlich Recht mit dem Hinweis auf den TVÖD. Siehe hierzu mein zweites Posting; der Pater könnte tatsächlich nicht, weil er nicht garnicht tut, was er sagt - zumindest meine Vermutung.
Paging