Riesen-Wels in Bayern "Der Fisch ist nicht doof"

Als "Killer-Waller" hat es ein bayerischer Wels zu Berühmtheit gebracht. Bis zu zwei Meter lang soll der Raubfisch aus der Isen in Oberbayern sein. Er soll andere Fische, Enten und sogar Schwäne fressen. Manfred Holzner vom Fischereiverein erklärt, warum er sich nicht fangen lässt - und was Menschen befürchten müssen.

Interview: Anna Fischhaber

Kein anderer Süßwasserfisch erreicht eine solche Länge. Kein anderer ist so schwer zu überlisten. Kürzlich zog ein Angler einen Rekord-Waller, oder Wels (Silurus glanis), wie der Fisch auch heißt, aus dem Neckar. Die Nachrichtenagentur dpa schickte ein Foto - und bald wurde der Fisch in der Presse "Ungeheuer" genannt. Als "Killer-Waller" hat es nun auch ein bayerischer Wels zu Berühmtheit gebracht. Um die zwei Meter lang soll der Raubfisch sein, der in der Isen lebt, dort wo sie durch Erharting im Landkreis Mühldorf fließt. Er soll Enten, andere Fische und sogar kleine Schwäne fressen. Fangen lässt er sich nicht. Manfred Holzner, Vorsitzender des Bezirks-Fischerei-Vereins Mühldorf-Altötting, erklärt, warum. Und ob Menschen sich fürchten müssen.

Süddeutsche.de: Herr Holzner, man hört, bei Ihnen in den Isen treibt ein riesiger Wels sein Unwesen. Haben Sie den denn schon einmal gesehen?

Manfred Holzner: Diesen speziellen noch nicht. Aber etliche andere in vergleichbarer Größe.

Von welcher Größe sprechen wir genau?

Zwischen 1,60 Meter und zwei Meter misst der Fisch. In der Beschreibung der Leute ist er natürlich oft noch größer. Aber schon ein Tier mit 1,60 Metern Länge und einem Gewicht bis zu 35 Kilogramm ist gewaltig.

Ist er auch gefährlich?

Kommt darauf an, aus welcher Sicht man das betrachtet. Für einen Ein-Kilo-Fisch oder für Enten auf jeden Fall. Von Schwänen weiß ich nichts.

Für Menschen auch?

Der Wels ist ein Allesfresser. Und wenn man in sein Laichgebiet eindringt, kann er ganz schön aggressiv werden. Wenn da ein Schwimmer kommt, kommt eben ein Schwimmer. Ich sag mal: Das ist ein realistisches Szenario. Aber mit geringer Wahrscheinlichkeit. Fälle, in denen Waller Menschen angreifen, sind belegt. Aber obwohl es inzwischen so viele gibt, kommt das nur ein oder zwei Mal im Jahr vor.

Gibt es denn wirklich so viele Waller?

Seit etwa zehn Jahren vermehrt sich der Wels immer mehr und verdrängt andere Fische. Er hat viele Vorteile: Er kommt gut mit verbauten Gewässern klar. Und damit, dass unsere Gewässer immer wärmer werden. Die gesamte Donau war immer schon Verbreitungsgebiet. Auch im Main kommt er vor und in den ganzen angebunden Baggerseen. Eigentlich gibt es in Deutschland nur noch wenige große Gewässer, in denen es keine Waller gibt.

Was macht Ihren Waller in der Isen jetzt zum besonders gefährlichen "Killer-Waller"?

Gegen die Kombination Killer und Waller wehre ich mich. Das ist ein Raubfisch, aber der hat ja keinen bösen Willen oder eine Mordlust, wie sie Menschen teilweise an den Tag legen. Wenn der eine Ente frisst, ist das für ihn eben keine kleine süße Ente. Sondern Nahrung, die ihm für 14 Tage Energie verschafft. Ich versuche ja auch nicht die Löwen in Afrika zu zwingen, nur noch Joghurt zu essen.

Na gut, aber was ist dann das Besondere an diesem Waller?

Wahrscheinlich nur, dass er mitten in der Ortschaft lebt. Dass sich schon so viele Fischer beschwert haben. Und Sie müssen sich vorstellen, die Isen ist nur 20 Meter breit und im Durchschnitt nur 1,50 Meter tief. Da ist es für viele Menschen schon erstaunlich, dass dort ein Fisch lebt, der größer als ein Dosenhering ist. Baden tut an der Isen in Erharting übrigens niemand.

Warum ist er so schwer zu fangen?

Für einen Sportfischer ist das praktisch unmöglich. Ein Fisch dieser Größe kann sich einer normalen Angel widersetzen. Er legt sich einfach auf den Boden und bewegt sich nicht mehr. Fischer erzählen auch, dass er schnurstracks auf das nächste Hindernis zugeschwommen ist. Was zeigt, dass der Fisch nicht doof ist.

Und was wollen Sie gegen die Ausbreitung der Waller tun?

Der Fisch hat sich ja ganz natürlich verbreitet. Man würde in ein komplexes Ökosystem eingreifen, wenn man die Verbreitung stoppen würde. Keiner weiß, was dann passiert. Ich sag mal: Einfach nur meine Heugabel in den Misthaufen stecken und ein bisschen rumstochern und hoffen, dass etwas Gutes passiert - das ist mir zu wenig. Ich rate deshalb: Erst einmal abwarten.